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Aktuell Gestaltung

Kreativ und engagiert: Reutlinger Modedesign-Studentinnen stellen beim GEA aus

In der GEA-Redaktion ist die Ausstellung »Fashion Forward – From Seam To Scene« mit Entwürfen und Illustrationen von Reutlinger Modedesign-Studentinnen eröffnet worden.

Jana Myhra inszeniert Mode als Theaterstück.
Jana Myhra inszeniert Mode als Theaterstück. Foto: Frank Pieth
Jana Myhra inszeniert Mode als Theaterstück.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Auf den ersten Blick wirkt es, als sei da ein kreativer Wirbelwind durch die Redaktionsräume des Reutlinger General-Anzeigers am Burgplatz gefegt, habe an den Wänden und auf Figurinen seine Spuren hinterlassen, die nun betrachtet werden können. Das stimmt in gewisser Weise auch. Beim genaueren Hinschauen aber erschließt sich, dass junge Menschen hier Mode-Entwürfe und -Illustrationen als Kommunikationsmittel nutzen, um neben ästhetischen auch gesellschaftliche Fragen zu behandeln. Sie tun das so differenziert, dass sich das Bild vom Wirbelwind relativiert.

Zumal, wenn man vor Ort mitbekommen hat, mit welcher Liebe zum Detail sie ihre bis zum 10. Januar dauernde Schau vorbereitet haben. Es ist das zweite Mal, dass der GEA, angeregt durch Verleger Valdo Lehari und organisiert von Kulturressortleiter Armin Knauer, Studierenden der Hochschule Reutlingen eine Ausstellungsplattform bietet. Waren es im Jahr davor Teilnehmer eines studiengangübergreifenden Kurses in künstlerischer Gestaltung, die ihre Arbeiten zeigten, sind es diesmal Modedesign-Studentinnen aus dem dritten Semester, die Einblicke in ihre Ideen und Kreativprozesse geben.

Madita Vetter (von links), Sveja Eidam, Professorin Natalie Seng, Nele Ernst und Evelyn Gladkij bei der Vernissage in der Redakt
Madita Vetter (von links), Sveja Eidam, Professorin Natalie Seng, Nele Ernst und Evelyn Gladkij bei der Vernissage in der Redaktion des Reutlinger General-Anzeigers. Foto: Frank Pieth
Madita Vetter (von links), Sveja Eidam, Professorin Natalie Seng, Nele Ernst und Evelyn Gladkij bei der Vernissage in der Redaktion des Reutlinger General-Anzeigers.
Foto: Frank Pieth

»Fashion Forward – From Seam to Scene« (Mode vorwärts – von der Naht zur Szene) heißt die Schau, die an vier Samstagen jeweils von 10 bis 12 Uhr besucht werden kann. Bei der gut besuchten Vernissage spielte die GEA-Band Headline, bestehend aus Autor Veit Müller (Gitarre, Mundharmonika, Gesang), Chefredakteur Alexander Rabe (Cajón, Gesang) und Armin Knauer (E-Piano) Folk- und Singer-Songwriter-Titel. GEA-Verleger Valdo Lehari hob hervor, dass Reutlingen mit der Hochschule und ihrem Texoversum (früher Technikum) über einen Leuchtturm verfügt, dessen Strahlkraft auch international wahrgenommen wird.

Gleichsam als Beleg dafür sind zwei Studentinnen der Oslo Metropolitan University - Jana Myhra und Karianne Solevåg - an der GEA-Ausstellung beteiligt. Myhra inszeniert in einer Collage die Existenz und das Verlangen nach Individualismus als Theaterstück. Solevåg untersucht, wie ein einfaches, ausdrucksloses Hemd durch den Ausdruck und die Energie des Individuums eine persönliche Note bekommt.

Instrument der Freiheit und Vielfalt

Emily Lagerein zeigt unter dem Titel »Beyond Binary« ein Outfit an einer Puppe - die, wie weitere in der Ausstellung, die Kölner Firma Moch gestiftet hat -, mit dem sie verdeutlicht, dass sie Mode als Instrument der Freiheit und Vielfalt versteht, das die Akzeptanz jenseits von Geschlechternormen fördern kann. »Fashion Has No Gender« (Mode hat kein Geschlecht), ist neben ihrem ebenso klaren wie verspielten Entwurf in Großbuchstaben zu lesen.

»In The Mood For Change« (In der Stimmung für Veränderung) hatte Professorin Natalie Seng als Projektmotto ausgegeben. Eine Aufforderung also, offen oder sogar visionär zu denken. Nina Adam hat sich gefragt, wie das damals war, als wir Kind waren. Für ihre Recherche ging sie in den Kindergarten, hat mit Kindern gearbeitet und ließ sich davon inspirieren. »Solche Dinge macht man, wenn man kreativ ist - um am Ende vielleicht ein Kleidungsstück zu machen, das aber immer eine Geschichte trägt«, sagte Natalie Seng. Sie sei »sehr stolz auf die Studierenden, die mit ihren Geschichten oft denen eine Stimme und den Themen in unserer Gesellschaft eine Plattform geben, die wir allzu oft gerne in die Ecke schieben und nicht hören«.

Entwurf von Emily Lagerein.
Entwurf von Emily Lagerein. Foto: Frank Pieth
Entwurf von Emily Lagerein.
Foto: Frank Pieth

So erinnert beispielsweise Svea Eidam daran, dass Femizide, Morde also an Frauen, nur weil sie Frauen sind, »oft unbemerkt, still und vergessen passieren«. In ihre Arbeit integriert sie die Namen von Opfern. Madita Vetter hebt auf die Chancenungleichheit von Menschen im reichen Europa und in ärmeren Weltgegenden ab.

Ausstellungsinfo

Die Ausstellung »Fashion Forward – From Seam to Scene« mit Arbeiten von Modedesign-Studierenden am Texoversum der Hochschule Reutlingen ist in der GEA-Redaktion am Reutlinger Burgplatz an folgenden Samstagen von 10 bis 12 Uhr geöffnet: 15. und 29. November, 13. Dezember und 10. Januar. Zugang ist durchs Service-Center in der Burgstraße (nicht barrierefrei). (GEA)

Nele Ernst konterkariert Perfektionserwartungen gerade an Frauen, indem sie beim Fotoshooting auf Posen verzichtet und in ihren Skizzen das Unperfekte betont. Für Evelyn Gladkij wird die Papaya - »außen ruhig und innen voller verstreuter Kerne« - zur Metapher des Geistes und der Klarheit, die aus Selbstreflexion erwächst. Insgesamt sind 16 Studentinnen an der Ausstellung, in die vier von ihnen selbst einführten, beteiligt. (GEA)