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Aktuell Kirchenmusik

Innig und dramatisch: Weihnachtskonzert des Ensembles Gradus Ad Parnassum in Tübingen

Rund um Heinrich Schütz' »Weihnachtshistorie« spann das Ensemble Gradus Ad Parnassum in der Tübinger Jakobuskirche ein feines und vielschichtiges Programm.

Das Ensemble Gradus Ad Parnassum bot in der Tübinger Jakobuskirche die Weihnachtsgeschichte in vielschichtiger musikalischer For
Das Ensemble Gradus Ad Parnassum bot in der Tübinger Jakobuskirche die Weihnachtsgeschichte in vielschichtiger musikalischer Form. Foto: Christoph B. Ströhle
Das Ensemble Gradus Ad Parnassum bot in der Tübinger Jakobuskirche die Weihnachtsgeschichte in vielschichtiger musikalischer Form.
Foto: Christoph B. Ströhle

TÜBINGEN. In der altkatholischen Kirche endet die Weihnachtszeit an Mariä Lichtmess, am 2. Februar. Dass das Ensemble Gradus Ad Parnassum nach dem Dreikönigstag noch mit einem weihnachtlichen Konzert um die Ecke kam, mochte also nur auf den ersten Blick überraschen. In der Tübinger Jakobuskirche verwob der Chor mit Orchester am Mittwochabend auf reizvolle Weise Heinrich Schütz' »Weihnachtshistorie« (Historia der Geburt Christi) mit weiteren Stücken aus dem Barock und der Renaissance. Die Zusammenstellung nahmen Adam Bregman und Felix Thiedemann vor. Bregman war in der Jakobuskirche an der Posaune zu hören, Thiedemann, den viele als Intendanten des Tübinger Vielklang-Festivals kennen, am Cello.

Expressiv, in rezitativartigem Stil trug Luca Gotti in der Rolle des Evangelisten die Erzählung vor. Die Partien von Engeln, Hirten, Herodes und den Weisen gestalteten weitere Mitglieder des achtköpfigen Chores teils solistisch. Stets mit klarer stimmlicher Zeichnung und erkennbarer innerer Anteilnahme. In polyfonen Chorsätzen mit raffinierter Klanggestaltung ließen die Sängerinnen und Sänger das Geschehen überaus plastisch werden. Zu Schütz' Lebzeiten hatte der Dreißigjährige Krieg das Heilige Römische Reich verwüstet. Der Komponist schuf mit der »Historia« nicht zuletzt eine Musik, die Trost und Hoffnung spendet. Ein Gehalt, der in der Tübinger Aufführung des um 1660 entstandenen Werks wunderbar zum Tragen kam. Der Abend war geprägt von besonderer Innigkeit und Eindringlichkeit.

Mit Zinken und Dulzian

Das Ensemble Gradus Ad Parnassum hat sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben. Es bezog auch eine Viola da Gamba, Zinken, die vom 15. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zu den beliebtesten Instrumenten zählten, und einen Dulzian, Vorläufer des Fagotts, mit ein.

Zur festlichen Klangpracht - und das zeichnete die Aufführung am Mittwoch aus - trugen auch Instrumentalstücke etwa von Johann Heinrich Schmelzer, Franz Tunder, Johann Rosenmüller und Andreas Hammerschmidt bei - neben Stücken für Advent und Weihnachten beispielsweise aus der Feder der Schütz-Zeitgenossen Michael Praetorius (»Es ist ein Ros' entsprungen«, »Der Morgenstern ist aufgedrungen«, »Gelobt seist du, Herr Jesu Christ«) und Samuel Scheidt (»Nun komm, der Heiden Heiland«).

Innig gestaltete Totenmesse

Die Instrumentalistinnen und Instrumentalisten beeindruckten unter anderem in einer »Sonata à 6« von Antonio Bertali mit nachdenklich-innehaltendem Gestus und lebhaftem Konzertieren. »Brich an, o schönes Morgenlicht«, tönte wenig später - in Johann Sebastian Bachs anmutigem Satz - der Chor, der auch Orlando di Lassos »Missa pro defunctis« - im Programm als Totenmesse für die auf Herodes' Befehl getöteten Kinder eingesetzt - innig zu gestalten wusste.

Die Ausführenden verstanden ihr Konzert als Hommage an Heinrich Schütz. Und als Reise durch die Musikgeschichte der Weihnacht. In der Kombination aus festlichen Chorälen - darunter Bachs »Ich steh an deiner Krippen hier« -, virtuosen Instrumentalstücken und der bewegenden biblischen Erzählung ergab das einen vielschichtigen, musikalisch runden und erinnerungswürdigen Abend. (GEA)