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Lektionen in Schwerelosigkeit: Fola Dada und Joo Kraus beim Landesjazzfestival

Die Stuttgarter Sängerin Fola Dada hat mit ihrer Band und dem Trompeter Joo Kraus beim Landesjazzfestival in Tübingen ein glänzendes Abschlusskonzert gespielt.

Joo Kraus und Fola Dada beim Landesjazzfestival in der Westspitze Tübingen.
Joo Kraus und Fola Dada beim Landesjazzfestival in der Westspitze Tübingen. Foto: Thomas Morawitzky
Joo Kraus und Fola Dada beim Landesjazzfestival in der Westspitze Tübingen.
Foto: Thomas Morawitzky

TÜBINGEN. Einen Text der US-amerikanischen Dichterin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou zu vertonen, ist nicht billig – Fola Dada hat es festgestellt und erzählt es ihrem Publikum in der Tübinger Westspitze, am Montagabend, beim Abschlusskonzert des Landesjazzfestivals Tübingen. Dann zumindest, wenn das Lied auf einer CD veröffentlicht werden soll. Für den Tonträger sang Dada ihre Komposition also mit eigenem Text ein – an den sie sich nun dankbarerweise nicht mehr erinnern kann. Das Publikum in der Westspitze also erlebt, was den Hörern der CD verwehrt bleibt: Die kraftvolle, strahlende Interpretation eines Gedichtes, das seit seiner Veröffentlichung vor 46 Jahren zu einer Hymne wurde – »You may kill me with your hatefullness, but still, like air, I rise«, singt Fola Dada mit einer Stimme, die ebenso von der Luft getragen scheint, mit langen, schwebenden, perfekt phrasierten Tönen – »Ihr könnt mich töten, mit all eurem Hass, aber immer wieder werde ich aufsteigen, wie die Luft.«

»Still I rise«, dieses innige Bekenntnis zum Widerstand und zu ewiger Erneuerung geht flüssig über in einen schnelleren Beat, und Fola Dada singt, weit erdiger, »My Heart« von Lizz Wright. Es ist das angekündigt letzte Stück des Abends, es nimmt noch mehr Tempo auf – Tommy Baldu am Schlagzeug, Joscha Glass am Bass, Ulf Kleiner an den Keyboards steigern es zu einem immer wilderen, ekstatischen Finale, Joo Kraus‘ Trompete liegt flirrend in diesem Wirbel.

Süß und sehnsuchtsvoll

Freilich gibt es Zugaben – »Georgia« von Emily King, eine Ballade, die mit sehr trockenem Puls und Ulf Kleiners atmosphärischem Piano beginnt. Hier singt Fola Dada zart, geradezu süß, sehnsuchtsvoll, und Joo Kraus breitet diskrete Klangflächen aus, auf denen sich ihr Gesang streckt. Das tatsächlich letzte Stück des Abends dann ist »Estate«, komponiert von Bruno Martino, 1960. »Ein alter italienischer Schlager, der es in die Jazzwelt geschafft hat«, sagt Fola Dada und singt das Stück im Duett mit Joo Kraus - ein ruhiger, wunderschöner, überaus gefühlvoller Abschied.

Früher am Abend schon hat Fola Dada mit ähnlich sanftem Ton ein Stück der Sängerin Sade interpretiert. Dass ihre Musik nicht immer im puristischen Jazzbegriff aufgeht – damit kokettiert sie gerne an diesem letzten Abend des Landesjazzfestivals. Dadas Stimmführung, ihr Ton sind geradezu unbeschreiblich präzise und bezaubernd zugleich; hier eröffnet jede diskret gesetzte Nuance neue Welten. Ihre Stimme glänzt in himmlischer Schwerelosigkeit so sehr wie als Scatgesang im Duett mit den kräftigen Rhythmen von Baldu und Glass, in Anleihen an R’n’B, Pop, Soul, im Dialog mit Joo Kraus‘ oft elektronisch verfremdetem Trompetenspiel und den Einflüssen, die er vom Hip-Hop mitbringt. Ihr Konzert beschließt ein Festival, das in Tübingen zu einem großen Erfolg wurde, auf wunderbar beseelte Weise. (GEA)