TÜBINGEN. Als das Tübinger Ärzteorchester nach der Corona-Krise ohne Leitung dastand, ist Martin Künstner eingesprungen. Seit 2022 dirigiert er nun neben seinen bisherigen Ensembles auch das Liebhaberorchester der Tübinger Mediziner, seit 1984 bestehend aus Professoren, Assistenten, Studenten, Ärzten, medizinischem Personal und Angehörigen.
Unter Künstners Leitung haben sein langjähriger Reutlinger Philharmonia Chor und das Tübinger Ärzteorchester ein Neujahrskonzert mit großformatigen Meisterwerken in der Tübinger Stiftskirche etabliert. Nach Beethovens »Neunter« im Vorjahr wurde nun das Oratorium »Elias« von Felix Mendelssohn Bartholdy aufgeführt.
Religiöse Oper
Dieser »Elias« ist eine religiöse Oper mit allem, was dazugehört: einem Helden, seinen Gegnern, Ekstase, Mordlust, Gefahr und Wunder, Gott persönlich, Gebet und Lob. Über zwei Stunden entfalten sich Chöre, Arien und Ensemblesätze, verbunden in einer vielschichtigen Komposition – und das ohne Pause. Alle Beteiligten brauchen viel Können, Schwung und Durchhaltewillen, getragen von Begeisterung, die nicht zuletzt der Dirigent vermittelt, und dies unter schwierigen Umständen: Die Stiftskirche eignet sich nur bedingt für große Orchester.
Die Solisten sind zwischen dem Orchester und Reihe 1 etwas eingeengt: Die vielfach bewährte Sopranistin Christine Reber als leuchtende Stimme des Himmels, der Tenor Marcus Elsässer – bekannt als Evangelisten-Darsteller – als markantes Gegenüber des Propheten mit hellem Timbre und klaren Worten, der renommierte Bassbariton Klaus Mertens als ungewohnt feinsinniger Prophet. Den Altpart übernimmt die junge Altistin Julia Werner als (leider ungenannte) Einspringerin.
Visionäre Vokalsätze
Als Glanzlichter der Aufführung kann man auch hier die visionären Vokalsätze hören: »Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir« und »Hebe deine Augen auf« bezaubern mit überirdischer Leichtigkeit, Leuchtkraft und Harmonie.
Das stellenweise verstärkte Ärzteorchester musiziert sicher und engagiert, der Chor beweist bis zum Ende Schlagkraft, Engagement und Zuversicht. Sämtlichen Mitwirkenden, allen voran Martin Künstner, gebührt hohe Anerkennung dafür, dieses Werk zu einer guten Aufführung gebracht zu haben. Dafür bedankt sich das Publikum mit anhaltenden Ovationen.
Weitere Aufführung
Wer es neu oder ein weiteres Mal live hören möchte, kann die zweite Aufführung am 6. Januar um 18 Uhr in der Reutlinger Marienkirche besuchen. (GEA)

