TÜBINGEN. Als »Gebrauchsregisseur«, wie er sagt, will LTT-Chef Thorsten Weckherlin die Zeit überbrücken helfen, bis Monika Kosik, die designierte Leiterin des Jungen LTT, ihre Arbeit in Tübingen aufnimmt.
Wie berichtet ist Kosik derzeit Leiterin des Jungen Theaters Münster. Sie tritt ihre Stelle am Landestheater Tübingen am 1. Januar 2023 an und folgt dort als Leiterin der Jugendsparte auf Oda und Twyla Zuschneid, die bereits ab September das Kinder- und Jugendtheater am Theater Regensburg leiten werden. Eine achtköpfige interne Findungsgruppe aus Dramaturgie, Gastspielverkauf, Ensemble-Vertretung und Oberspielleitung hat sich um die Nachfolge am LTT gekümmert.
Mit der Uraufführung von »Wolkenrotz«, einem Jugendstück von Vera Schindler, will die gebürtige Breslauerin Monika Kosik (Jahrgang 1988) sich in der nächsten Spielzeit auch als Regisseurin vorstellen. Ein Text über Kinderarmut sei das, erklärt sie. Erzählt werde von drei Mädchen, die ganz viel Mut und Kraft haben und sich ihre eigene Welt bauen. »Sie wohnen in einem Hochhaus aus Papier, das aus Mahnungen und Rechnungen der Eltern besteht. Mit diesem Papier stellen sie ganz viel an. Sie falten Origami, schreiben Gedichte und zeichnen.« Der Stoff sei eigentlich harter Tobak, die Autorin habe das aber in eine sehr poetische, schöne Sprache gelegt.
Die Regieteams, die Kosik nach Tübingen holen will, kennt sie aus langjähriger Verbundenheit. Das LTT habe einen guten Ruf in der Kinder- und Jugendtheaterszene, sagt Kosik, die Theaterwissenschaft und Germanistik in Mainz und Wien studiert hat und ihr Studium mit einer Magisterarbeit über Märchenadaptionen im Kinder- und Jugendtheater abschloss. Vor ihrer Zeit am Jungen Theater Münster mit einem lediglich zweiköpfigen Ensemble – in Tübingen ist es fünfköpfig – hat sie in Kaiserslautern, Gießen und Frankfurt am Main gearbeitet.
Das LTT zählte unter den Landestheatern zu den Vorreitern mit eigenständiger Kinder- und Jugendtheatersparte. Diese wurde 1984 gegründet.
Sie freue sich »unglaublich darauf, dem jungen Publikum in seiner Vielstimmigkeit zu begegnen und ästhetisch vielfältige Theatererlebnisse zu schaffen, die nachwirken, berühren, manchmal auch stören und aufwühlen, aber stets mitreißen und überraschen«, sagt Kosik, für die das Theater ein allen Generationen offenstehender Ort des Geschichtenerzählens, des gemeinsamen Denkens und Erlebens ist. Klassisches Sprechtheater, Stückentwicklungen, Performance-Theater und etwa auch die Adaption einer Graphic Novel werde es in den kommenden Jahren geben.
Auch LTT-Chef Thorsten Weckherlin freut sich auf das neue Theater-Mitglied: »Monika Kosik glaubt fest an die Kraft der Geschichte und an die Kraft der Schauspielerinnen und Schauspieler – das finde ich gut«, sagt er. Nach Corona sei es jetzt wichtig, neu durchzustarten. Für das Theater zu begeistern und neues Publikum zu gewinnen sei für die neue Spartenchefin von zentraler Bedeutung. (GEA)

