ROM. Seit über drei Jahrzehnten ist Nek (bürgerlich Filippo Neviani) eine feste Größe der italienischen Popmusik. Hits wie »Laura non c’è« oder »Fatti avanti amore« begeistern ein internationales Publikum. Im Interview erzählt der 53-jährige Sänger von seiner Karriere, der Entwicklung der Musikindustrie und der Magie seiner Live-Auftritte.GEA: Sie sind seit über 30 Jahren erfolgreich im Musikgeschäft. Wenn Sie auf Ihre Anfänge zurückblicken – was hat sich am meisten verändert?
Nek: Aus Sicht der Musikindustrie hat sich in den letzten 30 Jahren wirklich alles verändert – die Art, wie Musik gemacht, verbreitet und gehört wird. Aber bei meinen Live-Auftritten ist es anders: Ich bereite mich heute genauso vor wie früher, mit derselben Energie, demselben Enthusiasmus und derselben Freude, echte Emotionen mit meinem Publikum zu teilen. Zum Glück hat sich daran nichts geändert.
Sie spielen im April nur ein Konzert in Deutschland – in Stuttgart. Haben Sie eine besondere Verbindung zu der Stadt?
Nek: Ich war schon viel zu lange nicht mehr in Deutschland – einem Land, das mich immer mit großer Zuneigung empfangen hat. Ich habe keine spezielle Verbindung zu Stuttgart, aber ich freue mich darauf, die Stadt zu entdecken, durch ihre Straßen zu spazieren und sie kennenzulernen.
Ihre aktuelle Tour ist eine musikalische Reise durch drei Jahrzehnte. Wie fühlt es sich an, Hits wie »Laura non c’è« oder »Fatti avanti amore« live zu singen?
Nek: Viele denken vielleicht, dass es langweilig wird, dieselben Songs immer wieder zu singen. Aber das ist überhaupt nicht so – besonders bei den großen Hits. Diese Songs lösen beim Publikum die stärksten Emotionen aus, und diese Energie kehrt zu dir zurück. Das macht jeden Abend einzigartig.
Gibt es ein Lied, das für Sie im Laufe der Zeit eine neue Bedeutung bekommen hat?
Nek: Ja, mehrere sogar. Zum Beispiel »E da qui« von 2010. Es geht darin um die Freude an kleinen Gesten und den Dingen des Alltags – um das, was dich als Mensch ausmacht. Mit den Jahren wächst dieses Gefühl nur noch: Alles verändert sich, aber die Werte bleiben.
Viele Ihrer Fans begleiten Sie seit den 1990er-Jahren. Wie hat sich Ihr Publikum verändert?
Nek: Ich sehe heute oft Gesichter, die mich schon als Jugendliche gehört haben – und ich war damals selbst noch jung. Wir sind gemeinsam erwachsen geworden, mit vielen verbindet mich inzwischen mehr als nur die klassische Künstler-Fan-Beziehung. Früher bekam ich Plüschtiere und Süßigkeiten geschenkt – heute bringen sie mir ihre Kinder mit. Das ist wunderschön.
2025 erschien Ihre gesamte Diskografie als spezielle »Crystal Vinyl«-Edition. Was bedeutet Ihnen dieses Projekt persönlich?
Nek: Sehr viel. Zu jeder Neuveröffentlichung haben wir eine Webserie produziert, die Geschichten und Anekdoten zu den Alben erzählt. Das war für mich eine wunderbare Zeitreise. Außerdem hatte ich viele meiner alten Vinyls gar nicht mehr – sie sind bei Umzügen verloren gegangen. Jetzt habe ich sie endlich wieder! Es war schön, 30 Jahre Karriere – und Leben – Revue passieren zu lassen.
Sie singen von Liebe, Sehnsucht, innerer Stärke. Wie gelingt es Ihnen, diese Themen immer wieder neu zu erzählen?
Nek: Ich glaube, es gibt kein »Rezept«, um Geschichten in Musik zu verwandeln. Man lässt sich inspirieren – vom Leben, von Menschen, von dem, was man sieht und fühlt. Und manchmal kommt die Inspiration einfach nicht, dann lebt man weiter und wartet, bis sie zurückkehrt.
Ihr Jubiläumsalbum »5030« feierte Ihren 50. Geburtstag und 30 Jahre Karriere. Was hat Sie in dieser Zeit am meisten geprägt?
Nek: Definitiv meine Reisen und die Menschen, die ich auf meinem Weg getroffen habe. Der Austausch mit anderen Kulturen hat mich bereichert – und ich habe versucht, all das Gelernte mit nach Hause zu bringen.
Wenn Sie kein Musiker wären – was würden Sie machen?
Nek: Ich wäre Landwirt. Eigentlich bin ich es ja noch! Ich bin in einer kleinen Ortschaft nahe des Apennins geboren und lebe noch immer dort. Wann immer ich kann, ziehe ich mich in mein Haus in den Bergen zurück und arbeite selbst auf dem Land. Das erdet mich.
Sie sind auch als TV-Moderator erfolgreich, zuletzt mit »Dalla Strada al Palco« (Von der Straße auf die Bühne, d. Red.). Was reizt Sie daran?
Nek: Ich liebe Herausforderungen und lerne gern Neues. Fernsehen kam eher zufällig in mein Leben, als ich eine Sonderausgabe der Italian Music Awards moderieren sollte. Seitdem macht es mir großen Spaß. Ab diesem Jahr übernehme ich sogar eine neue Rolle – als Juror bei »The Voice«.
In Ihrer Youtube-Serie »Nek Hits« führen Sie die Fans durch Ihre Karriere. Ist Ihnen der digitale Kontakt zum Publikum wichtig?
Nek: Zu Beginn meiner Karriere bekam ich noch Säcke voller Briefe. Ich habe immer versucht, zumindest einen Teil dieser Liebe zurückzugeben. Mit dem digitalen Wandel musste ich, wie alle, eine neue Sprache lernen. Heute nutze ich soziale Medien bewusst und in einem gesunden Maß. Sie sind ein großartiges Werkzeug, um mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben.
Wie sehen Sie die heutige Musikszene im Hinblick auf Streaming?
Nek: Das ist ein schwieriges Thema. Im Streaming-Zeitalter erscheinen jede Woche Tausende neue Songs – da ist es schwer, überhaupt noch von »Karrieren« zu sprechen. Echtes Talent zu erkennen, ist kompliziert, aber es existiert. Viele junge Künstler verdienen es, gehört zu werden. Am Ende zählt vor allem Ehrlichkeit – sie ist das Einzige, was auf Dauer Bestand hat.
Dürfen sich Ihre Fans auf neue Projekte freuen?
Nek: Auf jeden Fall. Die vergangenen zwei Jahre habe ich meinem bisherigen Repertoire gewidmet – das war sehr erfüllend. Nach der Tour werde ich mir Zeit nehmen, meine Ideen und Notizen zu sortieren, an neuen Melodien zu feilen. Ich hoffe, dass daraus etwas Gutes entsteht. (GEA)
Live: 9. April Liederhalle Stuttgart

