An dieses vorwärts weisende Werk des italienischen Renaissance-Komponisten, das heute zumeist im Schatten der berühmten Messen steht, erinnerte der Kammerchor Cantus nigra sum bei seinem ersten öffentlichen Konzert in der Mittelstädter Martinskirche. Dem vor drei Jahren gegründeten Ensemble ist es ein Anliegen, die A-cappella-Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts zu pflegen und stärker in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Der Chor setzt sich derzeit aus zehn Sängerinnen und Sängern zusammen, die als Kirchenmusiker oder versierte Laien genügend Erfahrung mitbringen, um unter der musikalischen Leitung der Mittelstädter Kantorin Katharina Jud künstlerisch anspruchsvolle Programme zu gestalten.
Auch wenn man sich, wie der Chor, auf eine kleine Auswahl beschränkt, so stellen Palestrinas Hohelied-Vertonungen doch allemal eine Herausforderung dar: Die kleingliedrige Melodik will zum Klingen, der erotisch-verspielte Text zum Sprechen gebracht werden. Dem schlanken Klangkörper indes gelang dies ausgezeichnet, weil er bewusst deklamierte, Affekte gestisch herausarbeitete, und sich dennoch ein Moment des Schwebens, einen »odorem suavitatis« (süßen Duft) bewahrte.
Motette »Tu es Petrus«
Mit zunehmender Konzertdauer wirkten auch die Räume zwischen den Klängen dichter verbunden, die Melismen und Figurationen noch sorgfältiger ausgestaltet. Bis hinein in die abschließende sechsstimmige Motette »Tu es Petrus«, die dem kontemplativen liturgischen Stil der Messen Palestrinas näher steht und in der die bruchlosen Wechsel zwischen den Klangregistern hervorragend zur Geltung kamen. Die Mittelstimmen hätten sich aber insgesamt noch stärker profilieren dürfen, auch des reizvollen Timbres der Countertenöre wegen, welche den Altus-Part übernahmen.Für den anhaltenden Beifall im gut gefüllten Kirchenschiff bedankten sich Cantus nigra sum noch einmal mit der namensgebenden Motette aus dem Hohelied: »Nigra sum sed formosa« - dunkel bin ich, doch schön. (sw)
