REUTLINGEN. Die finanziell angespannten Zeiten gehen auch an der Konzertreihe »Taste und Ton« in der Peter- und Paulskirche im Reutlinger Storlach nicht spurlos vorüber. Statt bis zu sechs sind es nur vier Konzerte, die Kirchenmusiker Martin Neu 2026 angesetzt hat. In der ersten Jahreshälfte steht dabei in drei Konzerten die Orgel im Zentrum. Das einzige Konzert im zweiten Halbjahr bringt hingegen den Knabenchorklang in der ausgezeichneten Akustik der Kirche zur Geltung.
Ausgebaut hat Martin Neu seinen Ansatz, die Musik mit weiteren Sinneseindrücken zu bereichern. So gibt es auch diesmal wieder in jedem Konzert kurze Bildbetrachtungen. Standen zuletzt Gemälde der jüdischen Reutlinger Malerin Alice Haarburger im Zentrum, so werden diesmal Teile der Glasfenster der Peter- und Paulskirche vorgestellt. Die farbenprächtigen Kunstwerke, von Wilhelm Geyer 1959 geschaffen, führen erzählend hinein in biblische Geschichten. Die Musik wiederum darf man sich buchstäblich auf der Zunge zergehen lassen. Denn im Anschluss an die ersten drei Konzerte lockt jeweils eine Verkostung von Wein oder Saft aus der Heimatregion des jeweiligen Organisten.
Tübinger Kantor zum Auftakt
Den Auftakt macht am Sonntag, 11. Januar, um 18 Uhr der Tübinger Stiftskirchenkantor Ingo Bredenbach. Er schlägt an der Orgel den Bogen von Barockkomponisten der Vor-Bach-Ära wie Dietrich Buxtehude oder Samuel Scheidt bis hin zu Mozart. Zum Verkosten gibt's anschließend ein Tröpfchen vom Bio-Weingut Sabine Koch in Tübingen-Unterjesingen.
Den Faden spinnt am Sonntag, 1. Februar (18 Uhr) der Mainzer Organist Hans-Jürgen Kaiser fort. Ausgehend von Johann Sebastian Bach zeigt er Spuren von dessen Werk bis hin zum Spätromantiker Max Reger auf. Was hinterher bei einem Gläschen vom Bio-Weingut Gustavshof in Gau-Heppenheim erörtert werden kann.
Sanders mit eigenem Werk
Mit dem Auftritt von Bernard Wayne Sanders vollzieht die Reihe den Sprung in die Gegenwart. Der Amerikaner, der in Hamburg und Köln studiert hat, ist Kirchenmusiker in Tuttlingen und stellt seine eigene Komposition »Kreuzweg« vor - passenderweise im Vorfeld der Passionszeit am Sonntag, 15. März, um 18 Uhr. Wozu es hinterher konsequenterweise in der Fastenzeit keinen Wein gibt, sondern Tuttlinger Apfelsaft des BUND.
Im Herbst einem Knabenchor eine Plattform zu bieten, hat bei »Taste und Ton« bereits Tradition. Diesmal sind es die St.-Georgs-Chorknaben aus Ulm, die am Sonntag, 29. November, um 18 Uhr den Kirchenraum mit ihrem Stimmglanz füllen. Der 1968 gegründete Chor umfasst rund 90 Sänger von sieben bis zwanzig Jahren und wird seit 1991 von dem Heidenheimer Thomas Stang geleitet. Der Bogen führt von Bach über Brahms bis hin zum britischen Gegenwartskomponisten John Rutter.
Ausblick auf 2027
Das Jahr 2027 hat Martin Neu ebenfalls schon geplant. Den Auftakt macht das Stuttgarter Barock-Collegium mit dem festlichen Klang zweier Trompeten zur Orgel am 9. Januar. Darauf folgen zwei Orgelkonzerte, eines am 31. Januar mit dem Staufener Gerhard Gnann, eines am 7. März mit dem Italiener Fabio Ciofini. Den Knabenchorauftritt am 28. November bestreiten dann die Lokalmatadoren von der Reutlinger Capella Vocalis. (GEA)
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