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Adventskonzert mit Überraschungen: Tübinger Akademischer Chor im Festsaal

Der Akademische Chor der Universität Tübingen lud zum Adventskonzert in den Festsaal in der Neuen Aula. Vor das große Publikum traten neben dem Chor Michael David Dan (Klavier), Benedikt Victor David Dan (Cello) und die Camerata Vocalis der Universität.

Sängerinnen des Akademischen Chors mit Pianist Dan.
Sängerinnen des Akademischen Chors mit Pianist Dan. Foto: Susanne Eckstein
Sängerinnen des Akademischen Chors mit Pianist Dan.
Foto: Susanne Eckstein

TÜBINGEN. Was macht ein Dirigent, wenn am Morgen des Konzertabends die auswärtigen Gastmusiker absagen? In diese schwierige Lage geriet Tübingens Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung kurz vor dem Adventskonzert seines Akademischen Chors, wofür Musiker aus Kinshasa eingeplant waren, die an der deutschen Grenze allzu lange aufgehalten wurden. Ein Programm mithilfe von Einspringern schnell umzustellen, ist ein seltenes Kunststück - Philipp Amelung ist es gelungen.

Zum »Einspringer« Nummer 1 erklärte er das Publikum, das den Saal füllte und nun die Programmblöcke gemeinsam mit dem Chor mit Adventsliedern rahmte. Als Einspringer Nr. 2 stellte sich der junge Tübinger Cellist Benedikt Victor David Dan zur Verfügung, dessen Vater Michael David Dan die Chorsätze am Flügel begleitete und – als echtes musikalisches Highlight – sie durch eigene, stimmungsvolle Improvisationen verband. Einspringer Nr. 3 war der ebenfalls von Amelung geleitete Kammerchor Camerata Vocalis.

Großartige Raumwirkung

Der erste Teil des Programms im Festsaal in der Neuen Aula verlief fast wie geplant: »Im Advent« und »Weihnachten« aus op. 79 von Mendelssohn sowie »Wachet auf, ruft uns die Stimme« aus dessen »Paulus«. Auch wenn die etwa 90-köpfige Besetzung des Akademischen Chors derzeit ungleich verteilt ist, erstrahlten die bestens geschulten jungen Stimmen in homogenem Gesamtklang und schufen, breit aufgestellt, eine großartige Raumwirkung.

Im neuen zweiten Teil stellte die Camerata Vocalis weihnachtliche Chorsätze von Saint-Saëns, Redner, Kirkpatrick und Holst vor, teils a cappella, teils begleitet. Scheinbar mühelos und selbstständig interpretierte sie das 1973 gegründete Ensemble als hoffnungsfrohe, lupenrein intonierte Vokalkunst vom Feinsten.

Souverän gestaltet

Die Kammermusikeinlage von Benedikt Victor David Dan wurde zur Überraschung des Abends: Er gestaltete die Variationen 1 bis 3 und 7 aus Tschaikowskis »Rokoko-Variationen« am Cello souverän auswendig und mit so viel sensibler, klangbewusster Musikalität, dass das Publikum ihn einhellig bejubelte.

Das Hauptstück des Programms blieb die Messe Nr. 1, die »Hofkapellmeistermesse« von Antonio Salieri. Wer sie hört, weiß, dass er kein Giftmörder gewesen sein kann – die angebliche Intrige gegen Mozart war nur ein Gerücht. Sie gewinnt das Ohr durch gefällige Wendungen, kantable Stimmführung und sinnfällige Textdeutung.

Klare Farben

Der Akademische Chor gestaltete das Werk in natürlicher, kontrastreicher Ausdruckskraft, inspiriert durch das klare Dirigat von Philipp Amelung. Insgesamt gelang eine unmittelbar einleuchtende, tadellose Salieri-Rehabilitation in heller Strahlkraft und klaren Farben, beschlossen von der Friedensbitte »Dona nobis pacem«. Als versöhnliche Dreingabe schenkte der Chor dem begeisterten Publikum das »Ave verum« von Mozart. (GEA)