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Aktuell Konzert

Eine Frau mit Vergangenheit

Champian Fulton Trio im Pappelgarten

Champian Fulton  FOTO: MORAWITZKY
Champian Fulton FOTO: MORAWITZKY
Champian Fulton FOTO: MORAWITZKY

REUTLINGEN. Die Freude ist groß am Mittwochabend im Reutlinger Pappelgarten: Über Jahre hin bemühte sich der Verein TheMu, der die Gaststätte mit immer ungewöhnlichen Jazzkonzerten bespielt, diese Musikerin für ein Konzert zu gewinnen. Nun ist sie gekommen, setzt sich an den Flügel, lacht, beginnt zu spielen, begleitet von Kontrabass und Schlagzeug, greift voll und leicht in die Tasten, lässt ihre Stimme schmeichelnd und verlangend durch die Tonlagen gleiten.

Champian Fulton ist ganz geerdet im klassischen Jazz; ihre Vorbilder lassen sich leicht ausmachen, ihr persönlicher Stil ist lebhaft und eigenständig. Ihr Vater, Stephen Fulton, war eng befreundet mit Clark Terry, der vor drei Jahren im hohen Alter verstarb, als Trompeter und Flügelhornspieler nicht zuletzt Miles Davis beeinflusste.

Champian Fulton ist nun 33 Jahre alt, veröffentlichte ihr erstes Album 2007 – eine Musikerin, der der Jazz in die Wiege gelegt wurde. Sie besitzt längst einen internationalen Ruf als Sängerin, Pianistin. Cole Porter, Irving Berlin finden sich auch heute noch in ihrem Repertoire; 2016 bewies sie sich mit ihrem Album »Speechless« auch als Komponistin von Stil und Raffinesse. Eigenkompositionen, Jazzstandards stehen am Mittwochabend im Pappelgarten auf dem Programm – und Champian Fulton erweist sich als Interpretin, die den Jazz der Vergangenheit charmant, vital und vielseitig in die Gegenwart transportiert.

Begleitet wird sie an diesem Abend von Martin Zenker am Kontrabass und Xaver Hellmeier am Schlagzeug. Fulton ist als Leiterin des Trios immer präsent, führt es sehr sicher, lässt immer wieder aber auch Zenker und Hellmeier in den Vordergrund treten, gibt ihnen Freiraum für Soli, lässt sich auf packende Dialoge mit zwei ebenbürtigen Könnern ein.

Allein Hellmeier brennt auf einem kleinen Drumset ein Feuerwerk wandernder, federnder Rhythmen ab, spielt wunderbar swingende, komplexe, komprimierte Soli, lässt überraschende Schläge über dem Tanz seines Besens kreisen, springt oft scharf in die Songs hinein. Dazu singt Martin Zenkers Bass, läuft in kräftigen, dunkel pulsenden Schritten neben Champian Fultons Pianospiel her, ihrem oft harten, fordernden Anschlag, ihren vielen schnellen, einfallsreichen Verzierungen, den kleinen Melodien, Improvisationen, in die sie abschweift, um wieder zu ihrem Thema zurückzukehren.

Champian Fulton spielt mit großer Verve, mit Temperament, noch größerem Charme, weckt tausend Erinnerungen mit Stücken wie »I’m confession that I love you«, unzählige Male von vielen Jazzsängern interpretiert, hier so vertraut wie neu, mit jugendlichem Überschwang und doch sehr reif.

»Lullabye for the Arts« hat sie ein eigenes Stück genannt, in dem sie an ihre Jugend zurückdenkt und an ihre liebsten Jazzalben zu jener Zeit – zu Art Blakey’s Jazz Messengers hätte sie gerne gehört, obschon sie viel zu jung war. Die Bebop-Ära, Thelonious Monk – all das klingt in ihrem frischen Spiel mit. Singt sie, lässt sie ihre Stimme samtig durch Tiefen gleiten, hitzig aufsteigen, fallen, die Melodien liebkosen, glaubt das Publikum, eine der großen Stimmen dieser Ära auf der Bühne zu erleben. (GEA)