REUTLINGEN. Es war eine seltene Kombination, die am Montagabend im gut besuchten Reutlinger Pappelgarten zum Klingen kam: Das Kirschblütenquartett aus Mitgliedern der Württembergischen Philharmonie vereint eine Oboe mit einem Streichtrio, sprich Geige, Bratsche und Cello. Was einen eigenen Reiz entfaltet: Es vermittelt das Gefühl von Arien überm Orchestergrund – nur hier im Kammerformat und mit der Oboe anstelle der Sängerin.
Hier ist nun also Yuko Schmidt die Sängerin an der Oboe, die getragen wird von Andrea Ott an der Geige, Friederike King an der Bratsche und Stephan Meyer am Cello. Weich und warm strömt ihr Ton, immer wieder wechselt sie zum Englischhorn, das einen noch dunkleren Schmelz verströmt. Die Streicher breiten ihr einen samtig-seidigen Teppich aus oder tragen sie mit der Energie rhythmischer Impulse, mal gestrichen, mal gezupft. Immer wieder ziehen sie auch die Melodie an sich, hell schimmernd die Geige, geheimnisvoll verschattet die Bratsche, leidenschaftlich das Cello. Ein bezauberndes Wechselspiel.
Sanft fließende Melodien
Der Reigen ist voll warm empfundener Melodien. Vom jungen Edward Elgar erklingt ein lyrisch fließendes »Andante Sostenuto« gefolgt von einem beschwingten Allegro. Von Mozarts die beseelte Weise aus seinem »Ave Verum«, die er erst für Englischhorn notiert hatte – aus welchem sie nun auch strömt, in einer Bearbeitung des Tschechen Milan Munclinger. All diese Informationen vermittelt verschmitzt und kenntnisreich der ehemalige württembergisch-philharmonische Trompeter Carl-Friedrich Schmidt als Moderator. So auch, wie viele Anläufe es brauchte, bis aus einer B-Dur-Skizze des jungen Franz Schubert das Streichtrio wurde, das seine Kollegen nun so federnd und kontrastreich ausleuchten.
Entzückende Raritäten sind zu entdecken. Das »Phantasy Quartett« des erst 18-jährigen Benjamin Britten etwa, 1933 als Studienwerk uraufgeführt: Aus tastenden Cello-Pulsen steigen ganze Welten auf, rhythmisch delikat und voller Farbigkeit. Oder das Oboen-Quartett von Malcolm Arnold, vor allem bekannt als Filmkomponist: mit jazznahem Groove und Mut zu angeschärften Harmonien. Nicht fehlen darf am Ende die berühmte »Berceuse« von Gabriel Fauré, jene sanft wiegende Melodie, die sich so zart ins Ohr schmeichelt – hier in einer wunderschönen Fassung für Englischhorn und Streichtrio, eigens erstellt vom WPR-Geiger Konrad Balik. Bezaubernde Kammermusik, die in der Gaststube des Pappelgartens wie eine Hausmusik im vertrauten Kreis wirkt. (GEA)


