BAD URACH. »Ich hoffe, es stört nicht, dass wir Sie im Advent schon in Weihnachtsstimmung bringen.« Auf diese Worte von Gerhard Jacobs, Dirigent beim Extrakonzert der Herbstlichen Musiktage Bad Urach in Zusammenarbeit mit dem Kantorat der Stiftskirche St. Amandus, wollte am Samstagabend wohl niemand mit »Doch!« antworten.
Die Amanduskirche war mit über 1.000 Besucherinnen und Besuchern fast voll. Viele waren auch deshalb gekommen, weil sie den Auftritt der Regensburger Domspatzen vor einem Jahr an derselben Stelle in bester Erinnerung hatten. Und weil der Name Tölzer Knabenchor zieht. Der Konzertchor zählt zu den musikalischen Aushängeschildern Bayerns. Er wurde 2024 zusammen mit den Augsburger Domsingknaben, den Regensburger Domspatzen und dem Windsbacher Knabenchor als immaterielles Kulturerbe in die bayerische Landesliste der Unesco aufgenommen.
Aparte Instrumentalbegleitung
Der Auftritt von 30 jungen Sängern stand unter dem Titel »Weltweihnacht« und schloss Weihnachtslieder aus dem Alpenland, Europa und der ganzen Welt ein. Apart war die instrumentale Begleitung mit Harfe und Akkordeon. Marianne Heufelder an dem Saiten- und Josef Steinbacher an dem Tasteninstrument akzentuierten und grundierten das musikalische Geschehen kunstvoll und passend.
Los ging es mit Weihnachten in Europa. Der in karierten Hemden, Jankern und Kniebundhosen auftretende Chor ließ ein perkussiv gestaltetes, schwungvoll-fröhliches »Il est né le divin enfant« erklingen, das die Freude über die Geburt Jesu Christi auf Französisch und Deutsch ausdrückte, gut akzentuiert und mit melodischer Strahlkraft. Beim englischen »Ding! Dong! Merrily On High« mit seiner ungestüm-fröhlichen Melodie trafen die jungen Sänger wunderbar den schwingenden Glockenton. Mit »Fum, Fum, Fum« gaben sie dem bekanntesten katalanischen Weihnachtslied klingende Anmut. Schlicht und innig kam das schwedische »Jul, jul« daher, wobei hier Weihnachten selbst mit den eindringlichen Worten »Komm, komm« darum gebeten wurde, Frieden in die Welt zu bringen.
Ukrainisches Lied
Berührend, wie samtig-weich und fürsorglich der Chor das polnische Christkind-Wiegenlied »Lulajze, Jezuniu« sang. Diesen Block mit Liedern aus Europa rundeten die Sänger mit »Ecco natale« aus Italien und dem vom Publikum besonders beklatschten ukrainischen Lied »Schtschedryk« ab.
Es folgte ein Block mit Liedern aus Australien, Argentinien und den USA. In einer Verschnaufpause für die auch solistisch und in Dreier-Formationen glänzenden Jungs ließ Kantor Armin Schidel Johann Sebastian Bachs »Nun komm, der Heiden Heiland« auf der Orgel erklingen. Ein betörender Klangstrom.
Geschulte Stimmen
Unter dem Stichwort »Zuhause« tönte es »Fröhliche Weihnacht überall« und »Still, still, still« mit fein geschulten, wandlungsfähigen Stimmen. Mit Stücken wie dem »Mürztaler Engelsruf« und »Heissa Buama« war man endgültig im Voralpenland, aus dem die Tölzer kommen, und den Bergen angekommen. Bei ihrer zweiten und letzten Zugabe, »O du fröhliche«, war auch das Publikum zum Mitsingen aufgefordert. (GEA)

