Logo
Aktuell Konzert

Im Reutlinger franz.K: Kokosnuss und Beerdigung

Im franz.K in Reutlingen treten mit Fabian Simon und Daniel Benyamin zwei Singer-Songwriter mit Wurzeln in der Region auf.

Der in Berlin lebende Daniel Benyamin im franz.K.
Der in Berlin lebende Daniel Benyamin im franz.K. FOTO: MORAWITZKY
Der in Berlin lebende Daniel Benyamin im franz.K. FOTO: MORAWITZKY

REUTLINGEN. Die beiden Gäste dieses Abends haben manches gemein, anderes unterscheidet sie grundlegend – aber Fabian Simon & The Moon Machine, die am Montag im franz.K nach 21.30 Uhr auftreten, überzeugen auch Daniel Benyamin, der anderthalb Stunden vor ihnen auf der Bühne steht – obschon sie, wie Benyamin scherzend bemerkt, aus Tübingen kommen, nicht aus Reutlingen.

Daniel Benyamin – der GEA berichtete – wurde groß in Walddorfhäslach, ging zur Schule in Reutlingen, lebt heute in Berlin, betreibt seit neuestem ein eigenes Label und hat in diesem Frühjahr, nach seinen Erfolgen im Duo Sea+Air und nach einigen kleineren Veröffentlichungen, mit »Eral Fun« (ein Spiel mit dem englischen Wort »Funeral«) sein erstes eigenes Pop-Album im großen Stil vorgelegt.

Daniel Benyamins Musik ist sphärisch großes Kino, melodischer Schönklang, unter dem sich große Spannung aufbaut, Pop, der sich träumend an Punk und Noise erinnert.

Auch Fabian Simon und seine Band scheinen musikalischen Erinnerungen verpflichtet – nur diese Erinnerungen haben ihre Wurzeln im Rock ’n’ Roll, im Psychedelic, Folk, gar im Boogie. Simon hat sein jüngstes Album »Coconut Dreams« genannt; er trägt ein buntes Hemd und eines seiner Stücke, älteren Datums, heißt »21th Century Blues«. Er singt mit geschmeidigem Bariton, bewegt seine Finger traumhaft schnell und sicher auf dem Griffbrett seiner Gitarre und hat nicht weniger Humor als Daniel Benyamin mit zum Konzert im Foyer des franz.K gebracht. Den hat er auch nötig, denn sein Publikum dort ist klein, kleiner noch als zuvor Benyamins. Allerdings: Beide Musiker sind froh, sehr froh, überhaupt wieder vor einem Publikum stehen, ihre Alben vorstellen zu dürfen. »Eigentlich hätte es dieses Konzert schon vor zwei Jahren geben sollen«, sagt Fabian Simon. »Jetzt holen wir es einfach nach.« Statt auf die Bühne ging es erst ins Studio, und alles, bemerkt ein Musiker, hatte also doch auch ein Gutes.

Starker Retro-Einfluss

Dass Fabian Simon seine Musik gerne als »utopischen Kraut-Folk« bezeichnet, mutet dabei eher merkwürdig an – denn nichts klingt hier uferlos motorisch kühl, eher schon blinzelt die Sonne zwischen jedem Schlag auf die Gitarrensaiten hervor, fließen die Melodien verspielt dahin. Kleine entspannte Riffs strecken sich aus auf nicht größeren Flächen, die das Keyboard malt; eine gute Prise Soul klingt heimlich mit und Fabian Simons Stimme bricht sehr schön, während sich hinter ihr Piano und Gitarre verzahnen, ein exotisches Klangbild aus dem Keyboard steigt und ein silbrig helles Solo aufspringt: Starker Retro-Einfluss, sonnig gereift.

Fabian Simon & The Moon Machine treten auf als Trio; Daniel Benyamin spielt mit seinem langjährigen Begleiter Zar Monta Cola als Duo; Zar Monta Cola sitzt am Schlagzeug, bedient nebenher ein Keyboard, liefert den hypnotischen Hintergrund zu Benyamins Songwriting der großen elegischen Gefühle. Rhythmen treiben die Musik elektronisch, akustisch voran, Daniel Benyamins Stimme steigt auf und höher, seine Gitarre zuckt, verliert sich in dunklen Klangflächen, der Künstler kniet nieder, das Spiel wird frei und dissonant, findet dann wieder zurück zur Melodie von wunderbarer Ohrwurmqualität.

Ein spannender Abend voller Kontraste, bei dem Daniel Benyamin schließlich auch ein kleines Tänzchen wagt, mit einer Dame, vor der Bühne. (GEA)