REUTLINGEN. Ob sich die geballte Druckgrafik-Präsenz in der Spendhausstraße dem Zufall verdankt? Oder steckt ein Plan dahinter? Jedenfalls zeigt die Radierwerkstatt gerade ihre Arbeiten in der Stadtbibliothek – und die Lithografie-Werkstatt wenige Meter weiter in der Volkshochschule, ganz oben im 3. Obergeschoss. Zu sehen bis 19. Dezember, Montag bis Freitag 8 bis 20 Uhr, Samstag 8 bis 13 Uhr.
Die Ausstellung ist eine gute Möglichkeit, beide Drucktechniken zu vergleichen. Auf den ersten Blick sind aquarellartige Farbflächen mit der Lithografie einfacher zu machen. Tatsächlich entlockt Tobias Rohrbach der Technik in seinen Mandarinen-Stillleben und Baumstudien impressionistische Qualitäten.
Fröhlich-Verspieltes
Viele andere Bilder jedoch setzen auf das markante Linienspiel, wie man es auch aus der Radierung kennt. Und so findet sich ähnlich wie bei der Radierwerkstatt eine Vielfalt stilistischer Ansätze. Ulrike Franz ist dabei auf der ornamentalen Seite. Auf ihren Blättern wirbeln Spiralen, kräuseln sich Schriftzeichen. Sie feiert das Spielerische, auch das konkrete (Fußball-)Spiel. Montiert verschiedene Motive zu fröhlichen Patchworks. Nah ist ihr Anna Kächele mit ihren beschwingten Schriftzeichen über der Katzensilhouette.
Kontrast dazu sind die eindringlichen Darstellungen von Karin Lengerer-Schaefer. Geflüchtete, ein expressionistisches Selbstporträt, Figurenstudien, dicht und ausdrucksstark. Oder gruselig-surreal wie ihre im Netz lauernde »Spinnenfrau«. Ähnlich konzentriert sind die Blätter von Gisela Ronke. Sie zoomt ganz nah an Wurzelwerk heran, treibt es in hartem Schwarz-Weiß in Richtung Abstraktion. In anderen Arbeiten von ihr löst sich die Gegenständlichkeit vollends auf. Ein Phänomen, das man auch in Linienstrudeln von Tobias Rohrbach findet.
Realistisch gezeichnet
Das Gegenstück dazu sind die realistischen Zeichnungen von Dietrich Hörz und Anna Kächele. Bei Hörz eine Alblandschaft und technische Objekte, zeichnerisch puristisch-reduziert aufgefasst. Bei Kächele eine Winternachtslandschaft, atmosphärisch, poetisch.
Auf völlig andere Weise gegenständlich arbeitet Matthias Thumm. Ob Bienen auf einer Blüte, Vögel vor einem Sonnenaufgang: Es sind eher zeichenhafte Symbole,d ie man sieht. Auch wenn Menschen auftauchen, wie sein »Physiker«, hat das bei ihm etwas Comichaftes. Doch auch bei ihm gibt es eine Tendenz zur Abstraktion. Sein »Strudel« schließt an die Linienwirbel von Tobias Rohrbach an. (GEA)



