REUTLINGEN. Der Reutlinger Pappelgarten holte in dieser Woche die Progrock-Band Voda aus Polen auf die Bühne. Leider blieben einige Stühle leer – untypisch für die Kulturinstitution Pappelgarten. An der Qualität der Musik lag das nicht, sondern vielmehr daran, dass Voda bisher noch nie in Reutlingen gespielt haben. Es sei »schwierig, wenn es um etwas geht, das man nicht kennt«, so Organisator Tobias Festl. Dabei bewies er mit seiner Entdeckung von Voda einmal mehr sein feines Gespür für das Besondere.
Voda, das sind Radek Kopec mit E-Gitarre und Gesang, Michal Marzec am E-Bass und Jakub Miarczynski am Schlagzeug. Die drei aus der Nähe von Krakau lieben es, gemeinsam mit eigenen Songs durch Europa zu touren. Die Band hat nach über 300 Konzerten Unterstützer in vielen Ländern, die sie immer wieder gern buchen und längst zu Freunden geworden sind. »Wir sind nicht berühmt, nicht im Geringsten. Aber wir lieben es, Musik zu machen. Und wir schätzen die Menschen unheimlich, die sich unsere Musik anhören.«
Gute Energie
Freude war an diesem Abend deutlich zu spüren. Das herzliche Lächeln aller Musiker und die gute Energie übertrugen sich direkt aufs Publikum. Das Trio klang aufeinander eingespielt. Ohne Notenblätter, sondern direkt aus dem Handgelenk experimentierten die Virtuosen zusammen und brachten ihre facettenreiche Musik auf den Punkt. Progrock sprengt das Korsett aus Viervierteltakt, Strophen, Refrain und Bridge. Die Songstrukturen sind komplex, die Taktarten ungewöhnlich. Als Zuhörer musste man sich erst darauf einlassen. Aber wer das tat, tauchte bei Voda in einen einzigartigen Groove ein.
Am Ende war es verbluester Fusion, der die Raffinesse des Jazz mit der Kraft des Rocks verband. Voda improvisierten, schickten ihre Ideen auf eine Reise, ließen sie suchen, sich entwickeln – filigran und gekonnt. Stimmlich solide halten sie ihre englischen Texte einfach, aber mit einer ganz eigenen Tiefe.
Gemeinsame Träume
Voda stellen ihre »Peace on Earth«-Tour in das Zeichen des Friedens – im Hinblick auf die angespannte geopolitische Lage und vor allem den Krieg in Polens Nachbarland Ukraine. In ihrem Song »Turning Around«, mit dem Voda den Abend eröffneten, heißt es: »After all, our dreams are similar: / Peace on earth and hunger’s end.« Übersetzt: »Letztlich sind unsere Träume dieselben: Frieden auf der Welt und das Ende des Hungers.«
Die Band ist überzeugt, dass man sich nur durch Zusammenhalt gegen die Strukturen stellen kann, die versuchen, die Menschen gegeneinander aufzubringen, um ihre Macht und ihren Reichtum zu vergrößern. Ihre Lieder über den Krieg bedeuten der Band besonders viel. »Es gibt keinen Grund, zu kämpfen. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, dass wir Menschen sind. Wir sind Freunde, aber sie wollen, dass wir uns hassen. Lasst euch nicht beirren und haltet zusammen.«
Vorgeschmack aufs angekündigte Album
Weil im Frühjahr ihr neues Album erscheint, gaben die selbstbezeichneten Prog’n’Roller einen kleinen Vorgeschmack. »When you’re progressive, the work has to be in progress«, erklärten Voda in einem Instagram-Post und bewiesen das auch vor Ort. »Lasst uns ein neues Lied spielen. Wir lieben unsere alten Songs, doch wir haben ein neues Album. Wir arbeiten noch daran. Aber wir müssen es schon spielen.«
Ein weiteres großes Thema in Vodas Liedern ist, dass man nur ein Leben hat und wie man es am besten verbringt. »Heute ist Montag; ihr seid hier, um Musik mit euren Freunden zu hören. Das ist wundervoll. Danke schön!« Die Band schätzte die Gastfreundlichkeit sehr, auch wenn das Haus nicht voll war. »Wir sind glücklich und dankbar, dass unser letztes deutsches Konzert für dieses Jahr in Reutlingen war.« (GEA)

