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Aktuell VOR DER PREMIERE

Satire über fiktiven Eingriff ins Stadtbild

Das LTT zeigt von Sonntag an den »visionären Infoabend« »Die Sprengung des Hölderlinturms«

Jan Böhler mit Sven Tildenhammer
Vor dem Hölderlinturm: Jan Böhler mit Kollege Sven Tildenhammer von kick>start.culture (alias: LTT-Schauspieler Justin Hibbeler und Daniel Hölzinger, von links). FOTO: LTT
Vor dem Hölderlinturm: Jan Böhler mit Kollege Sven Tildenhammer von kick>start.culture (alias: LTT-Schauspieler Justin Hibbeler und Daniel Hölzinger, von links). FOTO: LTT

TÜBINGEN. LTT-Schauspieler Justin Hibbeler ist Jan Böhler, 32 Jahre alt und Gründer des Start-ups kick>start.culture. Nun hat der erfolgreiche Culturepreneur, wie er sich selbst nennt, nicht weniger als ein Jahrhundertereignis geplant: die Sprengung des Hölderlinturms. Pfusch am Bau habe es gegeben – ein guter Grund, Raum für Neues zu schaffen und die Universitätsstadt mit einer neuen Attraktion auszustatten. Im Rahmen eines Infoabends legt Jan Böhler gute Gründe für sein visionäres Vorhaben dar. Diese sind natürlich ökonomischer, aber auch ideeller Natur, denn: Wäre eine Sprengung nicht ganz im Sinne des schwäbischen Dichters?

Die Initialzündung für das Projekt lieferte dem Schauspieler die Diskussion um die Regionalstadtbahn-Innenstadtstrecke: »Wie ein Thema das Stadtgespräch so sehr bestimmt – und so stark polarisiert, mit Bannern an den Häusern, mit Gegeninitiative, das hat mich fasziniert. Ich habe erst überlegt, das dokumentarisch aufzuarbeiten. Ich bin dann aber schnell dazugekommen, das Absurdeste und das Tübingerischste zusammenzubringen. So kam die Idee, gute Gründe für eine Sprengung des Hölderlinturms zu sammeln.«

Das nüchterne Format der Infoveranstaltung bietet für Hibbeler einen besonderen Reiz: »Was mir viel Spaß macht, sind Mockumentaries, die einen realen Punkt aufgreifen – und dann aber die Realität ins Absurde treiben. Erstmal dient das Format der Information. En passant gibt es auch Wissenswertes zum Gebäude, zum Mythos Hölderlin, dazu, was da eigentlich an der Neckarfront steht. Ich greife da auf viel Material zurück, welches der Turm öffentlich bereitstellt. Der Humor entsteht dann in der Diskrepanz zwischen sachlich wirkender Form und den absurden Inhalten.«

Konzept und Text hat der Schauspieler selbst entwickelt. Während der Proben arbeitet Magdalena Heffner, Produktionsassistentin am LTT, gemeinsam mit ihm an der Umsetzung auf die Bühne. Trotz aller Satire auf die Event-Kultur wollen beide die Faszination für das Gedankenexperiment nicht aus dem Blick verlieren: »Böhler trifft einen sehr wunden Punkt mit Eingriffen ins Stadtbild«, beschreibt Heffner. »Nur die Vergrößerung der Eberhardsbrücke wäre ja schon für die meisten Tübingerinnen und Tübinger nicht gegangen. Nun kommt dieser Jan Böhler von außen und glaubt, er könne hier was ändern. Diese Provokation interessiert mich.«

»Die Sprengung des Hölderlinturms« (Dramaturgie: Laura Guhl) hat am Sonntag, 29. Mai, um 16 Uhr im LTT-Foyer Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 1. Juni, 20 Uhr, 25. Juni, 18 Uhr und – im Hölderlinturm – am 19. Juli, 19.30 Uhr. (eg)

 

www.landestheater-tuebingen.de