REUTLINGEN. Bei Shows von Zauberkünstlern trifft das Dargebotene üblicherweise auf ein zweigeteiltes Publikum. Da sind die Staunenden und die Zweifler. Die, die sich der Illusion hingeben, hier würden tatsächlich die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt. Zumindest finden sie Gefallen daran, dass man sie überrascht. Die anderen hingegen entwickeln einen geradezu sportlichen Ehrgeiz, den Bühnenkünstlern auf die Schliche zu kommen. Da muss es doch Hinweise geben, mit welchen Mitteln diese einen hinter die Fichte führen, sagen sie sich.
Bei Meistern ihrer Kunst kommt irgendwann der Punkt, an dem auch die Zweifler das Grübeln sein lassen und sich dem Reiz des Verzaubertwerdens hingeben. Junge Junge! sind solche Meister, die höchste Weihen, etwa bei Weltmeisterschaften, erhalten haben. Das Brüder-Duo Gernot und Wolfram Bohnenberger, der eine Arzt, der andere Architekt, hatte im Reutlinger Kulturzentrum franz.K zwei Heimspiele. Und erreichte mit seiner magischen Mischung aus Emotionen, Überraschungen und Humor im ausverkauften Saal ein teilweise aus ganzen Familien bestehendes Publikum.
Flinke Finger und Comedy
Bei den »Specials« zum Jahresende zeigte sich einmal mehr, dass es eine der Stärken von Junge Junge! ist, dass sie ihr Publikum miteinbeziehen. Mal wird es im Programm philosophisch, mal ist es ein wilder Ritt, machen die flinken Finger der Zauberkunst der virtuos choreografierten Comedy Platz. Magische Metamorphosen treffen auf kindliche Ausgelassenheit. Da rotiert ein Kopf, der vorübergehend verschwindet, aber immer noch Pfeife raucht. Da frisst ein Spiegel Halstücher, kriecht eine Krawatte durch die Zeitung, wechseln Schuhe plötzlich die Farbe.
Eine der faszinierendsten Nummern ist als Herz-Schmerz-Geschichte angelegt: Ein versiegelter Brief offenbart Geheimnisse, für die zwei einander nicht bekannte Leute aus dem Publikum gerade erst die Stichworte geliefert haben. Eine Buchseite verschwindet und taucht im versiegelten Briefumschlag wieder auf.
Gut gesetzte Pointe
Und dann sind da auch die Nummern, die dem Publikum kurz das Gefühl geben, das Zauberkünstler-Duo leiste sich einen Flop. Doch weit gefehlt! Die beiden Bohnenbergers legen mit Material zum Staunen nach, als keiner mehr damit rechnet. Echte Meister eben, auch der gut gesetzten Pointe. (GEA)

