STUTTGART. Vor fast 25 Jahren wurden Joy Denalane und Max Herre vor den Augen der Öffentlichkeit ein Paar. Damals war sie eine Newcomerin, er bereits mit seiner Band Freundeskreis ein prägender Vertreter des deutschsprachigen Raps. Mit der Ballade »Mit dir« begann nicht nur ihre berufliche Zusammenarbeit, sondern auch ihre private Partnerschaft. Zuletzt haben die beiden ihr gemeinsames Album »Alles Liebe« veröffentlicht. Auf ihrer Sommertour kommen sie auch beim Kessel Festival in Stuttgart vorbei.
Joy und Max, vor gut 25 Jahren wurden Sie sozusagen vor laufenden Kameras ein Paar. Für die Ballade »Mit dir« holten Sie Joy an Bord, und man sah schon im Video, dass Sie sich gut verstehen. Wie denken Sie daran zurück?
Max Herre: Sehr liebevoll. Es war eine aufregende Zeit. Wir waren junge Musiker, und unser zweites Freundeskreis-Album war fast fertig. Ich hatte den Song geschrieben und dachte irgendwann: »Okay, das sollte ein Duett werden.« Ich fragte Freunde, ob sie jemanden kennen, da sie viel mit R'n'B-Sängerinnen arbeiteten. Sie zeigten mir eine Kassette mit Joy darauf. Sie lebte damals noch in Berlin. Ich rief sie an und fragte, ob sie Lust hätte. Zwei Wochen später war sie da, wir arbeiteten an dem Song und verliebten uns. Kurz darauf kam das Album »Esperanto« raus, wir gingen auf Tour, und ein Dreivierteljahr später wurde Joy schwanger. Es passierte alles rasend schnell. Es war eine wunderschöne Zeit.
»Es passierte alles rasend schnell«
Was war Ihr erster Eindruck von Max, als Sie ihn trafen?
Joy Denalane: Ich fand es erstaunlich, wie sich Bilder in Realität verwandeln. Ich kannte Max schon vom Freundeskreis. »Anna« lief rauf und runter, und ich hatte ein Bild von ihm. Als er dann vor mir stand, sah er völlig anders aus. Max wirkte im Video schon gut, in Wirklichkeit sah er um Welten besser aus. Damit war ich erstmal beschäftigt. (lacht) Ich fand ihn vom ersten Moment an toll. Im Studio kamen wir uns schnell näher, und es wurde bald klar, dass es mehr als Freundschaft werden kann.
Und Sie, Max?
Herre: Umwerfend. Ich kam in ein Szene-Café in Stuttgart, dort saßen ein paar Musiker und unser Produzent. Als ich Joy sah, dachte ich nur: »Wow! Sie hat nicht nur eine tolle Stimme, sondern sieht auch fantastisch aus.« Wir wechselten mehrmals die Location, und ich dachte die ganze Zeit: »Sie ist der Hammer!« Da war es um mich geschehen.
»Wir haben früh entschieden, die Öffentlichkeit zu meiden«
Ihre Beziehung wurde von Anfang an von der Öffentlichkeit begleitet. Wie schaffen Sie es, eine Balance zwischen Privatleben und öffentlichem Interesse zu finden?
Denalane: Wir haben früh entschieden, die Öffentlichkeit zu meiden, wenn wir nicht explizit für etwas arbeiten. Durch den Erfolg von »Mit dir« gab es viele Einladungen zu roten Teppichen. Das haben wir weitgehend vermieden. Wenn wir es doch mal gemacht haben, dann nie zusammen. Es gibt zwar Bilder von uns auf dem roten Teppich, aber da haben wir gearbeitet. Nach 25 Jahren gibt es trotzdem nur wenige gemeinsame Fotos.
Herre: Jetzt nicht mehr. (lacht)
Leben Sie heute anders als Paar, seit die Kinder ausgezogen sind?
Herre: Ja, wir arbeiten mehr. Es ist ein anderes Leben, das sich jetzt mehr nach unseren eigenen Ideen, Bedürfnissen und Projekten richtet. Früher gaben die Kinder den Rhythmus vor. Wir hatten beide halbe Karrieren, teilten uns Care-Arbeit und Musik. Jetzt haben wir Zeit für Musik und hoffentlich bald fürs Reisen. Ich hoffe, dass wir das 2025 mehr machen können.
Wie entstand die Idee, Ihre Liebesgeschichte auf einem gemeinsamen Album zu präsentieren?
Denalane: Die Idee gibt es schon lange. Sie lag immer mal wieder in der Schublade, wurde angeschaut und zurückgelegt, weil wir in unseren eigenen Projekten steckten. Außerdem entschieden wir früh, die Kinder 50:50 zu betreuen. Wenn einer an einem Projekt arbeitete, übernahm der andere die Care-Arbeit.
»Als Jamil auszog, haben wir uns gefragt, was wir jetzt machen«
Und die Kinder?
Denalane: Als unser zweiter Sohn Jamil vor zwei Jahren auszog, haben wir uns gefragt, was wir jetzt machen, nachdem wir die Kinder auf ihren Weg gebracht haben. Sabbatical oder Studio? Drei Tage später hatten wir schon Material für ein Album.
Wie hat sich Ihre musikalische Ausdrucksweise in den letzten 25 Jahren verändert, und wie spiegelt sich das in Ihrer Beziehung wider?
Denalane: Das ist schwer zu sagen. Hoffentlich sind wir besser geworden und wissen besser, was zu uns passt. Wir geraten nicht mehr in so viele Fallen, haben unseren eigenen Ton gefunden und wissen sicherer, was wir auf einer Platte ausdrücken wollen. Ich hoffe, dass ich mich immer weiterentwickle, bis ich irgendwann nicht mehr kann. Und hoffentlich dauert das noch lange.
»Max hat einen sensiblen und liebevollen Blick auf die Welt«
Joy, Sie sagten einmal: »Max berührt mich immer noch sehr.« Wie?
Denalane: Er hat oft so schöne Gedanken und Sichtweisen. Außerdem hat er einen sensiblen und liebevollen Blick auf die Welt. Max gibt sich viel Mühe, das Richtige zu tun und ein besserer Mensch zu werden – er arbeitet ständig an sich. Und er schreibt einfach tolle Texte, die mich berühren.
Welche Rolle spielt die Öffentlichkeit in Ihrem Leben? War das manchmal belastend?
Herre: Ehrlich gesagt, nein. Wir haben uns nie wirklich als »öffentliches Paar« verstanden oder darauf reflektiert, wie das Außen auf uns wirkt. Uns war immer klar, dass wir eins sind, aber diese Einheit haben wir vor allem auf die Bühne beschränkt. Auch das Studio ist für uns ein geschützter Raum. Musik zu machen, ist etwas sehr Intimes. Wir wollten uns nie nach außen kehren. Wir haben dieselben Wünsche, Träume, Probleme, Zweifel und Krisen wie andere Paare.
Wird es auf der Tour zärtliche Momente geben, wie damals bei einer öffentlichen Veranstaltung, nach der alle wussten, dass Sie wieder zusammen sind?
Herre: Kommt einfach vorbei. Bei uns wird nichts inszeniert, die Dinge entstehen aus dem Moment. Es gibt nichts, was wir vorab erzählen können, weil wir es selbst noch nicht wissen. Alles ist möglich, alles ist erlaubt. Alles darf passieren. Nichts muss passieren. (GEA)
Live: 4. Juli., 18 Uhr, Kessel Festival Stuttgart, Cannstatter Wasen

