REUTLINGEN. Es gibt Ausstellungen, die fokussieren auf ein Thema – und solche, die wollen die ganze Bandbreite zeigen. Die aktuelle Schau des Photoclub Reutlingen im Haus der VHS gehört zur zweiten Sorte. Was schon der Titel klarstellt: »bildreich – fotografische Vielfalt, die begeistert«.
Einmal rings um den Lichthof im ersten Obergeschoss ziehen sich die Arbeiten. Dabei bekommt man die wichtigsten Genres der Fotografie vorgeführt, wenn auch nicht vollständig. Die Sportfotografie ist nur durch ein antikes Wagenrennen à la »Ben Hur« von Eddy Zanger vertreten. Die Aktfotografie fehlt, die Beauty-Fotografie beschränkt sich auf eine in zarte Grautöne getauchte Ballerina von Monika Egerer.
Achterbahn und Stachelmonster
Die Action-Fotografie kommt mit einem haarewehenden Achterbahn-Foto von Helmar Bischoff zum Zug. Die Tierfotografie ist großes Thema. Mit Nashörnern von Monika Bauer oder einem Schaf von Handojo Tanojo beide in klassischem Schwarz-Weiß. In erhabener Majestät thront der Löwe von Rainer Otto. Großartig Erich Schlotterbecks »Stachelmonster« in Gestalt einer Fliege, Beispiel für die Makrofotografie.
Zweites großes Thema sind Landschaften, voller Magie eingefangen. Eine Kiefer im Schnee, Winterlandschaften, Waldeinsamkeit wie bei Caspar David Friedrich. Die Gütersteiner Wasserfälle macht Eberhard Gruner zur grünbemoosten Märchenwelt. Monika Egerers »Morgenstimmung« holt uns in eine mythische Kraterlandschaft.
Orientalisches Säulenspiel
Architektur ist das dritte große Thema. Mit Hans Wucherers Studie aus Valencia. Dem orientalischen Säulenspiel von Monika Egerer. Oder dem Rutschturm, den Horst Hirning wie Tentakel eines Riesenkraken in Szene setzt. Gegenstück zur Ästhetik der Gebäude ist die Gesellschaftsfotografie. Mit Rolf W. Stolls Momentaufnahmen aus dem Amerika der modernen Cowboys. Anna Kiwitts Blick in einen Szenetreffpunkt junger Leute. Mädchen beim entspannten Abhängen, von Elisabeth Schmidt festgehalten. All das oft durch grafisches Schwarz-Weiß in eine zeitlose Sphäre entrückt.
Schließlich Fotografie als abstrakte Kunst. Monika Bauer führt mit einem Eimer blauer Farbe, Pinsel und knallgelbem Hintergrund in die Pop-Art. Auch Roland Rieker mag es geometrisch-abstrakt mit seinen Edelstahlhandläufen. Und Helmut Kober macht aus der Wilhelmstraße ein impressionistisches Kunstwerk im Stile William Turners. Zugänglich ist die Ausstellung bis 18. Dezember zu den üblichen Öffnungszeiten der VHS. (GEA)

