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Aktuell Krimi-Lesung

Blues und Windräder: Wolfgang Schorlau und Werner Dannemann in Neuhausen

Wolfgang Schorlau hat einen Kriminalroman zur Energiewende im Schwarzwald geschrieben und kam nach Neuhausen, um aus ihm zu lesen. Dank Werner Dannemann ist auch musikalisch die Windstärke hoch.

Der Blues und das Verbrechen: Werner Dannemann und Wolfgang Schorlau
Der Blues und das Verbrechen: Werner Dannemann und Wolfgang Schorlau Foto: Thomas Morawitzky
Der Blues und das Verbrechen: Werner Dannemann und Wolfgang Schorlau
Foto: Thomas Morawitzky

METZINGEN-NEUHAUSEN. Der wohlbekannte Privatermittler Georg Dengler hat Familie, eine Mutter zumindest. Sie wohnt in Altglashütten, einem Dorf im nördlichen Schwarzwald, und sieht Gespenster – das vermutet die Polizei, bei der sie sich mehrmals meldet. Also macht der Sohn sich auf, um im Schwarzwald nach dem Rechten zu sehen. Er findet die Mutter hellwach und kein bisschen senil, alsbald aber im Krankenhaus: Denn die vermeintlichen Gespenster erweisen sich als überaus materiell und aggressiv. »Black Forest« ist der elfte Band, den Wolfgang Schorlau, Kriminalerfolgsautor aus Stuttgart, um den Ermittler Dengler schrieb. Am Samstag las Schorlau im Bindhof Neuhausen und brachte Musik mit: Werner Dannemann spielte vor und nach der Lesung Gitarre und sang, manchmal begleitet von je einem weiteren Instrument.

»Black Forest« unterscheidet sich von Wolfgang Schorlaus bisherigen Dengler-Romanen: Dieses Mal erzählt Georg Dengler selbst, das Buch ist in der ersten Person geschrieben. Der Grund? Schorlau war, als er die Arbeit begann, nicht zufrieden mit den Szenen, die sich zwischen Mutter und Sohn abspielen. Sie gerieten ihm zu hölzern, sagt er, und mehrere Versuche, sie neu zu fassen brachten keine Besserung – bis er Dengler zum Erzähler machte: Plötzlich begann die Beziehung zwischen beiden Figuren zu leben.

Im alemannischen Dialekt

Dazu trug auch bei, dass der Autor die Mutter nun in einem »harten alemannischen Dialekt« sprechen lässt. Schorlau spricht diesen Dialekt nicht. Bei früheren Lesungen griff er auf die Hilfe von Gastsprecherinnen zurück. In Neuhausen liest er selbst und versucht sich, vor einem erfreuten Publikum, im possierlich-resoluten Südbadisch der Denglermutter. Skurrile und anrührende Szenen folgen, wenn Mutter und Sohn sich ins Gespräch vertiefen.

In der Kriminalhandlung des Buches geht es um die Windkraft, um mögliche Windräder auf dem Feldberg, und um Kräfte, die sie verhindern wollen, namentlich Stefan C. Crommschröder, Manager ohne Skrupel, den Schorlau schon in seinem Roman »Fremde Wasser« auftreten ließ. Und den er mit satter Ironie beschreibt: »Er ist schon ein cleverer Kerl.« Leute, die seinem Konzern Umsätze ersparen, mag der nette Kerl gar nicht.

Und wo ist die Leiche?

Wolfgang Schorlau liest locker und sehr humorvoll, aber eines enthält er seinem Publikum vor: die Leiche. Irgendwo im Buch muss sie versteckt sein, denn der Autor erzählte ja eben noch davon, wie er sich vor Ort am Feldberg nach Mordschauplätzen umsah. Die Zuhörer werden zu Lesern werden müssen, um sie zu finden. Wolfgang Schorlau derweil begeistert sich nicht nur für Politik und Verbrechen, er schätzt auch den Blues, die Rockmusik – das freut Werner Dannemann, denn deshalb darf er Schorlaus Lesungen begleiten.

Dannemann spielt famos eigene und fremde Stücke auf der Gitarre – von J. J. Cale, den Rolling Stones, Bob Dylan – und wird bald schon unterstützt von Harry von Schild, der auf dem Flügelhorn glänzt. Ganz am Ende des Abends dann tritt Dannemann mit einem anderen Begleiter auf die Bühne: Wolfgang Schorlau packt seine Mundharmonika aus, lässt die Blues Harp heulen zu den klirrenden Gitarrensaiten. Denn ja: Die Welt mag ein Jammertal sein, voll von skrupellosen Atomkraftlobbyisten – aber der Kriminalroman, der alles ein wenig zurechtrückt, und die Musik dazu sind ein Trost. (GEA)