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Rock-Schlacht mit Cäsar und Napoleon: Sabaton in Stuttgarter Schleyerhalle

Historische Schlachten sind das Material für die Metal-Epen der schwedischen Band Sabaton. In stilechter Gewandung begegnet man Cäsar, Napoleon und Dschingis Khan.

Auf historischen Schlachtfeldern unterwegs: (von links) Pär Sundström, Joakim Brodén und Chris Rörland von Sabaton.
Auf historischen Schlachtfeldern unterwegs: (von links) Pär Sundström, Joakim Brodén und Chris Rörland von Sabaton. Foto: Ulrich Schertlin
Auf historischen Schlachtfeldern unterwegs: (von links) Pär Sundström, Joakim Brodén und Chris Rörland von Sabaton.
Foto: Ulrich Schertlin

STUTTGART. Das Feuer brennt auch nach 25 Jahren noch: Die schwedische Power-Metal-Band Sabaton (so nannte man im Mittelalter den Eisenschuh der Ritterrüstung) war erneut in der Schleyerhalle und zelebrierte mit der »Legendary«-Tour eine hymnisch-epische Musik- und Pyroshow. Im Vorfeld sorgte das Legendary Orchestra mit Frontfrau Noa Gruman mit instrumentalen Sabaton-Variationen ohne Gitarre und Schlagzeug für Stimmung.

Gegründet 1999 im schwedischen Falun machte sich die Band schnell Fans mit ihren eingängigen Melodien und bombastisch arrangierten Keyboardklängen in Kombination mit sägenden Gitarren und rauem Gesang von Joakim Brodén. Elf Studioalben haben die Schweden mittlerweile veröffentlicht, zu Beginn stand noch Brodén selbst hinter der Tastatur.

Von Spielberg-Film inspiriert

Heute ist das Setting ein ganz anderes: Die Bühne ist in eine Burg verwandelt, in deren Mauern Templer, Napoleon, Julius Cäsar und Dschingis Khan aufeinandertreffen. Seit jeher beherrschen historische Schlachten, Feldherren und Kriege die Songs der Band. Die Idee für diesen Fokus verdankt sich dem Steven-Spielberg-Film »Der Soldat James Ryan« über den Zweiten Weltkrieg, der Sänger Brodén und Bassist Pär Sundström nachhaltig beeindruckte.

Dies spiegelt sich in vielen Titeln wieder, die Sabaton populär gemacht haben. »Primo Victoria« ist einer der ikonischsten Songs und setzt sich mit dem D-Day am Ende des Zweiten Weltkriegs auseinander. »Night Witches« beschäftigt sich mit den sowjetischen Bomberpilotinnen und bringt die fast ausverkaufte Halle zum Beben. »Hordes of Khan« besingt Dschingis Khan nicht nur als Eroberer, sondern beleuchtet auch seine politischen Fähigkeiten, da er die unabhängigen Mongolenstämme einte. Der schnelle Rhythmus lässt das Bild von durch die Steppe galoppierenden Pferden aufkommen.

Carolus Rex und Schweizer Garde

»Carolus Rex« ist der Titelsong des Studioalbums von 2012 und wurde in Schweden mehrfach mit Platin ausgezeichnet. Das Stück handelt von Karl XII und seinem Wirken und Tod im großen nordischen Krieg. Nicht fehlen durfte auch »The Last Stand«, in dem Sabaton den Kampf der Schweizer Garde 1527 gegen die Plünderer in Rom besingt.

Die Musiker schlüpten während des Auftritts in verschiedene Kostüme – mal mittelalterlich im Kettenhemd (zum Opener »Templars«), mal mit Pickelhaube und Gasmaske durch den Publikumsblock marschierend. Es gibt nicht nur viel für die Ohren, auch fürs Auge. Frontmann Brodén und Kollegen haben sich von Anfang an auf den Military-Look festgelegt – als Krieger, Kämpfer, Kombattanten würden die Schweden auf jeden Fall durchgehen. Bassist Pär Sundström auch als Wikinger oder König Theoden. Es zischt, knallt, und Feuerfontänen begleiten viele Stücke – zur Freude der Fans. Das schafft Hitze, und Brodén wird vom Publikum zum Trinken animiert: »Noch ein Bier!«, schreit die Menge, sodass auch der Rest der Band etwas Kühles in die Kehle bekommt.

Hymnische Gesänge

Nach fast zwei Stunden epischer Klänge und hymnischer Gesänge schließen die Schweden mit »To Hell and Back« und »Masters of the World«. Und dürfen noch nicht zum Rückzug blasen, denn der frenetische Fangesang treibt die Musiker abermals auf die Bühne. Dann ist endgültig Schluss, und bevor man es sich versieht, sind warnwesten-gewandete Arbeiter da und brechen die Burg in der Schleyerhalle wieder ab. (GEA)