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Freudig und besinnlich: Bachs Weihnachtsoratorium in der Tübinger Petruskirche

Sieben Sänger führten zusammen mit dem Ensemble Gradus Ad Parnassum Ausschnitte aus Bachs Weihnachtsoratorium in der Tübinger Petruskirche auf. Besonders die Choräle sorgten für adventliche Stimmung.

Für besondere Momente sorgten die sieben Sänger mit unbegleiteten Chorälen.
Für besondere Momente sorgten die sieben Sänger mit unbegleiteten Chorälen. Foto: Verena Völker
Für besondere Momente sorgten die sieben Sänger mit unbegleiteten Chorälen.
Foto: Verena Völker

TÜBINGEN. Ohne Weihnachtsoratorium kein Weihnachten. Vielen Musikfreunden geht es so, und die kamen bei einer gekürzten Version in der Tübinger Petruskirche ganz auf ihre Kosten. Festliche Einstimmung, prachtvolle Arien hier und stilles Nachdenken über das weihnachtliche Geheimnis dort sind die Zutaten für das Werk.

»Jauchzet, frohlocket!«, erschallte es am Dienstagabend zum festlichen Beginn von Bachs Weihnachtsoratorium. Ursprünglich für sechs Gottesdienste komponiert, hatte der Leiter Felix Thiedemann, der selbst Cello bei der Aufführung spielte, eine gekürzte Fassung aus allen sechs Kantaten zusammengestellt. In einer kammermusikalischen Besetzung führten 19 Musiker, bestehend aus dem Ensemble Gradus Ad Parnassum und sieben Sängern, sie auf.

Historische Instrumente

Das Ensemble spielte mit historischen Instrumenten. So durfte das Publikum die dunklen, weichen Klänge von zwei Barockoboen erleben sowie die trompetenähnlichen Klänge eines Zinks und zwei Barockposaunen. Gerade die Besetzung mit historischen Instrumenten verlieh der gesamten Aufführung einen klanglich weicheren, weihnachtlichen Klang. In der kleinen Besetzung wirkte das sonst so wuchtige Werk stets klanglich ausgewogen, doch nie schwerfällig. Sehr passend zur Adventszeit, die für freudige Erwartung und Besinnung steht.

Mit Maria Palaska und Friedamaria Wallbrecher im Sopran, Livia Kretschmann und Lea Müller im Alt, Santiago Garzón Arredondo und Brenno Quinderé im Bass sowie Christian Wilms im Tenor waren fast alle Stimmen zweifachbesetzt. Das reichte aus, um die gesamte Kirche in weihnachtliche Stimmung zu versetzen. Die kammermusikalische Besetzung ließ einen intimen Charakter entstehen.

Mühelos klingende Arien und Rezitative

Besonders Christian Wilms begeisterte als Evangelist, der die Geschichte rund um Jesu Geburt erzählt. Seine Diktion war sehr deutlich und die rezitativischen Linien fügte er mühelos und harmonisch zusammen. Auch in der lebhaften Arie aus dem vierten Teil »Ich will nur dir zu Ehren leben« wirkten die Koloraturen leicht und mühelos.

Es braucht keinen großen Chor, um die Emotionen des Werkes spüren zu können. So sind nicht nur der Eingangschor kräftig und vollumfassend, sondern auch der Abschlusschor »Nun seid ihr wohl gerochen«, in dem die neue Stellung der Menschheit durch Jesu Geburt gefeiert wird.

Tragende Stimmen

Ruhig und besonnen ist die Stimmung im Advent, und dies waren ganz besonders die Choräle, die die Sänger präsentierten. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als die Sänger »Wie soll ich dich empfangen« ohne Begleitung eines Instruments sangen. Die Stimmen trugen klar und warm durch den Raum, jede Harmonie wurde sorgfältig ausgekostet. Doch auch die kraftvolleren Teile des Oratoriums wirkten überzeugend. Bei »Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen« ließen die Sängerinnen und Sänger lange Melismen leicht und sauber erklingen.

Das Publikum zeigte sich begeistert und applaudierte lange. Als Zugabe sang das Ensemble noch »Ich stehe an deiner Krippen hier«. Es war ein ruhiger, besinnlicher Ausklang, der gut in die zweite Adventswoche passte und bereits einen sanften Vorgeschmack auf Weihnachten gab. (GEA)