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Ateliergemeinschaft in Wannweil öffnet an zwei Wochenenden ihre Pforten

Barbara Wünsche-Kehle, Ingrid Swoboda, Leonard Staigle, Lisa Voss, Eva Schulz, Beate Hölscher und Ute Kroll.
Im Atelier von Barbara Wünsche-Kehle versammelt (von links): Barbara Wünsche-Kehle, Ingrid Swoboda, Leonard Staigle, Lisa Voss, Eva Schulz, Beate Hölscher und Ute Kroll. Foto: Gabriele Böhm
Im Atelier von Barbara Wünsche-Kehle versammelt (von links): Barbara Wünsche-Kehle, Ingrid Swoboda, Leonard Staigle, Lisa Voss, Eva Schulz, Beate Hölscher und Ute Kroll.
Foto: Gabriele Böhm

WANNWEIL. Gleich an zwei Wochenenden – in dieser und in der kommenden Woche – haben Kunstfreunde die Gelegenheit, die Ateliers in der Alten Spinnerei Wannweil kennenzulernen. Im Juni hatte die Ateliergemeinschaft ihre Werke in der Pfullinger Klosterkirche ausgestellt, jetzt können Besucher in die Atmosphäre der Arbeitsräume eintauchen und mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommen.

Ute Kroll hat bereits seit 2015 ihr Atelier in Wannweil. »Früher habe ich gerne in großen Schwüngen gemalt«, sagt sie. »Doch jetzt liebe ich die Silhouette der Alb.« Mit wenigen Strichen skizziert die Künstlerin markante Stellen wie die Wurmlinger Kapelle, nachdem sie das Motiv vor Ort verinnerlicht hat. »In die Seele geschrieben« nennt sie ihre Serie. Ute Kroll geht es um die Balance, die Gratwanderung zwischen Wiedererkennen und Abstraktion.

Fragmente neu zusammengefügt

Vor vielen Jahren, so sagt Beate Hölscher, habe sie gerne das Papier von Litfaßsäulen gerissen. Heute verwendet sie es in Collagen wie »Der Wal, der Gärtner der Meere«. Im Sinn eines »Upcycling« zerreißt und zerschneidet sie auch alte Bilder und fügt die Fragmente neu zusammen, beispielsweise zu einer Stufenpyramide im »Anubis-Zyklus«. Das großformatige Bild »Afghanistan« zeigt in die Burka gezwungene Frauen als senkrechte blaue Streifen, weggesperrt hinter einem Vorhang aus schwarzen Schnüren.

Stark verdünnte Acrylfarben, die wie Aquarelle wirken, sind das Thema von Ingrid Swoboda. Diptychen und Triptychen entstehen aus den großen Formaten, wobei die Titel abstrakt bleiben, um Spielraum für eigene Interpretation zu lassen. »Doch Probleme wie Rassismus, die Fluchtbewegung oder Kernenergie beschäftigen mich seit Jahren und fließen in die Bilder ein«, sagt die Künstlerin. Dagegen sind die kleineren Formate, die sie seit neustem einsetzt, farbiger und in ihrer Thematik leichter.

»Ich bin Bildhauerin und klopfe lieber weg, als Ton aufzubauen. Und ich mag die freie Form lieber als ein festes Motiv.« Zu diesem Schluss kam Eva Schulz, nachdem sie ein halbes Jahr auf einen Porträtkopf verwendet hatte. »Es war ein Versuch, aber es ist nicht wirklich meins.« Fast symbolisch wurde einer der Köpfe versehentlich beschädigt. Zu besichtigen sind auch die für Eva Schulz typischen glattpolierten Skulpturen aus Marmor und schwarzem Kalkstein.

Neuzugang Leonard Staigle

Lisa Voss arbeitet mit Tusche, Acryl, Collage und Kreide. In den Strukturen alter Notenblätter lässt sie damit neue, eigene Rhythmen entstehen. Altes Galeriepapier, das die Künstlerin geschenkt bekam, regt seit neustem ihre Fantasie an und fordert sie heraus. »Ich probiere aus, was sich damit machen lässt.«

Flip-Flops als Symbole von Freiheit und Leichtigkeit bestimmen einige Werke von Barbara Wünsche-Kehle. Die Sohlen werden aus Draht und Papier aufgebaut, dekonstruiert und neu zusammengefügt. Ebenso entstehen auch Häuser und Zelte. Sind die Werke fertig, stellen sie die Frage nach Stabilität und Sicherheit in Wohnen und Leben, beinhalten aber auch energiegeladene Prozesse.

Leonard Staigle ist neu in der Ateliergemeinschaft. Der 30-jährige Familienvater studierte Industriedesign und hat als Master in Creative Direction eine interdisziplinäre Führungsqualifikation für kreative Bereiche. In seinen großformatigen Werken laden Sonnenliegen scheinbar zum Entspannen ein, doch stehen sie in surrealen, beunruhigenden Architekturen, die an Giorgio de Chirico erinnern. »Ich möchte Bilder malen, die für mich stimmig sind«, sagt der Künstler. Gleichzeitig seien die Werke manifestierte Denkprozesse. Zu sehen sind auch aus Wachs geformte Plastiken. (GEA)

OFFENE ATELIERS

Zum »Ein-Blick« lädt die Ateliergemeinschaft Alte Spinnerei, Hauptstraße 94 in Wannweil, am 13. November von 13 bis 17 Uhr, am 14. November von 11 bis 17 Uhr sowie am 20. November von 13 bis 17 Uhr und am 21. November von 11 bis 17 Uhr. (GEA) www.wwateliers.de