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Peter Prange liest in Tübinger Friedhofskapelle

Peter Prange hat in der Kapelle auf dem Tübinger Stadtfriedhof aus seinem Buch »Alle Erinnerung ist Gegenwart« gelesen. Der Schriftsteller sprach auch darüber, was er an Tübingen schätzt und befremdlich findet.

Autor Peter Prange (rechts, mit Verleger Jürgen Stollberg) bei seiner Lesung in Tübingen aus dem Buch "Alle Erinnerung ist Gegen
Autor Peter Prange (rechts, mit Verleger Jürgen Stollberg) bei seiner Lesung in Tübingen aus dem Buch »Alle Erinnerung ist Gegenwart«. Foto: Christoph B. Ströhle
Autor Peter Prange (rechts, mit Verleger Jürgen Stollberg) bei seiner Lesung in Tübingen aus dem Buch »Alle Erinnerung ist Gegenwart«.
Foto: Christoph B. Ströhle

TÜBINGEN. Dass der in Tübingen lebende Schriftsteller Peter Prange, unlängst 70 geworden, in der Unistadt aus einem seiner Werke las, war nicht ungewöhnlich, der Ort dagegen schon. Die Kapelle auf dem Stadtfriedhof war deshalb ausgewählt worden, weil der Autor in seinem autobiografischen und lebensphilosophischen Stundenbuch »Alle Erinnerung ist Gegenwart« vom Werden und Vergehen erzählt. Und weil der Tübinger Stadtfriedhof indirekt Entstehungsanlass für das Buch war.

»Selten«, sagt Prange, »bin ich in ein Buch so zufällig hineingestolpert wie in dieses. Aber kaum eines hat sich für mich als so zwingend notwendig erwiesen.« Der (bei der Lesung anwesende) Verleger Jürgen Stollberg hatte das Buch angeregt, nachdem Prange auf Facebook die für ihn reservierte Grabstelle auf dem Friedhof gepostet hatte - »mein ultimatives Honorar, das ich für meine Mitwirkung an einer Schriftenreihe zum 950. Tübinger Stadtjubiläum bekam«, wie der Schriftsteller sagte. Das im September erschienene, reich bebilderte Buch sei weder eine Autobiografie noch ein Bilderbuch aus seinem Leben, »eher eine illustrierte Autofiction meiner geistigen und schriftstellerischen Entwicklung«.

Naives Glückskind

Prange begreift die Erinnerung nicht als Archiv, sondern als Resonanzraum. Das Vergangene lebe weiter: »in unseren Träumen, in unseren Ängsten, in unseren Geschichten«. Das Glück seiner frühen Tage habe mit der Pubertät ein jähes Ende gefunden, schreibt er. So sei er vom »naiven Glückskind zum depressiven Existentialisten« geworden. In der Verfilmung seines Romans »Unsere wunderbaren Jahre« (unter anderem mit Anna Maria Mühe und Katja Riemann) hat Prange einen kurzen Auftritt. Den Roman habe er auch deshalb geschrieben, um allen, die meinten, er stamme aus Hamburg-Altona, seine Heimatstadt Altena im Sauerland begreifbar zu machen, sagte Prange.

Seine »schriftstellerische Grundausbildung« habe er erhalten, als er mit seinem Vater, der zusammen mit seiner Frau ein Bettengeschäft führte, Betten auslieferte und dabei Alltägliches und wilde Geschichten zu hören bekam. Seine Neugier auf das, was die Leute erzählen, sei schon als Kind sehr ausgeprägt gewesen. Dass er nach Tübingen zog, wo seine »Angebetete damals studierte«, hat Prange, wie er schreibt, nie bereut. Er gründete dort eine Familie und wurde zum Schriftsteller. Die Stadt erwies sich dafür als fruchtbarer Boden. »Ich glaube, es gibt keinen anderen Ort in Deutschland, der auf so engem Raum so viele interessante Menschen vereint.« Tübingen ist, wie Prange vermutet, die Stadt mit Deutschlands höchstem IQ. »Manche sagen auch: mit der größten Klugscheißerdichte pro Quadratmeter.« Dass Hegel hier einst den Weltgeist erfunden habe, wundere ihn nicht. Nur mit dem schwäbischen Dialekt, so ließ Prange anklingen, kann er sich bis heute nicht anfreunden.

Das Buch

Peter Prange: Alle Erinnerung ist Gegenwart. Ein Stundenbuch, 240 Seiten, 49,90 Euro, TriMax Media GmbH, Lichtenau.

In »Alle Erinnerung ist Gegenwart« schildert der Autor, dass ihm das Schreiben mitnichten leicht von der Hand geht, ja, dass er regelrechte Schreibblockaden hat. Teil seiner Selbsterziehung sei es, dass er immer um Punkt 9 Uhr sein Arbeitszimmer betritt. Manchmal komme die Muse, meistens nicht. »Aber nie kann sie behaupten, ich sei nicht am Platz gewesen.«

Pranges Buch, in dem er über Leben, Hoffen, Arbeiten, Lieben, Altern, Glauben und Sterben philosophiert, ist nicht zuletzt ein Plädoyer für die Kraft der Literatur. Es gebe nichts Wirkungsvolleres in der Welt als eine gute Geschichte, zeigt sich der Schriftsteller überzeugt. (GEA)