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Aktuell INTERVIEW

Auf Tuchfühlung mit Sauriern

Hollywood-Star Scarlett Johansson über ihre Rolle in »Jurassic World: Die Wiedergeburt«

Foto: nicht angegeben
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BERLIN. Seit sie 2010 erstmals als Marvel-Superheldin Black Widow in »Iron Man 2« auftauchte, hat sich Scarlett Johansson im Kino als Powerfrau etabliert. Dieses Image bedient die 40-Jährige auch in ihrem neuen Film. In »Jurassic World: Die Wiedergeburt« erlebt man sie als Abenteurerin Zora Bennett, die eine geheime Mission auf eine verbotene Insel organisiert, wo einst Experimente mit prähistorischen Urzeitechsen stattgefunden haben.

Tatsächlich handelt es sich bereits um den siebten Teil der Dino-Reihe, die 1993 mit Steven Spielbergs »Jurassic Park« nach dem Roman von Michael Crichton ihren Anfang nahm. Für Scarlett Johansson, die 2003 mit der Tragikomödie »Lost in Translation« berühmt wurde, geht damit ein weiterer Wunsch in Erfüllung, nachdem sie erst im Mai auf den Filmfestspielen in Cannes ihr Regiedebüt »Eleanor the Great« vorstellte. Wir trafen Johansson bei der Deutschlandpremiere von »Jurassic World: Die Wiedergeburt« in Berlin. GEA: Stimmt es, dass es ein Herzenswunsch war, mal in einem »Jurassic World«-Film zu spielen?

Scarlett Johansson: Als ich »Jurassic Park« zum ersten Mal sah, war ich zehn Jahre alt und war völlig überwältigt. Ich bin mir sicher, dass ich auch vorher schon Filme im Kino gesehen habe, aber ich erinnere mich an keinen. Auch danach hatte ich dieses Gänsehaut-Gefühl nur noch bei »Titanic« verspürt. Das sind Filme, die man nie wieder vergisst. Jahrzehntelang träumte ich dann davon, in einem »Jurassic«-Film mitzuspielen. Das ist jetzt wahr geworden.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Johansson: Ich habe immer wieder den Kontakt zu Produzent Frank Marshall gesucht. Als wir dann »Black Widow« in den Londoner Pinewood-Studios drehten, wo auch der neue Film »Jurassic World: Ein neues Zeitalter« vorbereitet wurde, habe ich es geschafft, den Regisseur Colin Trevorrow zu einem Treffen zu überreden. Ich wollte mit ihm über seine Erfahrungen, über die Dreharbeiten und über die Vorbereitungen für den nächsten Film reden. Ich suchte einfach nach Informationen, an denen ich mich festhalten konnte. Ich bin nun mal ein großer Fan.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Saurier?

Johansson: Es ist der Nervenkitzel. Die Vorstellung, unter extremen Bedingungen zu spielen, fand ich aufregend. Da empfinde ich die gleiche morbide Neugier wie bei einem Horrorfilm.

Wie lange würden Sie ein Szenario mit wilden Tieren wie im Film wohl wirklich überleben?

Johansson: Ich? Gar nicht. Ich bin aus Manhattan und finde mich nicht zurecht in naturbelassenen Umgebungen. Der Großstadtdschungel ist mir lieber als zwischen irgendwelchen Insekten herumzulaufen.

Sie haben Angst vor kleinen Tieren?

Johansson: Ich mag keine Kakerlaken, ich hasse sie sogar. Wir drehten auf einer Insel, und mein Zimmer lag gleich neben dem von meinem Schauspielkollegen Mahershala Ali. Sein Bett war von Kakerlaken befallen. Jeden Morgen fragte ich: »Sind sie noch da?« Und er: »Willst du das wirklich wissen.« Und ich schreiend: »Nein, bitte nicht!«

Hat Ihnen das nicht selbst den Schlaf geraubt?

Johansson: Ich hatte Alpträume, obwohl ich jemanden kommen ließ, der mein Zimmer durchsuchte, bevor ich mich zudeckte. Ich schlief in Socken, Hosen, Hemd und Jacke.

Im Film fürchten Sie sich vor nichts. Sie sind seit »The Avengers« auf Actionrollen spezialisiert. Was gefällt Ihnen daran?

Johansson: Meine Figur in »Jurassic World« ist sehr hart und steht auf eigenen Beinen. Ich spiele gern Figuren mit Überzeugungskraft, die vorwärtsgerichtet sind. Dieser Antrieb gefällt mir im Action-Genre. Ich habe die Erfahrung durch die Arbeit an »Jurassic World« sehr genossen und glaube, dass etwas Großartiges dabei herausgekommen ist.

Sehen Sie nur den Spaß an den körperlichen Herausforderungen oder ist es manchmal auch schmerzhaft?

Johansson: Es ist auf jeden Fall schmerzhafter geworden. Ich versuchte früher, so viel wie möglich selbst zu machen. Bis mich Samuel L. Jackson bei Dreharbeiten zu »The Avengers« mal fragte, warum ich mir das antue, weil er mich so kaputt und zerschlagen sah. »Dafür gibt es doch Stuntleute. Du bist Schauspielerin, keine Athletin«, sagte er. Irgendwann habe ich das verstanden und dachte, ich kann diese Figur zusammen mit einer Profisportlerin erschaffen.

Hat das gut funktioniert?

Johansson: Was meine Stuntfrau getan hat, war wirklich wunderbar. Seit ihrem vierten Lebensjahr ist sie Turnerin. Man braucht eine gute Beziehung zu seinem Stuntdouble. Man führt Gespräche, wie wir beide die gleichen Bewegungen ausführen, um schließlich ein und dieselbe Figur zu erschaffen.

Sehen Sie sich selbst gern auf der Leinwand?

Johansson: Es gibt Schauspieler, die sich ihre eigenen Filme nicht ansehen können. Aber mir macht das nichts aus. Manchmal sieht man sich sogar und ist froh, dass die Szene reingekommen ist, obwohl man dachte, sie würde rausfallen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Johansson: Wir haben eine sehr schöne Szene gedreht mit Mahershala und mir im Boot, in der wir die persönlichen Interessen unserer beiden Charaktere besprechen, warum wir an dieser Mission teilnehmen. Ich dachte, Universal wird diese Szene nicht behalten. Es ist zwar eine großartige Szene, aber im Kontext dieses riesigen Films könnte das Publikum dafür keine Geduld aufbringen. Dann siehst du diese Szene im fertigen Film und denkst: »Oh, wie schön, die Szene ist drin geblieben. Was für eine tolle Überraschung.«

Nun haben Sie bei »Eleanor the Great« erstmals selbst Regie geführt. Wie hat das Ihre Sichtweise zur Schauspielerei verändert?

Johansson: Ich weiß jetzt, warum manche Dinge beim Drehen so lange dauern. Geahnt hatte ich das schon immer, aber jetzt weiß ich wirklich, was es heißt, einen ganzen Film verantworten zu müssen. (GEA)

 

»Jurassic World: Die Wiedergeburt«: ab 2. Juli im Kino