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Lyrische Leidenschaft: »Mi Mundo Flamenco« in der Reutlinger Stadthalle

Die Gruppe »Mi Mundo Flamenco« begeisterte in der Stadthalle Reutlingen mit kraftvoller Musik und temperamentvollem Tanz.

Die Sinne verzaubernd: Mi Mundo Flamenco.
Die Sinne verzaubernd: Mi Mundo Flamenco. Foto: Daniela Incoronato
Die Sinne verzaubernd: Mi Mundo Flamenco.
Foto: Daniela Incoronato

REUTLINGEN. Gedämpftes Licht und lebendige Gitarrenklänge fluten am Donnerstagabend durch die Reutlinger Stadthalle. Rauer Gesang und stampfende Füße entführen nach Andalusien, wo der Flamenco im 19. Jahrhundert entstanden ist. Dass diese Kunst noch heute in der ganzen Welt lebendig ist, verdankt sie auch Musikern und Tänzern wie Maria Prenda (Gesang), Celedonio Garrido (Gesang), Josel Ratsch (Gitarre), Raphaela Stern (Tanz), Migiwa Shimizu (Tanz) und La Mona (Tanz), die zusammen die Gruppe »Mi Mundo Flamenco« – meine Flamenco-Welt - bilden. Alle leben in Berlin und Dresden und alle haben in Spanien eine solide Ausbildung genossen, mit der sie das Reutlinger Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Unter den Füßen der drei Tänzerinnen vibriert die Bühne, so schnell klappern sie mit ihren Schuhen darüber, getragen von lebendig hüpfenden Gitarrenklängen und vibrierendem Gesang. Die »Cantinas« bilden das Rauschen und Stampfen des Meeres ab. Dann geht es ins Gebirge. Die Erhabenheit der Landschaft spiegelt sich in getragener Instrumentalmusik.

Versonnen und doch temperamentvoll

Dann ist Celedonio Garrido alleine zu hören, klagend, mit von Leidenschaft und Schmerz verzerrtem Gesicht, begleitet vom wilden Stampfen La Monas, die mit beeindruckender Körperbeherrschung ihre rasenden Drehungen und präzisen Handgesten vorführt. In »adiós Malaga« wird es philosophisch: »Nutze keine Gewalt. Diplomatie ist der einzige Weg, Kriege zu beenden«, moderiert Maria Prenda das Stück an. In »Sonar con Alegria« ist sie als Solistin zu hören, ganz anders als bisher, lyrisch, versonnen und doch temperamentvoll.

In »Solea« steht Raphaela Stern alleine auf der Bühne, stolz und ausdrucksstark. Mit dissonanten Klängen beschreibt Josel Ratsch’s Gitarre die Traurigkeit und Einsamkeit, die auch in dieser temperamentvollen Musik steckt, während Celedonio Garrido den Schmerz geradezu hinausschreit.

Beeindruckendes Solo

Dann zeigt Migiwa Shimizu in einem beeindruckenden Solo, welche Rhythmusbeherrschung, welche Präzision und Körperspannung der Flamenco erfordert. Im »Popurri por Tangos« wechseln sich die drei Tänzerinnen ab. Während die eine auf der Bühne steht, sitzen die anderen und klatschen den Rhythmus zur Musik.

In seinem Gitarrensolo zeigt Josel Ratsch, wie verträumt der Flamenco auch sein kann. Mit seiner klaren Artikulation gibt er dem dicht gewebten Klangteppich eine Klarheit und Durchsichtigkeit, die jede Note einzeln und alle zugleich hörbar werden lässt.

Furioses Finale

Schließlich stehen die drei Tänzerinnen noch einmal gemeinsam auf der Bühne. Alle in schwarz-weißen Kleidern, alle gleich und doch verschieden. Zur rasenden Gitarre und zu rauem Gesang steigern sie sich zu einem furiosen Finale, das alle im Saal begeistert. (GEA)