Dozenten des zurzeit laufenden Vielklangfestivals sowie Instrumentalisten des Vielklangorchesters präsentierten eine bunte Vielfalt barocker Werke. Allem voran Werke von Georg Philipp Telemann (1681-1767), dessen Todestag sich heuer zum 250. Mal jährt. Es bedurfte nicht mehr als eines kurzen Atemzuges und eines Blickes zwischen den beiden ersten Violinisten Mayumi Hirasaki und Gottfried von der Goltz, schon entführten die Musiker die Zuhörer in eine barocke Klangwelt.
Ansteckendes Lächeln
Fein abgestimmte Dynamik, präzise Tempowechsel und perfekt herausgearbeitete Melodieführung waren zweifellos ein Hochgenuss für das Ohr. Doch darüber hinaus bot sich ein Anblick, der jedes Mitlesen einer Partitur überflüssig gemacht hätte, am besten zu sehen an Telemanns Sonata in e-Moll für zwei Violinen, zwei Violen, Violoncello und Basso Continuo (TWV 44:5). Die alternierende Melodieführung zwischen den beiden Violinen im ersten Satz wurde mit Blicken übergeben, bei gemeinsamen Phrasen begannen sich die Bewegungen der Musiker anzugleichen, und nicht selten huschte ein ansteckendes Lächeln über die Gesichter.Selbst als im zweiten Satz der Sonata ein regelrechtes musikalisches Gewitter losbrach: Die konzentrationsfordernden, donnernden Continuo-Passagen hinderten keinen der Musiker am ständigen Austausch untereinander. Hätte man die Melodie nicht hören können, man hätte dennoch gesehen, in welcher Stimmegruppe sie gerade lag.
Hypnotischer Puls
Besonders begeisternd war auch Telemanns Concerto in e-Moll für Blockflöte, Traversflöte, Streicher und Basso Continuo (TWV 52:e1). Schwebte der Klang der beiden Flöten im ersten Satz ruhig, mal einzeln, mal im Duett, über einem gleichförmigen, fast hypnotischen Puls der hohen Streicher und begeisterte durch seine weiche Art, riss der vierte Satz das Publikum durch seine Virtuosität mit. Harmonisch an osteuropäische Folklore erinnernd perlten die Flöten geradezu über den rhythmusgebenden Streicherstimmen durch den Raum und entlockten begeisterte Bravo-Rufe.Es war ein Gesamtpaket, das die Begeisterung an der Musik nicht besser hätte transportieren können: ansprechende Kompositionen, perfekt abgestimmtes Spiel und Interpreten mit sichtbarer Begeisterung am Musizieren. Musik für Auge und Ohr. (GEA)
