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Der Teufel rockt im Dialekt: Die Bredelers im Reutlinger Pappelgarten

Sie kommen aus dem Elsass, sie können rocken. Die Bredelers singen im Dialekt ihrer Heimat dunkle Lieder und begeisterten im Reutlinger Pappelgarten.

Shoko Bred, der Chef der Bredelers, im Pappelgarten.
Shoko Bred, der Chef der Bredelers, im Pappelgarten. Foto: Thomas Morawitzky
Shoko Bred, der Chef der Bredelers, im Pappelgarten.
Foto: Thomas Morawitzky

REUTLINGEN. Das könnte ja fast schon Deutsch, könnte fast schon Schwäbisch sein. »Leid«, singt Shoko Bred, Sänger, Bassist und Seele der Bredelers, am Montagabend im Reutlinger Pappelgarten. »Ùf dëre Welt ìsch nùmme Leid / Ìch hàb mich dràn gewehnt / àn d’Leid.« Doch halt. Hat er sich ans Leiden gewöhnt oder an die Leute? Und in welcher Sprache singt er überhaupt? Kommt das aus dem Mittelalter?

Nein, es kommt aus dem Elsass. Die Bredelers sind angereist, für nur ein Konzert, aus Straßburg und Nancy, um im Pappelgarten ihr fünftes Album vorzustellen. »Deifel’s Peel« heißt es. Der Titel klingt, als ob der Schwabe flucht. Der Leibhaftige heißt hier wie dort genauso, und da die Bredelers sich schwerer Rockmusik verschrieben haben, Punk und Metal, singen sie natürlich auch von ihm. »Deifel’s Peel« meint aber das Teufelsspiel, das berühmte Tarot, das sie zum Thema ihres Albums gemacht haben. Auf dem Cover sitzt, in hübscher schwarzhumoriger Zeichnung, der Gehörnte, der Karten und mit der Weltkugel spielt, seine ledernen Schwingen ausbreitet. Jedes Lied des Albums, so erfährt man, widmet sich einer anderen der finsteren Emotionen, die im Menschen manchmal aufsteigen – nur das letzte heißt, da auch Erlösung sein muss, »Gott sei dànk«.

Professionelle Szene

Die Bredelers, das weiß Tobias Festl, Wirt im Pappelgarten, leben von ihrer Musik und spielen nahezu ausschließlich eigene Stücke – alles Merkmale, die sie von vielen deutschen Bands abheben. Sie gehören einer Szene an, die gut miteinander bekannt ist – und kamen so auch nach Reutlingen: Durch Vermittlung der Rockmusikerin Amy Montgomery, die im Pappelgarten Konzerte gibt vor immer größerem Publikum, auch durch Vermittlung einer anderen französischen Band, Hoboken Division, die Tobias Festl bei einem Festival in Filderstadt erlebte.

Und wie man es von echten Vollblutmusikern erwarten darf: Sie geben Gas. Und sie wandern durch viele hart rockenden Stile. Das klingt elegisch bis infernalisch, mit einem Gitarrensound der druckvoll aufsteigt, mit einem Schlagzeug, das ein kraftvoll donnerndes Gerüst aufbaut, mit schnell gesetzten, flatternden Schlägen. Shoko Bred (vielleicht heißt er ja wirklich so?) schwitzt und singt frenetisch, grollt mit tiefer Stimme, wirft Melodien ins knisternde Metallfeuer, schlägt raubeinig den Bass an, wird niemals müde, sprüht vor Energie und schaut wild ins Publikum.

Die Bredelers haben sich vor 20 Jahren gegründet und bestehen aus Shoko Bred, Gitarrist Jérémy Bares, Schlagzeuger Gaël Souvay und, an anderen Tagen, dem Rhythmusgitarristen Robert Boucher. Der jedoch verletzte sich an der Hand. Sebastian Kohler, noch ein Gitarrist aus dem Elsass, sprang sehr kurzfristig ein, tritt an diesem Abend zum ersten Mal auf mit der Band – was gänzlich unbemerkt bliebe, würde die Band ein Geheimnis daraus machen. Ihre Musik klingt ausgefeilt und sehr gekonnt – und sie lockt im Laufe des Abends immer mehr Gäste in den Pappelgarten. Die Bredelers waren schon in vielen großen und kleinen Städten Deutschlands unterwegs, ihr Ziel ist es, das rockende Elsass in Deutschland bekannter zu machen.

Was ist ein Bombomstànd?

Sie spielen im Pappelgarten Songs ihres neuen Albums, und wenige ältere. Zum Beispiel den »Bombomstànd« (»Mini mini Màma het a Bombomstànd, A Bombomstànd, a Bombomstànd«). Das, sagt Shoko Bred, sei ein Lied, das im Elsass jeder kenne. Das Internet gibt die Auskunft, es handele von einer Frau, die einen »Bonbonstand« habe, der Sänger, der bestimmt die besseren Quellen hat, sagt, es handele von einer Frau, die hochschwanger sei, und davon, wie sie es wurde.

Der Name der Band, wer hätte das gedacht, könnte schon wieder fast Deutsch, fast Schwäbisch sein. Was heißt »Bredelers«? Shoko Bred verrät es: Brötchen sind gemeint, Weihnachtsgebäck. »Kensch die au?«, sagt er. (GEA)