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Die Musik als Heimat: Das Quartett Salut Salon in der Reutlinger Stadthalle

Das Quartett Salut Salon mit hochklassigen Musikerinnen begeisterte am Freitag in der Reutlinger Stadthalle mit dem Programm »Heimat«.

Alle vier und Puppe Oskar zeigten die Möglichkeiten des Cellos.
Alle vier und Puppe Oskar zeigten die Möglichkeiten des Cellos. Foto: Gabriele Böhm
Alle vier und Puppe Oskar zeigten die Möglichkeiten des Cellos.
Foto: Gabriele Böhm

REUTLINGEN. Sehr gut gefüllt war die restlos bestuhlte Reutlinger Stadthalle am Freitag. Ist doch das kammermusikalische Frauenquartett Salut Salon, das weltweit auftritt und gerade durch Deutschland tourt, als Formation bekannt, die nicht nur meisterhaft die Instrumente beherrscht, sondern auch eine professionelle Show bietet. Angelika Bachmann (Geige), Mary Rose Scanlon (Geige), Maria Friedrich (Violoncello) und Mariya Filippova (Piano) brannten auf der Bühne ein Feuerwerk ab, das die Gäste von Anfang an mitriss und ihnen nach jedem Stück Beifalljubel und am Schluss stehende Ovationen entlockte. Mehrere Zugaben folgten.

»Heimat« lautet das aktuelle Programm der Vier, die aus unterschiedlichen Ländern kommen und sich daher mit der eigenen Identität auseinandersetzen. »Sind es der Dialekt, vertraute Menschen oder Traditionen, die Heimatgefühl vermitteln?«, fragten die Musikerinnen und betonten in einem Chanson »Der Mensch muss eine Heimat haben«. Wie bei allen anderen Stücken stammte das Arrangement von Ensemblegründerin Angelika Bachmann. Wehmut lag in der Stimme von Mariya Filippova, die aus der Ukraine stammt. »Ich muss gerade um meine Heimat bangen«, sagte sie.

Mit brennendem Bogen

Und dann ging es auf die Suche durch Länder, Musikstile und Jahrhunderte. Temperamentvoll, enthusiastisch, entfesselt und, als Showeffekt, mit brennendem Bogen. Nicht geplant war, dass sich auch eine strapazierte Geigensaite verabschiedete und blitzschnell neu aufgezogen wurde. Nach dem Folklorestück »Hora bulgaria« spielte das Quartett auch beim »Totentanz« von Camille Saint-Saëns wie der Teufel. So viel Leidenschaft und Lebendigkeit gefielen dem Publikum, das mitklatschte, wann immer es konnte.

Weiter ging es nach Argentinien mit »Adiós nonino« von Astor Piazzolla und zum »Boléro« von Maurice Ravel, bei dem Handpuppe »Oskar« ins Spiel kam. Sie führte den Cellobogen und leitete über zu einem furiosen Spiel, bei dem das gesamte Quartett das Cello streicht, zupft oder darauf den Takt schlägt. »La tendresse« erklang in einer Neufassung von Bachmann: »Man kann ohne Reichtum leben, aber nicht ohne Zärtlichkeit«, besagt der französische Text. Ist das der Inbegriff von Heimat? Das Quartett wechselt die Showrobe, die Instrumente (Tin Whistle, Singende Säge, Handpan) und die Sprachen. Eine finnische Polka, eine Ouvertüre über hebräische Themen, »I Got Rythm«, »Irish Eyes« und der »Türkische Marsch« von Mozart. »Klingt gar nicht türkisch!«, finden die Vier und modifizieren das Stück mal eben durch Halbtöne.

Und was ist nun Heimat? »Es ist die Musik, die man in sich trägt und überallhin mitnimmt«, lautete das Fazit. (GEA)