STUTTGART. Die Stuttgarter Schleyerhalle mit 12.500 Zuschauern ausverkaufen und über zwei Stunden mit einer Show zu begeistern - das schaffen nur die ganz Großen im Musikgeschäft. Die 1984 gegründete deutsche Powermetal-Band Helloween - die eigentlich gar nicht so viele ganz große Charterfolge hat - schaffte es mit einem genialen Einfall, mit ihrer aktuellen Live-Show in die Liga der ganzen Großen vorzustoßen.
Sie formierten sich 2017 als All-Star-Band mit drei Gitarristen und drei Sängern, sodass nun sieben Musiker auf der Bühne stehen. Denn ursprünglich hatten Helloween nur vier Mitglieder, die bis auf den 1993 verstorbenen Schlagzeuger Ingo Schwichtenberg alle noch dabei sind. Kai Hansen war ursprünglich neben der Gitarre auch noch für den Leadgesang zuständig, den er 1986 an Michael Kiske abgab und sich auf die Saiten konzentrierte, bevor er 1988 aus Helloween ausstieg und die Band Gamma Ray gründete. Michael Kiske wiederum stieg 1993 aus der Band aus, zwischenzeitlich kündigte er sogar seinen gänzlichen Ausstieg aus der Metal-Szene an. Sein Nachfolger als Sänger und Frontmann wurde Andi Deris, der mittlerweile auch der Hauptkomponist der Band ist.
Eines von drei Deutschlandkonzerten
Bei der Show in der Schleyerhalle, die eins von nur drei Deutschlandkonzerten ist, bevor die Tour in Asien und den USA fortgesetzt wird, teilten sich Kai Hansen, Andi Deris und Michael Kiske die Gesangsparts auf, wechselten sich ab und arrangierten einige Songs als Duette, was der Band enorme neue Möglichkeiten gibt. Zusätzlich hat sich die Band 2002 mit dem Gitarristen und Backgroundsänger Sascha Gerstner als dritten Gitarristen zu Hansen und Michael Weikath verstärkt, was den Instrumentalteilen einiger Songs eine Power gibt, die an die Triple-Gitarren-Besetzung von Iron Maiden erinnert.
Kritik übte Kiske in einer Ansage an der Komposition von Liedern und auch dem Schreiben von Konzertkritiken durch Künstliche Intelligenz. Auch wenn Künstliche Intelligenz in Filmen und Shows, richtig eingesetzt, den Künstlern neue Möglichkeiten gebe, habe er das Gefühl, dass KI auf lange Sicht die Kunst zerstöre. Die Band bemühe sich deshalb, mit der Power des Old-School-Heavy-Metal gegen die KI anzuspielen.
Die eigentliche Stärke der aktuellen Show ist, dass sie das All-Star-Team über zwei Stunden so inszeniert, dass die individuelle Virtuosität jedes Einzelnen zelebriert wird. Da gibt es minutenlange Instrumentalsoli - auch ein Drumsolo des 2005 zur Band gestoßenen Daniel Loeble - und bei den Balladen »In the Middle Of A Heartbeat« und »A Tale That Wasn't Right« sitzen Deris und Kiske auf Barhockern und begleiten sich mit der Akustikgitarre, während der Rest der Band in eine »Rauchpause« verschwunden ist. Ebenso akzentuiert arrangiert wie der Einsatz der Instrumente ist auch die Choreografie der Showelemente wie Pyroflammen, Konfettikanone und animierte Videoclips auf der LED-Wand. Es werden bei einzelnen Liedern gezielte Akzente gesetzt, statt die Sinne der Zuschauer mit Dauer-Feuerwerk zu überfordern.
Das Set umfasst Klassiker wie »I Want Out«, aber auch einige Songs vom 2025 erschienenen aktuellen Album »Giants & Monsters«, darunter einige sehr gelungene Kompositionen wie »This Is Tokyo« und »A Little Is A Little Too Much«. Die größten Hits wie »Dr. Stein« und »Keeper Of The Seven Keys« gab es in der Zugabe.
Finnische Vorgruppe
Zum gelungenen Gesamteindruck der Show gehörte auch die zwölf Songs umfassende Performance der Vorgruppe Beast in Black. Die finnische Power-Metal-Combo - ursprünglich eine Abspaltung von Battle Beast - begeisterte mit der enormen, mehrere Oktaven umfassenden Stimme ihres griechischen Sängers Yannis Papadopoulos. Die Songs der Band, die mit ihren drei Studioalben bereits Top-Ten-Chartplatzierungen in Deutschland erreicht hat, handeln von Themen aus japanischen Mangas, wie etwa einem Berserker, nach dem sich die Band benannte. Beast in Black, deren Hit »Blind And Frozen« viele Helloween-Fans in der Schleyerhalle mitsingen konnten, kündigten für das nächste Jahr ihr viertes Album und eine Headliner-Tournee mit Sonata Arctica an, die sie auch in die Ludwigsburger MHP Arena führen wird. (GEA)


