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Philharmonia Chor Reutlingen plant »Carmina Burana« mit Akrobatik

Der Philharmonia Chor Reutlingen plant drei Aufführungen des Oratoriums »Carmina Burana« von Carl Orff. Dabei erwartet das Publikum eine multimediale Inszenierung mit Musik, Tanz und Schauspiel.

Fiona, Luna, Hannah und Marie üben mit dem Chorografen Hannes Langanky für die Aufführung von »Carmina Burana«. In die Rolle des
Fiona, Luna, Hannah und Marie üben mit dem Chorografen Hannes Langanky für die Aufführung von »Carmina Burana«. In die Rolle des Schwans wird in den Aufführungen der Tenor Christian Wilms schlüpfen. Foto: Verena Völker
Fiona, Luna, Hannah und Marie üben mit dem Chorografen Hannes Langanky für die Aufführung von »Carmina Burana«. In die Rolle des Schwans wird in den Aufführungen der Tenor Christian Wilms schlüpfen.
Foto: Verena Völker

TÜBINGEN. Nicht nur musikalisch verspricht die Aufführung von Carl Orffs »Carmina Burana« ein Highlight zu werden. Martin Künster, dem die musikalische Leitung obliegt, und der Akrobat und Schauspieler Hannes Achim Langanky, der die Choreografien mit Chor und Kinderdarstellern einstudiert hat, werden Ende Juli drei Aufführungen präsentieren, die Musik und Visuelles vereinen.

Erweiterung durch Schauspiel

Am vergangenen Wochenende probten dafür vier junge Schauspielerinnen im Alter von elf Jahren auf der Waldbühne im Sudhaus unter Langankys Anleitung. Das Werk Orffs nach den Texten einer mittelalterlichen Liedersammlung mitsamt seinem brachialen Eingangschor »O Fortuna«, in dem das unaufhaltsam sich wendende Schicksal des Menschen besungen wird, soll durch Akrobatik und Schauspiel eine Ergänzung erfahren.

Während Musik aus den Lautsprechern erklingt, betreten drei der vier Mädchen mit langsamen, kontrollierten Bewegungen die Waldbühne. Sie tragen Papierobjekte in den Händen. Eines der Mädchen stellt sich hinter Langanky und hält zwei Papierflügel links und rechts von ihm und stellt so den Schwan dar. Langanky tritt in der Produktion selbst als Akrobat auf, übernimmt aber auch die Rolle des Choreografen und des Regisseurs. Zudem leitete er den Workshop mit den vier Schülerinnen, die bei der Aufführung in vier Szenen schauspielern werden, allerdings ohne Text. Bei der Probe übernimmt er vorübergehend die Rolle des Tenors Christian Wilms, der in den Konzerten den Solopart singen wird. Dabei wird er den Schwan mimen, der gebraten wird und von seinem einstigen Leben singt. Als weitere Solisten werden die Sopranistin Christine Reber und der Bassist Matthias Bein auftreten.

Ästhetische Akrobatik

In einer weiteren Szene eilen die jungen Darstellerinnen durch die Stuhlreihen, in denen das Publikum später sitzen wird, während der Chor das Liebeslied »Veni, veni, venias« singt. Sobald die Gesangspartie der Sopranistin einsetzt, gehen sie auf die Bühne und halten Papierherzen hoch. Langangy tanzt währenddessen seinen Part, den er später mit seiner Tanzpartnerin Lisa Härtl ausführen wird. So entsteht der Eindruck, als würden die Darstellerinnen ein Liebespaar beobachten, während das Publikum sowohl der Stimme von Solistin Christine Reber lauscht als auch die Akrobatik auf der Bühne bestaunen kann.

Aufführungsinfo

Carl Orffs Oratorium »Carmina Burana« wird am Freitag, 25. Juli, um 20.30 Uhr auf der Waldbühne des Tübinger Sudhauses aufgeführt, am Samstag, 26. Juli, um 19.30 Uhr im Theater im Kurhaus Freudenstadt und am Sonntag, 27. Juli, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Reutlingen. Es singen der Philharmonia Chor Reutlingen und der Konzertchor Reutlingen, der Kinderchor II Cantiamo! der Musikschule Reutlingen, das Junge Ensemble 23 Tübingen, die Kinderchöre der Albert-Schweitzer-Kirche und der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche Tübingen und die Profilchöre des Keplergymnasiums Freudenstadt. Es spielt das Tübinger Ärzteorchester, Solisten sind Christine Reber, Sopran, Christian Wilms, Tenor, und Matthias Bein, Bass. Zudem wirken mit: die Akrobaten Lisa Härtl und Hannes A. Langanky sowie weitere Laiendarsteller. (GEA)
https://www.philharmonia-chor-reutlingen.de/

Härtl und Langanky bilden das Duo Lines, das sich auf Hand-auf-Hand Akrobatik versteht. Dabei werden verschiedenste Figuren und Posen gezeigt. Insgesamt wird es während der Aufführung drei Auftritte der Akrobaten und vier Auftritte der Darstellerinnen geben. Für den Regisseur war es wichtig, die kindliche Perspektive in das Werk zu integrieren – ein Werk, das von der Frage handelt, was es zum Leben braucht.

Holzschnitte als Inspiration

Langanky hatte zuvor schon mit dem Chor Choreografien einstudiert. Er ließ sich für die visuelle Umsetzung von dem Reutlinger/Eninger Künstler HAP Grieshaber inspirieren, der 1965 eine Serie von Holzschnitten zu Orffs »Carmina Burana« schuf. Einige dieser Werke werden während der Aufführung in der Reutlinger Stadthalle ausgestellt. Doch sie sollen nicht nur Dekoration sein. Im Laufe des Konzerts verwandeln sich die Sängerinnen und Sänger durch Umkleiden auf der Bühne in lebende Abbilder der Grieshaber-Werke. Besonders im zweiten Teil, wenn der Frühling musikalisch Einzug hält, wird sich der Chor allmählich in ein »grünendes Bild« verwandeln. Dies erfolgt subtil und unaufdringlich, wie Langanky betont, um das Publikum nicht von der Musik abzulenken.

Der Philharmonia Chor Reutlingen ist bei den Aufführungen nicht allein, sondern bekommt Unterstützung vom Konzertchor Reutlingen sowie dem Kinderchor II Cantiamo! der Musikschule Reutlingen, dem Jungen Ensemble 23 Tübingen, dem Kinderchor der Albert-Schweizer- Kirche und Dietrich Bonhoeffer-Kirche Tübingen sowie den Profilchören des Keplergymnasiums Freudenstadt. Insgesamt werden etwa 140 Sänger an dieser Gemeinschaftsproduktion beteiligt sein. Begleitet werden sie dabei von dem Tübinger Ärzteorchester. Das Ergebnis ist am 25. Juli im Tübinger Sudhaus, am 26. Juli im Kurhaus in Freudenstadt und am 27. Juli in der Stadthalle in Reutlingen zu hören und zu sehen. (GEA)