STUTTGART. Max Giesinger nähert sich dem Alter, in dem die meisten Menschen ankommen. Immerhin steuert er mit seinen 37 Lenzen hart auf die 40 zu. Auch bei ihm haben sich »viele Dinge verändert«, erzählt er seinem Publikum gleich zu Beginn des Konzerts in Stuttgart. Und das merkt man: Die aktuellen Songs und vor allem die Texte sind reifer und reflektierter als noch vor wenigen Jahren. Kein Wunder, schließlich hat der Pop-Poet aus dem badischen Busenbach schon immer vorwiegend Lieder geschrieben, in denen er eigene Erlebnisse und Gefühle verarbeitet. Und die Gefühlswelt ist mit Anfang 20 eben anders als mit Mitte 30. Auch wenn er, wie er einräumt, vom Ankommen noch weit entfernt sei.
Aber zurück zum Konzert: Kürzlich hat Max Giesinger sein fünftes Studio-Album »Menschen« veröffentlicht und ist damit jetzt deutschlandweit auf großer Tournee. Station am Mittwoch war die Liederhalle. Von Beginn an legen Giesinger und seine Band eine ungemeine Spielfreude an den Tag, genießen den Live-Auftritt. Nach einem sanften Song über die Freundschaft, »Wimpernschlag« (eigentlich im Duett mit Johannes Oerding), bringt der Liedermacher mit »Schiebedach« den heißen Sommer zurück. Das ist Abwechslung pur.
Ein Star zum Anfassen
Begeistert ist er vom Publikum, das sich nicht nur bei den alten Hits, sondern auch den neuen Titeln textsicher gibt. »Die Stuttgarter bereiten sich ordentlich vor.« Wobei die Begeisterung auf Gegenseitigkeit beruht: Giesinger ist ein Star zum Anfassen, einer, der immer wieder den Kontakt sucht. Er geht in den Bühnengraben, schüttelt Hände, nimmt in den Arm. Mit umgehängter Gitarre geht er irgendwann mitten durchs Publikum, erklimmt eine kleine Bühne in der Saalmitte. Dort singt er in nächster Nähe einige Titel: nur er und sein Instrument, ohne Band.
Gänsehaut verursachen vor allem seine ganz persönlichen Lieder. Eines für seine Oma, die vor drei Jahren gestorben ist. »Sie hat immer an mich geglaubt, war komplett für mich da.« Den Abschied hat er mit einem Song verarbeitet: »Mach's gut«. Max Giesinger, der sein Privatleben meist aus der Öffentlichkeit raushält, gibt sich offen und redselig. Erzählt von einer Liebe, die in die Brüche gegangen ist, die ihm aber dafür Songs bescherte. »4.000 Wochen« ist eins davon, der Sänger zieht selbstkritisch Bilanz: »Ich red' mir ein, dass ich frei bin. Will auf all'n Hochzeiten tanzen, nur nicht meiner eig'nen.«
Auf Besinnliches folgt immer wieder Party-Popmusik. »Auf das, was da noch kommt« (im Original ein Duett mit Lotte) folgen ein Medley und Hits wie »Dach der Welt« oder »Wenn sie tanzt«. Seine Fans kommen aus allen Altersklassen, ein älteres Paar tanzt einen Discofox, ein Kindergartenkind lässt sich von seinem Vater nach oben heben, Mütter klatschen Takt in Takt mit ihren Töchtern. Max Giesinger vereint alle, und als er zur Zugabe »80 Millionen« anstimmt, kocht die Stimmung endgültig über - selbst auf der Empore bleibt keiner sitzen. Das Publikum intoniert den Refrain, jubelt und feiert den Liedermacher, der glücklich in die Menge lächelt. (GEA)


