REUTLINGEN. Mit einem, zwei oder vier Jahren ins Theater gehen? Warum nicht, haben sich die Mitglieder des Tübinger Vereins »von klein AUF« gedacht, die nun schon zum dritten Mal das »Von klein AUF Festival« veranstalten. Zum ersten Mal in Reutlingen, wo das franz.K als Kooperationspartner, der die Räume zur Verfügung stellt, mit im Boot ist.
Sie hätten sich gefreut, als der Verein mit diesem Ansinnen auf sie zugekommen sei, sagt Sarah Petrasch vom franz.K. »Wir sind als soziokulturelles Zentrum immer daran interessiert, barrierefreie Zugänge zu Kunst und Kultur anzubieten.« Wenn Kinder früh spielerisch an Kultur herangeführt würden und das mit positiven Erinnerungen verknüpften, hätten sie auch später weniger Scheu, sich mit Kultur auseinanderzusetzen, so Petrasch .
Acht Stücke bringt der Verein zur Förderung frühkindlicher Kunsterlebnisse zwischen 29. März und 3. April im franz.K auf die Bühne. Das Festival selbst dauert vom 25. März bis zum 3. April. In dieser Zeit zeigt der Verein vier Produktionen von Tübinger und Stuttgarter Künstlern auch in Stadtteiltreffs und Kindertagesstätten in Stadt und Kreis Tübingen.
Zum Festival gehören außerdem eine Online-Vortragsreihe sowie Workshops für Erwachsene im Reutlinger Theaterpädagogik-Zentrum (TPZ) und im Atelier Gobelin im Künstlerhof Rottenburg, wie die Festivalleiterinnen Anna Rosenfelder und Cinira Macedo erklären. Rosenfelder ist Figurenspielerin, Kulturproduzentin und -pädagogin, Macedo Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin.
Fremdsein und Verständigung
»Von klein AUF« ist in Tübingen seit 2017 aktiv, seit 2018 als gemeinnützig anerkannter Verein. Die Ein- bis Sechsjährigen seien eine Altersgruppe, die im Kulturbereich sehr oft vergessen werde, sagt Anna Rosenfelder. Indem man mit Krabbelgruppen, Familienzentren und Kindertageseinrichtungen zusammenarbeite, wolle man auch strukturell etwas verändern, »damit Theater für die Kleinsten in der Region selbstverständlich wird«. Eltern gebe man Gelegenheit zur Fortbildung, Künstlerinnen und Künstlern die Chance, sich zu vernetzen.
So bietet der Verein in Rottenburg für Großeltern einen Workshop mit Papier an. »Das ist das Hauptmaterial bei diesem Festival«, erklärt Macedo. Und Rosenfelder ergänzt: »Papier ist ein Material, das uns anspricht, weil es auch für Kinder allgegenwärtig ist und dazu anregt, nach dem Theatererlebnis selbst zu spielen und künstlerisch tätig zu werden.«
Theater und Tanz »aus Tübingen, aus der Region und auch deutschlandweit« werde beim Herzstück des Festivals im franz.K gezeigt, so die Leiterinnen. Man habe vor allem Figurenspielerinnen und -spieler eingeladen.
Im sogenannten »Papierstück« für Kinder ab einem Jahr wagt sich die Kölner Choreografin Barbara Fuchs mit der Tänzerin Sonia Mota und dem Komponisten Jörg Ritzenhoff hinein in den Papier-Dschungel. Um die mit dem Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis der SK Stiftung Kultur ausgezeichnete Produktion einladen zu können, erhalte man Fördermittel aus dem Nationalen Performance-Netz, so Cinira Macedo. Das Festival selbst wird von den Städten Reutlingen und Tübingen, von Bund und Land, vom Bundesverband Soziokultur und dem Verband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg gefördert. Aus Berlin ist das Theater Couturier mit »Klangfäden« für Kinder ab zwei Jahren dabei. Martina Couturier arbeitet in dem Stück mit der Jazzsängerin Mette Nadja Hansen zusammen. Angekündigt ist ein »magisches Theaterkonzert für Augen und Ohren«, bei dem schwingende Fäden zum Einsatz kommen.
Stücke für Zuschauer ab drei Jahren sind »Pappelapapp« – ein Bilderreigen mit Pappkartons des Berliner Figurentheaters Amai – und »Märchenbastelei« von und mit Silke Saracoglu und Lucas Glück, die als Fräulein Blume und Herr Unkraut den Frühjahrsputz nutzen, um in die Märchenwelt einzutauchen.
Stücke ab vier sind das witzige und nachdenklich machende Spiel von Handfiguren, Gebärden und Klängen »Dumpu Dinki« des Figurentheaters Anne-Kathrin Klatt über das Fremdsein und die Verständigung und »Ab geht die Post!« (Figurentheater Kumulus), in dem die Clownin Lametta entdeckt, wie schön es doch ist, Briefträgerin zu sein. Mit »Die Mondtücher« bringt das Theater Papilio eine »Theaterminiatur aus Papier, Wort und Mondenschein« für Menschen ab fünf nach einem Märchen von F. K. Wächter auf die Bühne. Ebenfalls für diese Altersgruppe konzipiert ist »Vorbei am Mondsichelsee« des Figurentheaters Händehoch, ein »Märchen der Seidenstraße«.
Auf der Tübinger Figurentheater-Probebühne (Schlachthausstraße 15) geben das Theater Gobelin und das Theater Papilio am 25. März um 16 Uhr Einblicke in den Probenprozess für das Stück »PapierRollen« für Kinder ab drei, das am 13. Mai dort Premiere feiert.
Das »Von klein AUF Festival« sei das einzige Theaterfestival für Kinder von eins bis sechs im Land, erklären die Organisatorinnen. »Unsere Vision ist, dass die Region Tübingen/Reutlingen Leuchtturmwirkung zeigt und wir hier längerfristig Theater und Tanz für die Kleinsten verankern können«, so Anna Rosenfelder.
Keiner der Eltern oder Großeltern müsse Sorge haben, dass sein Kind oder Enkel sich im Theater »unpassend« verhalte. Für viele sei es das allererste Theatererlebnis. »Wir haben gemerkt, dass Kinder ihre Aufmerksamkeit ganz unterschiedlich äußern. Wir Erwachsenen machen das im Theater oft durch Stille. Manche Kinder reagieren dagegen auch körperlich, zeigen ihr Mitgehen, indem sie mal aufstehen, Dinge hereinrufen oder Lautäußerungen machen. Das ist ausdrücklich erlaubt.« (GEA)
»VON KLEIN AUF FESTIVAL« MIT ACHT STÜCKEN IM FRANZ.K
29. März: 10.15 und 16 Uhr: »Ab geht die Post!« (Figurentheater Kumulus), ab 4 Jahre 30. März: 16 Uhr: »Märchenbastelei« (Fräulein Blume und Herr Unkraut), ab 3 31. März: 16 Uhr: »Die Mondtücher« (Theater Papilio), ab 5 1. April: 16 Uhr: »Dumpu Dinki« (Figurentheater Anne-Kathrin Klatt), ab 4 2. April:10 Uhr: »Klangfäden« (Theater Couturier), ab 2; 11.30 und 16.30 Uhr: »Vorbei am Mondsichelsee« (Figurentheater Händehoch), ab 5; 16 Uhr: »Papierstück« (Theater Tanzfuchs Produktion), ab 1 3. April: 10 Uhr: »Papierstück« (Theater Tanzfuchs Produktion) ab 1; 11.30 und 16 Uhr: »Pappelapapp« (Figurentheater Amai), ab 3; 15 Uhr: »Klangfäden« (Theater Couturier), ab 2. (GEA) www.vonkleinauf.org www.franzk.net

