REUTLINGEN. Sie sind zu dritt, kommen aus der Schweiz und firmieren unter dem Stichwort »Power Rock Trio«. Dirty Sound Magnet gaben am Donnerstagabend im franz. K ein raues, eigenwilliges Konzert. Mit Schlagzeug, Gitarre, Bass orientieren sie sich an der psychedelischen Vergangenheit, driften aber gerne ab in eigene Gefilde. Entschließen sie sich, ihr Publikum mitzureißen, gelingt ihnen das. Manchmal haben sie anderes im Sinn.
Die Bühne liegt in unwirklichem Licht, der Sänger gibt sich dem ekstatischen Wahn nahe, singt mit überschnappender Stimme, lässt seine Finger bohrende Notenfolgen und blitzschlagartige Ornamente zupfen. Dazu Marco Mottolini, ein Mann mit Bassgitarre, dunklem Bart und langem Haar, der den Exzess mit wuchtigen Noten unterlegt. Schlagzeuger Maxime Cosandey schiebt in rasender Verspieltheit die Garage an. Dirty Sound Magnet aus Freiburg im Üechtland füllen das Foyer des franz.K. Die Erwartungen sind hoch.
Spielen mit Effekt-Arsenal
Und Dirty Sound Magnet enttäuschen nicht. Sie spielen einen schmutzigen Sound, den sie zum Energieausbruch steigern. Vor Stavros Dzodzos, Sänger und Gitarrist, liegt ein Arsenal an Effektgeräten. Wildes Wah-Wah-Geschrei der Gitarre knallt auf die motorisch-schwere Rhythmussektion, der Sänger wirft sein verschwitztes Gesicht zurück, peitscht die Gitarre, fällt mit dem Bassisten in einen mantrahaften Refrain, der von metallischen Saitenschlägen abgelöst wird.
Gegründet hat sich die Band 2008, seit Ende der Corona-Pandemie touren Dirty Sound Magnet wieder ausgiebig. Ihr Vorbilder haben sie im Paisley-Underground, mit Bands wie Green on Red und The Dream Syndicate, die in den 1960ern mit krachig-melodiösen Relikten eine neue Rock-Romantik beschworen, weitab von der sauberen Gegenwart, mitunter auch in sich gekehrt.
Zuletzt dann der Blues
Genau das findet man auch bei Dirty Sound Magnet. Die Band öffnet sich sporadisch, zieht sich oft wieder zurück in ein musikalisches Schneckenhaus, in dem sich unheilvoll-stille, irisierende Klangflächen ausbreiten, dann wieder in die Brutalität krachender Riffs explodieren. Früh am Abend schon spielen Dirty Sound Magnet fünf neue Stücke, mit pluckerndem Bass, einer funkigen Trashgitarre, Musik, die einen großen Sog entwickelt.
Aber die sinistre Ruhe kehrt wieder. »The Ecstasy of a God« heißt ein Song, den Dirty Sound Magnet lange Zeit nicht spielten. »Ich weiß nicht, ob ihr dafür bereit seid«, sagt Stavros Dzodzos – für ein Epos, das schwermütig, introvertiert ist. Dirty Sound Magnet wollen manchmal in ihrer eigenen Welt leben. Zuletzt aber lassen sie es krachen, kommt der Blues ins Spiel, schwitzt auch das Publikum. (GEA)

