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Aktuell Konzert

Herzzerreißende Balladen

Rebekka Bakken überzeugt im ausverkauften franz.K durch ihre Stimme und Ausdrucksstärke

Rebekka Bakken sorgte im franz.K Reutlingen
Die in Oslo lebende Rebekka Bakken sorgte im franz.K für Gänsehautmomente. FOTO: SPIESS
Die in Oslo lebende Rebekka Bakken sorgte im franz.K für Gänsehautmomente. FOTO: SPIESS

REUTLINGEN. Es gibt derzeit nur wenige Sängerinnen, die es so fabelhaft verstehen, den Jazz mit Pop und Folk zu versöhnen: Auf ihrer »Things You Leave Behind«- Tour ließ die norwegischen Sängerin Rebekka Bakken am Sonntag im ausverkauften franz.K keine Wünsche offen. Sie live auf der Bühne zu erleben ist ein Hochgenuss.

Authentisch: Mag das Wort inzwischen auch etwas überstrapaziert sein, bei Rebekka Bakken trifft es den Nagel auf den Kopf: Die nach den Stationen New York, Wien und Stockholm wieder in Oslo lebende Norwegerin kann lässige Folk- oder Popnummern ebenso natürlich singen wie düstere Bluesstampfer. Auch zur schlichten Klavier- und Gitarrenbegleitung passt ihre Stimme.

Die besondere Spezialität der 52-jährigen Chanteuse sind allerdings ihre selbst komponierten Stücke. Sie präsentiert sie im franz.K ganz entspannt im Hier und Jetzt ihres Songwriter-Pops, der nur in seinen eigenwilligsten Momenten die Jazzwurzeln offenbart. Und das mit einer Stimme, die Joni Mitchell und zuweilen sogar Janis Joplin kennt und doch mit diesem Wissen nur spielt. Die in der Höhe unnachahmlich wimmern kann und in der Tiefe Schauer über den Rücken jagt.

Einnehmende Bühnenpräsenz

Wenn die Norwegerin bei der Vorstellung ihres aktuellen Albums »Things You Leave Behind« immer wieder auf ihr Lieblingsthema, die Männer, zu sprechen kommt, erzählt, dass »der attraktivste Plattenverkäufer des Planeten aus Tübingen kommt«, dann ist da fast niemand, der von der groß gewachsenen Frau mit der langen, blonden Haarmähne nicht gern einmal in die Kunst »How to fall in love« eingeführt würde.

Die Stimme der norwegischen Diva zaubert vom ersten Stück an etwas Neues aus Bekanntem und Bewährtem. Am besten kann man es mit der harmonischen Einheit aus Stimmlage, Intonation und Timing sowie einer auf alles Überflüssige verzichtende Instrumentierung beschreiben, die Rebekka Bakkens intensive Stimme maximal zur Geltung kommen lässt.

Begleitet von ihrer neu formierten Band mit Ola Gustafsson (Gitarre) und Eirik Tovsrud Knutsen (Piano) präsentiert sie ihre ruhigen, zurückgenommenen Melodien mit unprätentiöser Virtuosität und einnehmender Bühnenpräsenz: angefangen mit dem lasziven »Closer« über das in Tom-Waits-Manier gesungene »Drop Of Poison« bis zu ihrer herzzerreißenden Interpretation des Ludwig-Hirsch-Songs »Und der Schnee draußen schmilzt«, bei dem dann auch der letzte Besucher im franz.K eine Gänsehaut bekommt. Die gesanglichen Extravaganzen und das kokettierende, jedoch niemals aufdringliche Auftreten der Norwegerin machen dieses Konzert allein schon zu einem Erlebnis.

Das Geheimnis ihres Erfolgs ist ihre Ausstrahlung und die Fähigkeit, die in ihren Texten beschriebenen Gefühle und Stimmungen mit hoher Intensität immer wieder aufleben zu lassen. Vermag die Bakken doch sogar im Verklingen noch eine Präsenz zu entwickeln, die sich nur aus ihrem Charisma erklären lässt. Und auf einmal gewinnt sogar der Begriff Authentizität wieder an Bedeutung. (GEA)