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Das franz.K in Reutlingen hat auch die Familien im Blick

Das Thema Familie spielt im Soziokulturzentrum franz.K eine große Rolle, ob aktiv oder als Publikum.

Familienangebote sind beim franz.K Reutlingen keine bloßen Seifenblasen
Familienangebote sind beim franz.K keine bloßen Seifenblasen: Hier ein Clowns-Programm beim Inter:Komm!-Festival. FOTO: FRANZ.K
Familienangebote sind beim franz.K keine bloßen Seifenblasen: Hier ein Clowns-Programm beim Inter:Komm!-Festival. FOTO: FRANZ.K

REUTLINGEN. Woran denkt man bei einem Soziokulturzentrum? An Konzerte, Pop- und Rock, Kleinkunst, Jazz. An Festivals auch, Lesungen, Politisches. An Familie? Eher nicht. Und doch spielt das Thema Familie am franz.K eine große Rolle. In fast allen Sparten hat man Kinder, Jugendliche, Familien im Blick. Mit speziellen Angeboten – aber auch mit dem Angebot, selbst mitzugestalten.

Als Soziokulturzentrum trägt man die Sensibilität für Soziales ja sogar im Namen. Dass viele ihrer Besucher auch Teil einer Familie sind, von den Kindern gar nicht zu reden, dessen ist man sich am franz.K natürlich sehr bewusst.

Dazu kommt: Das Kulturpublikum wächst nicht auf den Bäumen. Auch die Soziokultur muss sich ihren Nachwuchs aktiv erarbeiten. Oder wie Sarah Petrasch, die Pressereferentin des franz.K, es ausdrückt: »Wer schon als Kind oder Jugendlicher zur Kultur geht, tut es auch als Erwachsener.«

Ergo bietet das franz.K Programm bereits für die ganz Kleinen – wie etwa kürzlich beim Kindertheaterfestival »Von klein auf«, wo sogar Minis ab einem Jahr Bühnenkunst bekamen. Von ihnen aufwärts hat man Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien im Blick.

Mitarbeit im Trägerverein

Gerne hat man am franz.K gerade die jüngere Generation auch aktiv gestaltend dabei. Im franz.K-Trägerverein etwa können Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kostenlos mitmachen. Hier kann man sich in Arbeitskreisen einbringen oder bei Veranstaltungen mit anpacken.

Aber gerade für dieses aktive Mitgestalten Jugendliche zu begeistern, sei nicht leicht, räumt Petrasch ein. Da seien die Erfahrungen am franz.K ähnlich wie die bei den KuRT-Machern oder bei den Jugendgemeinderäten in der Region. Die Jugendlichen, sagt Petrasch, sähen sich mit einem enormen Spektrum an Möglichkeiten konfrontiert – »sich da für etwas zu entscheiden, ist oft nicht leicht«.

Was am franz.K in dieser Hinsicht gut läuft, ist das Projekt »TALK«, in dem Jugendliche über Rap-Songs und Breakdance-Choreografien Themen wie Ausgrenzung und Rassismus thematisieren. Das Projekt läuft seit Jahren mit großem Erfolg. Am 2. Juli wirken die Jugendlichen im Echaz-Hafen mit der Württembergischen Philharmonie zusammen. Weit problemloser ist es jedenfalls, Kinder, Jugendliche und ganze Familien als Publikum anzusprechen. Ein ganzes Genre hat sich da in den letzten paar Jahren neu aufgetan in Form von Rock-Pop-Konzerten speziell für die Kleinen – und natürlich ihre Eltern, ohne die das Ganze von vornherein nicht machbar wäre.

Ein Genre mit eigenen Stars. Etwa die Band TöFs Rappelkiste, die beim Familiennachmittag diesen Sonntag zum Abschluss des Inter:Komm!-Festivals auftritt. Oder Bummelkasten, die eben von 3. Juli auf 18. September verschoben wurden – dafür hatte man über 600 Karten verkauft. Mancher Künstler, der vor Erwachsenen auftritt, kann davon nur träumen.

FAMILIENNACHMITTAG

Das nächste Familienevent des franz.K ist der »bunte Sonntag« diesen Sonntag, 29. Mai, als Abschluss des Inter:Komm!-Weltmusikfestivals im Echaz-Hafen. Ab 14 Uhr spielen Bands der Kulturwerkstatt, ab 15.30 Uhr lädt Clown Flanelli zur Quatscholympiade, um 16.15 und 18.20 Uhr gibt es Tanzaufführungen von Dialog e.V., um 17 Uhr spielt die Band TöFs Rappelkiste. Zudem gibt es Mitmachangebote von Görls e.V. und Dialog e.V. Ende um 18.40 Uhr. www.franzk.net

Die Zeiten, als fast nur Liedermacher vor Kindern Musik machten, wie Fredrik Vahle, Detlev Jöcker oder Rolf Zuckowski, sind vorbei. Die Kids wollen abrocken wie Mami und Papi. Sogar der Hip-Hop hat die Minis als Zielgruppe entdeckt: Rapperin Sookee führt das am 7. August im Echaz-Hafen vor. Weil ihr der Rap für Erwachsene zu kommerziell wurde, macht sie als Sukini nun Hip-Hop für Kleine.

Am liebsten nimmt man am franz.K jedoch Familien generationenübergreifend in den Blick. Etwa mit der interkulturellen Jamsession »Easy Sunday«, die seit etlichen Jahren einmal im Monat Abdoulie Sarr organisiert. Oder beim bereits erwähnten, schon traditionellen Abschlussnachmittag des Weltmusik-Festivals »Inter:Komm!«, das dieses Wochenende am franz.K läuft (siehe Infobox).

Auch in anderen Formaten mischen sich zwanglos die Generationen. Beim Hip-Hop-Jam »Urban Colors« etwa gibt es Breakdance-Battles für Männer, Frauen und Kinder. Auf dem Gelände sind Sprayer zugange, man kann den Breakdancern bei ihren Kunststücken zuschauen, den Rappern bei ihren Battles – auch das hat den Charakter eines Familienfests.

Von der ganzen Familie genutzt werden auch die Cirque-Nouveau-Shows der »Hyrrä«-Reihe – diesmal im September unter dem Titel »Hyrrä paratiisi« vom 16. bis 18. September.

Schließlich gibt es Programm, das sich gezielt an Kinder oder Jugendliche richtet. Das Festival »Von klein auf« für Minis wurde bereits erwähnt. Dazu kommen Aufführungen der Theater Patati-Patata und Sturmvogel sowie Jochen Weebers musikalische Lesungen aus seinem Buch »Gisbert, die Giraffe«, die das Thema Mobbing aufgreifen. Auch ein eigenes Kinderfestival hat Weeber angedacht, es ist aber noch nicht in trockenen Tüchern, was die notwendigen Zuschüsse betrifft.

Breakdance und Poetry

Immer wieder werden Kinder und Jugendliche auch selbst aktiv am franz.K. Sei es beim Breakdance-Battle von »Urban Colors«, sei es als junge Poetry Slammer in Jochen Weebers Reihe »Poesie und Pommes«. Die etwas älteren Jugendlichen rocken vielleicht schon beim »Represent«-Festival – in einem Feld mit den Urgesteinen von Shove it oder den Stagediving Elephants. Dieses Aktivwerden der jungen Generation, davon hätte das franz.K, hätte Sarah Petrasch gerne mehr. Aber da hat die Sache dann auch ihre Grenzen: »Wir sind kein Jugendhaus und kein Kinderhaus«, betont Petrasch. Eine Betreuungskapazität wie in solchen Einrichtungen oder auch wie in der Kulturwerkstatt im Haus der Jugend gebe die personelle Besetzung am franz.K einfach nicht her.

Der Anspruch sei dennoch, alle Altersgruppen abzuholen, Barrieren abzubauen. Wenn man in Zukunft eine lebendige Kulturszene haben will, gilt es, schon heute die Jungen und Jüngsten zu begeistern. Und nicht aus dem Blick zu verlieren, dass große und kleine Kulturfans oft Teil einer Familie sind. (GEA)