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Auf Augenhöhe arbeiten können

REUTLINGEN. Robert Atzlinger, der im Tonne-Sommertheater »Kaspars kurzer Traum vom Glück« eindrucksvoll die Titelrolle des Kasper Hauser spielt, gehört zur freien Szene Stuttgarts. Seit 15 Jahren lebt und arbeitet er dort.

Robert Atzlinger. Foto: Jürgen Meyer
Robert Atzlinger.
Foto: Jürgen Meyer
Aber der Herkunft nach ist er Österreicher, geboren in Wels, wo er auch aufwuchs, die Matura (Abitur) machte und zunächst einen kaufmännischen Berufsweg einschlug. Den Büroalltag ließ er jedoch bald hinter sich, weil er übers Amateurtheater seine Leidenschaft für die Bühne entdeckte und in Linz am Brucknerkonservatorium einen Studienplatz für Schauspiel erhielt, wo er 1993 sein Diplom machte.

In Linz spielte er am Theater des Kindes und am Theater Phönix, dann hatte er feste Engagements in Erfurt, in Wilhelmshaven und für vier Jahre an der Stuttgarter tri-bühne, bevor er sich für das ökonomisch riskante Dasein als freier Künstler entschied. Aber das freie Arbeiten entspreche ihm mehr, versichert er: »Man begegnet sich eher auf Augenhöhe.« Und selber produzieren sei auch drin. Als Koproduktion mit der Figurenspielerin Anne-Kathrin Klatt entwickelt er zurzeit ein Stück über das Teilen. Selbst erarbeitet hat er das mobile, satirische Soloprogramm mit Musik, »Österreich, eine Grenzerfahrung«, mit dem er in Stuttgart bei Loretta auftritt.

Woody Guthrie gespielt

Mit dem Regisseur und Musiker Heiner Kondschak, in dessen Kaspar-Hauser-Singspiel er in Reutlingen noch bis 29. Juli zu erleben ist, arbeitete Robert Atzlinger in der Tournee-Revue »Soko Heimat« von Franz Xaver Ott 2006 erstmals zusammen. Im Jahr darauf engagierte ihn Kondschak als Hauptdarsteller für sein mitreißendes Woody-Guthrie-Freilichtspiel in Tübingen: »Woody!!! Ain't Nobody That Can Sing Like Me«.

»Es ist schön, einen Menschen zu spielen, den es gab«, sagt Robert Atzlinger über seine Kaspar-Hauser-Rolle. Er habe viel aus den Aufzeichnungen von Kaspars Lehrer Daumer gelernt, und gebrochene Figuren interessierten ihn ohnehin am meisten. Übers Körperspiel nähere er sich deren Psyche. Atzlinger: »Das Menschliche wird ja erst dort interessant, wo es weh tut.« (can)