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Spanisches Flair bei der Silvestergala der Württembergischen Philharmonie

Die Württembergische Philharmonie Reutlingen vermittelte bei der Silvestergala zusammen mit zwei Solokünstlern spanisches Lebensgefühl.

Spanische Atmosphäre pur vermittelte die Württembergische Philharmonie Reutlingen mit der Kastagnettenspielerin Belén Cabanes un
Spanische Atmosphäre pur vermittelte die Württembergische Philharmonie Reutlingen mit der Kastagnettenspielerin Belén Cabanes und Tenor Eduardo Aladrén. Foto: Gabriele Böhm
Spanische Atmosphäre pur vermittelte die Württembergische Philharmonie Reutlingen mit der Kastagnettenspielerin Belén Cabanes und Tenor Eduardo Aladrén.
Foto: Gabriele Böhm

REUTLINGEN. Einen mitreißenden Abend unter spanischer Sonne bescherte die Württembergische Philharmonie Reutlingen am Silvesterabend ihrem Publikum in der vollbesetzten Reutlinger Stadthalle. Unter dem Dirigat von Thomas Herzog nahmen die aus Barcelona stammende Kastagnettenvirtuosin Belén Cabanes und der spanische Tenor Eduardo Aladrén die Gäste mit in ihre Heimat. Auch Thomas Herzog, seit mehr als 15 Jahren regelmäßiger Gastdirigent bei der Philharmonie, hat sich spanischen Komponisten verschrieben. Was das Publikum also erwarten durfte und auch erhielt, waren Authentizität, eine völlige Hingabe an spanische Musik und Tradition. Mehrfach wurde begrüßt, dass das Konzert ein wohliges akustisches Eintauchen in die Kultur ermöglichte.

Selige Tanzschwünge

Lyrisch begann das Orchester mit der »Sevillaña op.7« von Edward Elgar, der sie als Versuch beschrieb, die Stimmung eines spanischen Festes einzufangen. Selige Tanzschwünge waren zu hören und auch feuriges Temperament und Lebensfreude. Das Orchester verstand es, die Begeisterung des britischen Komponisten für den spanischen Lebensstil zu vermitteln und das Publikum mitzunehmen in den Süden. Auch Tschaikowski hat in die Schwanensee-Suite einen »Danse espagnole« integriert, einen volkstümlichen Tanz mit spanischem Flair. Als Rhythmusinstrumente wurden Tamburin und der Woodblock der Orffschen Instrumente eingesetzt, der einen kastagnettenähnlichen Klang erzeugen kann.

Echte Kastagnetten erlebte das Publikum in den Händen der ebenso grandiosen wie sympathischen Künstlerin Belén Cabanes, die – ganz stolze Spanierin – ein wahres Feuerwerk an tiefen und hohen Tönen in atemberaubender Geschwindigkeit abbrannte und dabei unterschiedliche historische Instrumente verwandte. Die »Sonata en re«, die »Rumores de la Caleta«, der »Fandango« aus der Zarzuela »Dona Francisquita« oder der »Rituelle Feuertanz« riefen Begeisterungsstürme hervor. Nicht zuletzt, weil in der Choreografie der weltweit gefragten Künstlerin auch ihre meisterliche Beherrschung des Flamencotanzes zum Tragen kam. Taktgefühl und Hochleistungssport für die Hände vereinigten sich zu einer Manifestation rhythmischer Virtuosität. In Gestik, Mimik, Bewegung und Dynamik erzählte Belén Cabanes mit ihren Kastagnetten Geschichten in spanischer Tradition.

Technische Brillanz

Bewundernswert war das Zusammenspiel mit dem Orchester, das sich perfekt in die anspruchsvollen Stücke einfühlte und sie mit feinen Nuancen, technischer Brillanz, Farbe und Charakter interpretierte. So erklangen der »Spanische Marsch« von Johann Strauss mit ausdrucksstarken Hörnerpassagen, die zarte »Habanera« von Emmanuel Chabrier oder das tänzerisch-leichte »Intermedio« aus »La Boda de Luis Alonso« mit folkloristischen Themen. Immer wieder traten einzelne Instrumentengruppen hervor und sorgten für differenzierte Klänge.

Beeindruckend war auch die Bühnenpräsenz des Tenors Eduardo Aladrén, der mit kraftvoller, ausdrucksstarker Stimme und hingebungsvoll dem Publikum zugewandt Stücke voller Dramatik interpretierte. So erklangen die Zarzuela »El último romantico«, die Romanza »Paxarin, tu que vuelas«, die berühmte Blumenarie des Don José aus »Carmen« oder die Romanza »Adiós, Granada« aus »Emigrantes«, die Sehnsucht und Abschiedsschmerz verkörpert. Aladrén vermittelte sensibel die in den Stücken enthaltenen Gefühle. Im Traditionstanz »Jota« aus »El trust de los tenorios« erlebte das Publikum beide Solokünstler und das Orchester gemeinsam in spanischem Kolorit.

Das Gesamtkunstwerk der Silvestergala erhielt begeisterten Beifall und Bravorufe, für die die Akteure zwei Zugaben, darunter der Radetzkymarsch zum Mitklatschen, spendierten. (GEA)