STUTTGART. Cher, Madonna. Und Kylie. Die australische Sängerin Kylie Minogue gehört zu den Künstlerinnen, bei denen der Vorname als Erkennungsmerkmal reicht - weil er eine Marke beschreibt. Warum das so ist, zeigt sie bei ihrem Auftritt im Rahmen der Jazzopen vor dem Neuen Schloss Stuttgart. Mehrere Passagen sind Medleys, so viele Ohrwürmer hat sie in ihrer Karriere rausgehauen.
Dass die sich in eine Bühnennummer zusammenfassen lassen, liegt daran, dass Kylie ihrem Stil seit 25 Jahren treu geblieben ist. Thematisiert sie selbst im Rahmen mehrerer selbstironischer Ansagen übers Alter. Böse gesagt: Die Hits sind Varianten des Gleichen, musikalisch in einer Bandbreite entsprechend ihren Kostümen der ersten Hälfte des Konzerts (rot und knapp, mal Lack, mal tief geschnittenes Kleid). Wohlwollender interpretiert: Disco wird einfach nie out. Fröhliches Feiern, das Zelebrieren von persönlicher Freiheit auf der Tanzfläche ist ein Grundbedürfnis, das sich durch die Epochen zieht: Frauen (und Männer) im sogenannten besten Alter haben sich für die Show noch mal die Glitzersachen ihrer Jugend übergeworfen. Die Entstehungszeit von Kylies Liedern lässt sich denn auch allenfalls am Grad der elektronischen Beat-Untermalung ablesen (je neuer, desto mehr).
Trauriger Song
Doch das ist nur die halbe Wahrheit über die Karriere der Kylie Minogue. Zur Hälfte des Konzerts wechselt sie abrupt den Stil und präsentiert sich als düstere Königin. Die Background-Tänzer transformieren von bunten Figuren im Clown- und Minecraft-Stil zu Teilnehmern eines sinistren venezianischen Maskenballs. Sie singt a cappella den traurigen Corona-Song »Say Something« – und als Reaktion auf ein Fanplakat der ersten Reihe auch die in ihrem Repertoire völlig aus der Reihe fallende Mörderballade »Where The Wild Roses Grow«.
Die Brücke schlägt dann der Hit »Slow«. Der kommt im Tempo zunächst genau wie der Song-Titel daher – wird zur Mitte dann zu einem tanzbaren Remix, der das Vorfeld des Neuen Schlosses zu einer Großraumdisco macht. Hier zeigt Kylie alles: Die nach wie vor volle, klare Stimme, die auch ruhige Stücke in die Weite trägt – und das Showgirl, das mit sexy Entourage Stimmung macht. Sie hat es weiterhin drauf. Die »Tension« (zu Deutsch: die Spannung) – Titelwort ihrer Tour – sie kann diese ohne Probleme für zwei Stunden Konzert halten. (GEA)


