WANNWEIL. Ihre eigenen Fäden gesponnen haben acht Künstler und Künstlerinnen in der Alten Spinnerei in Wannweil. Aus Garnen geformt ist etwa eine kleine Plastik. Dass sich der künstlerische Weg auch auf ganz andere Weise umsetzen lässt, belegen die Objekte, Collagen und Gemälde. Die Kunst entstand während der Pandemie und darauf spielt der Ausstellungstitel »Trotz allem« an.
Seinen eigenen Charme versprüht die Alte Spinnerei mit den unebenen Böden und bröckelnden Steinen, oder den Wänden mit ihrem abgeplatzten Putz, den Rissen und Löchern. Vorgefundene Strukturen, die sich wie Zeichen des Verfalls lesen. »Ich liebe das Morbide«, meinte Ingrid Swoboda. Perfekt fügen sich ihre abstrakten und abstrahierten Zeichnungen in Braun-Grau- und Schwarztönen in diese Räume ein. Swoboda greift auch Politisches auf: Flüchtlinge, die in Seenot gerieten, thematisiert sie etwa in der Arbeit »See watch 3«.
Im Stil der Pop-Art
»Den Spiegel vorhalten«, möchte Holger Riefler. Das tut er im Stil der Pop-Art, die der gelernte Mediendesigner mit ein paar Bösartigkeiten mischt. Letzteres ist von Hieronymus Bosch beeinflusst, einem seiner Vorbilder. Den Lebensmittelskandal greift Riefler in einem Bild auf. Wobei Andy Warhols »Factory« zur Fleischfabrik umgemünzt wird – und Menschen per Fließband zur Schlachtbank gelangen. »Wie du mir, so ich dir«, kommentiert der Künstler diesen Schritt. Folgerichtig landen die menschlichen Fleischlieferanten wie Schlachttiere im Hackwolf und schließlich in Dosen: Konserven, die Warhols »Tomato Soup« nachempfunden sind.
Andere Künstler gestalteten leisere Werke. »Ich habe mich, seit Corona aufkam, mit der Natur befasst«, meinte Ute Kroll. Davor arbeitete sie abstrakt. Nun sind ihre Bilder meist gegenständlich, zeigen etwa die Strukturen von Bäumen. Manche der Zeichnungen wurden digital bearbeitet, beispielsweise Teile aus der Serie »Die Wunden der alten Bäume«.
Die Pandemie hat auch Barbara Wünsche-Kehle bei ihren Papier-Draht-Objekten beeinflusst. Gleichmäßig, in ruhiger Harmonie sind die Papierbänder als Reihen am oberen Teil des Objekts aufgebaut. Zum unteren Ende hin laufen die Bänder auseinander, werden zu hängenden Formen, die an Stabilität verlieren. Die Künstlerin möchte damit darstellen, wie sich die Corona-Pandemie auf die Menschen auswirkt. Sie steuert zudem Collagen aus Papier und Draht bei. Weitere Collagen, gefertigt in Blautönen, zeigt Beate Hölscher.
Unter anderem Plastiken aus Kugeln und Drucke fertigte Eva Schulz. Eine Installation, in der das Gemälde »Wasserfall« integriert ist, zeigt Ulrike C. Franz. Zeichnungen, in denen der menschliche Kopf im Mittelpunkt stehen, stammen von Lisa Voss. Sie hat auch eine »alte Dame« mitgebracht. Aus Garnrollen, Scheuerknäuel und Drahtkrone besteht diese Madame. Vorgefundenes, dass Voss gerne für ihre Plastiken einsetzt, denn: »Das Material liegt bei mir überall herum.«
Jede(r) beschreitet eigene Wege
Einen roten Faden sucht man also in dieser Ausstellung vergeblich. Denn jeder der Künstler und Künstlerinnen hat eigene Wege beschritten. Und »gesponnen« im Sinne von »fantasieren« wird in den Ateliers der Alten Spinnerei seit 30 Jahren: Auch daran möchte die Schau erinnern. Gäste können sich die Werke am 19. und 20. September anschauen, ebenso am 26. und 27. September. Geöffnet ist jeweils von 13 bis 18 Uhr. (GEA)
AUSSTELLUNGSINFO
Die Ausstellung »Trotz allem« im Batteur-Gebäude der Alten Spinnerei Wannweil mit Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der Alten Spinnerei ist am 19. und 20. September sowie am 26. und 27. September zu sehen, jeweils 13 bis 18 Uhr. Auch einige der Ateliers sind dann geöffnet. (GEA)

