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Die schwäbische Gitarrengöttin: Yasi Hofer im Adler in Meidelstetten

Yasi Hofer offenbart beim Auftritt im vollen Meidelstettener Adler ihr enormes Talent.

Die Ulmer Gitarristin Yasi Hofer glänzt mit fantasievollen Melodieläufen.
Die Ulmer Gitarristin Yasi Hofer glänzt mit fantasievollen Melodieläufen. Foto: Jürgen Spieß
Die Ulmer Gitarristin Yasi Hofer glänzt mit fantasievollen Melodieläufen.
Foto: Jürgen Spieß

HOHENSTEIN-MEIDELSTETTEN. Das ist sie also, die vor fast 20 Jahren von Steve Vai entdeckte Gitarristin aus Ulm: Mit einem charmanten Lächeln bahnt sich die inzwischen 33-jährige Yasi Hofer mit ihren beiden Begleitern Christoph Scherer und Steffen Knauss den Weg durch das dicht an dicht sitzende und stehende Publikum auf die Bühne und lässt diese gut anderthalb Stunden lang im wahrsten Sinne des Wortes vibrieren. Es ist zuerst Yasi Hofers ausgefeilte Spieltechnik, die die rund 150 Besucher im Meidelstettener Adler beeindruckt und dieses Konzert zu einem besonderen macht.

Denn wer Yasi Hofer zuhört, wie sie ihre Gitarre liebkost, wie sie gleichsam mit ihrer Musik verschmilzt, der wirft Vorurteile, wie sie zuweilen gegenüber Rockgitarristinnen bestehen, schnell in die Mülltonne. Mit ihren wieselflinken Fingern malträtiert sie ihre E-Gitarre nicht nur, nein, sie streichelt sie, und manchmal schrammelt sie auch nur etwas auf ihr herum. Die Gitarristin, die bereits im zarten Alter von 14 Jahren von Gitarrenlegende Steve Vai persönlich auf die Bühne gebeten wurde und ihre musikalische Reife an der wohl renommiertesten Musikhochschule der Welt, dem Berklee College of Music in Boston, verfeinern durfte, verzichtet bei ihrem Auftritt bewusst auf vordergründige Showeffekte.

Filigrane Virtuosin

Stattdessen widmet sie sich mit beinahe asketischer Konzentration der feinsinnigen Auslotung differenzierter Tonspektren und der behutsamen Balance vielschichtiger Klangräume. Yasi Hofer ist eine filigrane Virtuosin, die selbst die zahlreichen Musikerinnen und Musiker im Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißt. Immer wieder gelingt es ihr im Zusammenspiel mit Bassist Steffen Knauss und Schlagzeuger Christoph Scherer, mühelos zwischen verdichteten Klangballungen und fantasievoll ausschwingenden Melodieläufen zu changieren.

Wie ernst es der gebürtigen Ulmerin mit ihrer Kunst ist, offenbart sich in der leidenschaftlichen Präzision, mit der sie sich ihrem Instrumentalrock hingibt. Jede rhythmische Struktur wird zum Indiz, jeder noch so feine Akzent zu einem unmissverständlichen Bekenntnis. Da ist er also wieder: der Rock ’n’ Roll – groß, wuchtig, unaffektiert, eine Musik von archaischer Kraft, die allen Unkenrufen zum Trotz so lange weiterleben wird, wie irgendwo auf dieser Welt noch Testosteron durch Adern pulsiert.

Frisch und eingängig

Nicht, dass Yasi Hofers Spiel das gesamte Farbspektrum ausgeschöpft hätte. Doch die Richtung stimmt – und zwar kompromisslos. Das gilt ebenso für ihre gesanglichen Einlagen wie für die hochkomplexen Taktstrukturen, die sie in einer Reihe anspruchsvoller Arrangements meistert: etwa im Titelstück ihres vierten Albums »Between The Lines«, bei »Moments«, »Freedom« oder auch dem ihrer neuesten Gitarre gewidmeten »Queen of Hearts«. Unbekümmert und zugleich mit beeindruckender spielerischer Souveränität präsentieren sich auch ihre beiden Mitstreiter an E-Bass und Schlagzeug. Im Kern wurzeln die Eigenkompositionen im konventionellen Fusionrock, der hier jedoch mit bemerkenswerter Frische und Eingängigkeit in Szene gesetzt wird.

So erlebt das Publikum bei Yasi Hofers letztem Konzert in diesem Jahr eine Demonstration zeitlosen Rocks – eindringlich, ehrlich und auf fast rührende Weise uncool. Raffinierte, beinahe »old school« anmutende Gitarrenläufe treffen auf ein Klangbild, das dennoch ganz im Hier und Jetzt verankert ist. (GEA)