STUTTGART. Lange Zeit haben ihre Fans darauf gewartet, mitgefiebert und sowieso immer mitgesungen: Helene Fischer macht mit ihrem Besuch in Stuttgart für viele Schlagerfreunde einen Traum wahr – und schießt sich mit ihrer aktuellen Tour »Live 2023« mit Liedern aus dem Album »Rausch« erneut weit in den Himmel der Schlagermusik. Die spektakuläre Bühnenshow am Dienstag in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle versetzte Zuschauer aus der Region ins Staunen, forderte von der Sängerin aber körperliche Höchstleistungen. Sogar eine jüngst bei Proben zugezogene Rippenverletzung konnte Helene Fischer nicht stoppen.
Wie ein rot leuchtender Diamant schwebt Fischer von der Decke hinab. Die Stimmung kocht, alle wollen Helene sehen. Mitten in der Menge beginnt die deutsche »Queen of Schlager« ihre Performance menschennah, fröhlich und energiegeladen – für die Sängerin nach fünf Jahren Tour-Pause ein wahrhaft historischer Abend.
Erster Auftritt nach fünf Jahren
Was den Auftritt Helene Fischers so besonders macht, ist der Weg, den die 38-Jährige in den vergangen fünf Jahren zurücklegen musste. Da war die Trennung von Ex-Mann Florian Silbereisen im Jahr 2018, damals ein gefundenes Fressen in den Boulevard-Medien. Es folgte das Album »Rausch« im Jahr 2021, doch spätestens seit der Pandemie musste Fischer zunächst alle zukünftigen Tourpläne verwerfen. Doch das ist alles vergessen, als das blonde Power-Paket Fischer mit 1,58 Meter Körpergröße eine samtig-gefühlvolle Stimme in voller Lautstärke durch die Schleyerhalle schallen lässt.
»Wir haben alle so viele Jahre drauf gewartet. Da ist so viel, das ich mit Euch teilen möchte«, sagte Fischer zum Publikum. Besonders in schwierigen Zeiten wolle Fischer ihrem Publikum beiseite stehen. »Ich möchte euch so viel Freude, so viel Glück, wie möglich geben.«
Dass das dem Star sichtlich gelungen ist, zeigte das Publikum überaus deutlich. Da, wo man mitsingen konnte, wurde mitgesungen – und nach ein wenig Motivation der Schlagersängerin, die scheinbar endlose Mengen Energie besitzt, gelingt das auch noch nach der Pause zur zweiten Hälfte der Show problemlos.
Performance mit Thomas Seitel
So reibungslos wie am Dienstag hätte Fischers Show jedoch sicherlich nicht über die Bühne gehen können, wäre da nicht die Entourage an Tänzerinnen und Tänzern gewesen, die Liveband und nicht zuletzt Fischers Freund Thomas Seitel. Im Jahr 2018 noch als neue Liebe der Sängerin bekannt, wird der professionelle Tänzer und Luftakrobat bei der neuen Tour zum elementaren Teil in Fischers Show.
Seitel lässt Fischer am Seil ringsum durch das Publikum kreisen – die Menge tobt. Gleichzeitig regnet es von oben mit dem Computer gesteuerte Regentropfen im Kreis auf die Sängerin und ihren Partner, sodass um Fischer herum perfekte Muster entstehen, wenn das Wasser fällt – dann küssen sich Fischer und Seitel.
Nicht nur akustisch verblüffte Fischers Show am Dienstag in Stuttgart, sondern auch optisch – neben Fischer, versteht sich – in Sachen Bühnenperformance der Tänzer. Jeder einzelne Tanz ist perfekt auf Fischers Bewegungen abgestimmt, die sich ebenfalls perfekt in das Gefüge der Tänzerinnen und Tänzer einfügen. Man sieht und hört durchgehend fehlerfrei die vielen Stunden Arbeit, die Fischer in den vorangegangenen Monaten bei den Proben investierte.
Wie kann »Atemlos« auf neue Weise performt werden? Die Antwort Fischers: mit einem riesigen Roboterarm, der sie mitten in der Menschenmenge in und her dreht und auf und ab schweben lässt. Es sind auch solche technischen Raffinessen wie ein wenig Pyrotechnik inklusive Nebel und Akrobatik von Artisten des Cirque du Soleil, die die Tour zum Erlebnis machen.
Nach dem Unfall wieder vollends da, lieferte Fischer in Stuttgart den Beweis, warum sich die Mühen und vielleicht auch der verschobene Tour-Start lohnen dürften. Die Rippenfraktur habe sich Fischer »bei einer Drehung am Trapez zugezogen«, wie das Management im März mitteilte, kurz nachdem die anstehende Tour verletzungsbedingt um knapp einen Monat verschoben werden musste. Schon am 21. März wollte Fischer in Bremen ihren ersten Auftritt geben.
Daraufhin teilte die Sängerin mit, es würden Alternativen für die Konzerte in Bremen und in Hamburg gefunden werden, und entschuldigte sich bei ihren Fans. »Glaubt mir, ich hätte es mir auch anders gewünscht, allerdings muss ich dem dringenden ärztlichen Rat folgen«, bedauerte Fischer. Fans zeigten Verständnis. Bis einschließlich siebten Mai gibt Helene Fischer insgesamt fünf Konzerte in Stuttgart und vom 6. bis 11. Juni in Mannheim. (GEA)

