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HAP Grieshaber ist bei den jüngeren Sammlern kaum noch bekannt

Der Freundeskreis HAP Grieshaber zieht bei der Mitgliederversammlung im Reutlinger Spendhaus Bilanz

HAP Grieshaber: »Die Baumkrone«, Farbholzschnitt von 1975.  FOTO: PFEIFFER
HAP Grieshaber: »Die Baumkrone«, Farbholzschnitt von 1975. FOTO: PFEIFFER
HAP Grieshaber: »Die Baumkrone«, Farbholzschnitt von 1975. FOTO: PFEIFFER

REUTLINGEN. 125 Mitglieder, bundesweit zerstreut, zählt der Freundeskreis HAP Grieshaber. Etwas mehr als 20 von ihnen waren kürzlich zur traditionellen Jahresversammlung im Reutlinger Spendhaus angereist. Als Hausherr war auch der neue Leiter des Kunstmuseums Reutlingen, Stephan Rößler, dabei.

Ist Grieshaber noch Thema im nationalen und internationalen Ausstellungsbetrieb? Der Freundeskreis hat ein Auge darauf. Der Vorsitzende Wolfgang Bartelke wies auf das Museum Wiesbaden hin, das ab September 2023 vier Monate unter dem Titel »HAP Grieshaber. Form/Sprache« Arbeiten der Jahre 1933 bis 1981 gezeigt hatte – mit schönem Katalog.

Präsentationen im In- und Ausland

Eine markante Ausstellung bot von Mitte Juli bis Anfang November 2024 das Schlossmuseum Murnau. Unter dem Titel »Drucken ist ein Abenteuer« gab es »Handdrucke der fünfziger Jahre« zu sehen. Die kunstbeflissene Adolf Würth GmbH präsentierte übers ganze letzte Jahr hinweg Holzschnitte aus der eigenen Sammlung in der Künzelsauer Hirschwirtscheuer. Bis 1. Juni lief im Zentrum für Druckgrafik der Stiftung Nobilis im niederländischen Fochteloo eine Schau mit über 30 Holzschnitten.

Unter der Bezeichnung »Rettet die Wacholderalb« stellte der Förderverein Eninger Kunstwege im Biosphärenzentrum Schwäbische Alb von Mitte Januar bis Mitte März 2025 in Münsingen-Auingen Werke von Grieshaber aus. Aktuell zeigt der Förderverein seit April in der Eninger Grieshaberhalle die Gegenüberstellung »dialogisch HAP Grieshaber / Tanja Niederfeld«.

In der Trinitatiskirche in Bonn platzierte Wolfgang Glöckner vom 9. März bis 12. April den »Polnischen Kreuzweg«. Am 10. August wird Hans-Dieter Mück eine weitere Ausstellung in der Kunsthütte Uttenbach/Apolda unter dem Titel »Malgré tout: in tyrannos« eröffnen, zu Grieshabers lebenslangem Kampf für Demokratie und Freiheit (bis 2. November).

Zudem sind einige Gemeinschaftsausstellungen unter Beteiligung von HAP Grieshaber zu erwähnen: In der Städtischen Galerie Paderborn, in der Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung in Nürtingen, im Emil Schumacher Museum in Hagen.

Preisträger und Wahlen

Der mit 25.000 Euro dotierte HAP Grieshaber Preis der VG Bild-Kunst ging in diesem Jahr an Cornelia Sollfrank aus Berlin. Sie ist bildende Künstlerin, Forscherin und Dozentin. Seit den 1990er-Jahren beschäftigt sie sich mit digitalen Medien und dem Paradigmenwechsel, den diese in ästhetischer Praxis und Theorie mit sich bringen. Sie hat sich den Ruf als Pionierin der Netzkunst erarbeitet. Von Juni bis August letzten Jahres zeigte das Kunstmuseum Reutlingen Arbeiten der HAP-Grieshaber-Stipendiatin Simone Eisele unter dem Titel »after Millet«.

Bei der Mitgliederversammlung des Freundeskreises HAP Grieshaber standen Wahlen an. Der Vorsitzende Wolfgang Bartelke, sein Stellvertreter Rainer Lawicki und Schatzmeister Alfred Göbel wurden in ihren Ämtern bestätigt. Hinzugewählt in die Vorstandschaft wurden die beiden Kunsthistorikerinnen Catharina Geiselhart (Herrsching) und Elvira Mienert (Tübingen). Bartelke sieht darin einen Generationswechsel, da er nach seinen Aussagen als Vorsitzender 2029 nicht mehr antreten will.

Keine Antwort auf Anfrage

Die Situation um das Grieshaber-Anwesen an der Achalm beschäftigte den Vorsitzenden des Fördervereins Eninger Kunstwege Hermann Walz. Er hatte bei der Geschäftsführung der Achalm Besitzergesellschaft angefragt, ob hinsichtlich Häuslichkeiten und Grundstück am HAP-Grieshaber-Weg 60 Änderungen bevorstünden – bis jetzt ohne Antwort. Einen Fortschritt gab es bei den Häusern aus den 1950er-Jahren südlich der HAP-Grieshaber-Halle: Grieshaber brachte dort an mehreren Wänden Sgraffti an, von denen nun die Motive »Veilchen«, »Erdbeeren«, und »Mistelzweig« restauriert sind.

Bartelke stellte abschließend die Frage, was mit dem Werk von Grieshaber passiere. Es finde ein Generationswechsel bei den Freunden des Achalm-Künstlers statt. Bei den jüngeren Kunstsammlern sei er kaum bekannt. Dies mache sich auch auf dem Markt bemerkbar. So würden Auktionshäuser kaum noch Arbeiten mit höheren Auflagen annehmen.

Was das Reutlinger Kunstmuseum anbetrifft, schwört Stephan Rößler die Grieshaber-Gemeinde darauf ein, die Ausstellung »HAP Grieshaber und der Bauernkrieg« vom 31. Juli 2025 bis zum 18. Januar 2026 ins Blickfeld zu nehmen, kuratiert von Elvira Mienert. (GEA)

 

www.freundeskreis-hap-grieshaber.de