Eric van der Zwaag schlüpft in die Rolle des Dichters, der als hitzköpfiger Jungspund gegen seinen Herzog rebellierte, ins »Ausland« nach Mannheim floh und später in Weimar zum »deutschen Shakespeare« wurde. Den Text dazu hat Daniel Call dem Tonne-Mimen auf den Leib geschrieben, wie er im Pressegespräch betont. Tonne-Hausautor Call führt auch Regie.
Um es gleich zu sagen: Es soll alles andere werden als eine gelehrte Literaturstunde. Calls Monolog stützt sich durchaus auf Quellenmaterial, aber was hier vor allem interessiert, ist, den Menschen Schiller möglichst plastisch werden zu lassen. »Der war ja eine sehr zerrissene Persönlichkeit«, erklärt Call. Ständig ruhelos, ständig unglücklich, ständig entflammbar für eine himmelhohe Begeisterung, »und dann platzte das und alles war ganz schlimm«.
In seiner Rastlosigkeit sei das auch ein sehr heutiger Mensch, meint Eric van der Zwaag. Einer, der pausenlos aufbricht, ständig die Anerkennung sucht; heute würde er vielleicht als Filmemacher oder Blogger Furore machen, kann sich van der Zwaag vorstellen.
Auch die Äpfel sind dabei
Den Rahmen bietet ein fiktiver Vortrag Schillers, »der aber aus dem Ruder läuft«, erklärt van der Zwaag. »So als würde er einem größeren Auditorium sein Leben erzählen - und dann geht’s mit ihm durch …« Traumata, Ängste, Hoffnungen brechen hervor, »er hat ja sehr unorthodox gelebt«, weiß van der Zwaag, »auch seine Sexualität war sehr unorthodox.« Und Daniel Call ergänzt: Ja, auch die berühmten Äpfel seien dabei, an deren gärendem Duft sich der Dichter Inspiration holte.Auszüge aus Schillers Dramen, immer irgendwie mit seinem Leben verbandelt, werden dazu vom Band eingeblendet. Und Musik ist dabei. Immer wenn der Lyriker aus Schiller hervorbricht, greift van der Zwaag zur Klampfe. Schillers auf höchster Gefühlsflamme kochende Reime werden da zu Pop, zu Schlager, irgendwo zwischen Tom Waits und Peter Alexander, oder wie Daniel Call witzelt: »Reinhard Mey für Anfänger«. Wer van der Zwaags Gesangskünste kennt, weiß: Das kann kultig werden!
Wobei Schiller damit keineswegs veralbert werden soll. Nein, eine Karikatur, eine Parodie soll das auf keinen Fall werden, versichern Call und van der Zwaag einmütig. Viel eher eine Hommage. Das aber »saftig, lustig-leicht« und voll des Lebens. Man darf gespannt sein.
Die nächsten Aufführungen nach der Premiere sind am 3., 7., 9., 30. und 31. Oktober. (akr)
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