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Musik als Jungbrunnen: Manfred Mann's Earth Band in Stuttgart

Manfred Mann’s Earth Band begeisterte in der Stuttgarter Liederhalle. Band und Teile des Publikums sind zwar im Rentenalter. Doch die alten Hits wirken als Jungbrunnen.

Routiniers mit Jahrzehnten Rockerfahrung: Gitarrist Mick Rogers (links) und Sänger Robert Hart mit Manfred Mann's Earth Band in
Routiniers mit Jahrzehnten Rockerfahrung: Gitarrist Mick Rogers (links) und Sänger Robert Hart mit Manfred Mann's Earth Band in der Liederhalle. Foto: Brigitte Gisel
Routiniers mit Jahrzehnten Rockerfahrung: Gitarrist Mick Rogers (links) und Sänger Robert Hart mit Manfred Mann's Earth Band in der Liederhalle.
Foto: Brigitte Gisel

STUTTGART. Mit 84 Jahren kann man im Lehnstuhl sitzen, den Urenkeln zuschauen und gelassen das Auf und Ab der Börsenkurse verfolgen. Man kann aber auch mit ein paar Kumpels eine Halle rocken. So jedenfalls macht das Manfred Mann. Am Samstag stand die Rocklegende mit ihrer Earth Band in der Stuttgarter Liederhalle auf der Bühne. Schon bei »Davy’s on the Road again« reißt es die Fans aus den Sitzen.

Mitreißender Rock, ausgedehnte Instrumental-Soli von Gitarrist Mick Rogers und natürlich Sänger Robert Hart, der als Rampensau das Publikum immer wieder zum Mitsingen animiert – die fünf Musiker plus Bühnen-Gast lassen es an nichts fehlen. Die Show ist schnörkellos: Das große Banner mit dem Bandlogo, eine bunte Lightshow und ein bisschen Nebel. Manfred Mann, der Mann mit Hut, ist die graue Eminenz im Hintergrund. Hinter seinem Berg aus Keyboards, Orgel, E-Piano und Synthesizern, die teilweise mit einem schwarzen Tuch abgeschirmt sind, ist er fast zu übersehen.

Sirene vom Keyboard

Aber zu überhören ist Manfred Mann nicht, denn seine charakteristischen aufsteigenden Sirenentöne sind das Erkennungszeichen vieler Songs. Sein Spiel bildet das Grundgerüst der Musik. Nur einmal kommt er vor an die Bühnenrampe, Arm in Arm mit Sänger Robert Hart singt er »Blinded by the Light«. Manfred Mann hat ein Blatt Papier in der Hand und man überlegt kurz, ob er sicherheitshalber den Text notiert hat.

Wer zu Manfred Mann’s Earth Band geht, will die alte Heuler hören: »Blinded by the Light«, »Do Wah Diddy Diddy«, »Father of Day« – und natürlich unbedingt die Story von »Mighty Quinn«, die deshalb als zweite Zugabe gesetzt ist. Das Publikum klatscht stehend, singt mit – und tanzt nur deshalb nicht, weil es dafür im bestuhlten Hegelsaal nun wirklich keinen Platz gibt. Doch die Earth-Band-Musiker können auch die leisen Töne, wie Gitarrist Mick Rogers bei »Pretty Flamingo« beweist.

Auch Experimentelleres

Dazwischen streuen die fünf Stücke ein, die dem Bandleader vielleicht mehr am Herzen liegen als die Klassiker. Lange Soli mit Jazz-Elementen, die etwas experimenteller klingen als die harten Beats. Und wenn sie noch so lange touren: Die Spielfreude ist ungebrochen, kein Stück klingt auf der Bühne wie damals auf der Platte. Hier ein Lächeln, dort ein Blick. Auch wenn die Zusammensetzung öfter gewechselt hat, sind viele schon Band-Veteranen: Robert Hart ist seit 2011 dabei, Mick Rogers mit einer Unterbrechung von Anfang an. Bassist Steve Kinch hat in Stuttgart Geburtstag und bekommt von Band und Publikum sein Geburtstagsständchen zum 70.

Manfred Mann hat in seiner langen musikalischen Karriere viel experimentiert. Der in Südafrika geborene Manfred Sepse Lubowitz experimentierte in den Jazzclubs von Johannesburg, bevor er aus Protest gegen das Apartheid-Regime Südafrika verließ und nach London zog. 1962 gründete er die Band Manfred Mann, 1971 wurde sie zu Manfred Mann’s Earth Band. 2023 feierte die Band ihren 2000. Live-Auftritt. Der aktuelle Tourplan reicht übrigens bis zum 1. Februar 2026. Dann ist Manfred Mann mit seiner Earth Band in Nürtingen. (GEA)