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Acht Frauen und ein Todesfall: Krimikomödie am Alten Schauspielhaus Stuttgart

Ein Toter, ein abgeschnittener Landsitz und acht Frauen, alle verdächtig: Das Alte Schauspielhaus in Stuttgart zeigt »Die acht Frauen« von Robert Thomas, berühmt geworden durch die Kinoversion von François Ozon. Etwas kurios ist die Musik dazu.

Show-Einlage trotz Mord: Monika Wiedemer, Sabine Bräuning, Anne Leßmeister, Rosa Alice Abruscato, Barbro Viefhaus, Hannah Rebekk
Show-Einlage trotz Mord: Monika Wiedemer, Sabine Bräuning, Anne Leßmeister, Rosa Alice Abruscato, Barbro Viefhaus, Hannah Rebekka Ehlers, Katja Hentschel und Dorothée Kahler in »Die acht Frauen« (von links). Foto: Tobias Metz
Show-Einlage trotz Mord: Monika Wiedemer, Sabine Bräuning, Anne Leßmeister, Rosa Alice Abruscato, Barbro Viefhaus, Hannah Rebekka Ehlers, Katja Hentschel und Dorothée Kahler in »Die acht Frauen« (von links).
Foto: Tobias Metz

STUTTGART. Es ist Weihnachten, die Familie kommt, das Personal ist mit der Bewirtung der eintreffenden Gäste beschäftigt – Gästinnen muss man hier wohl neudeutsch schreiben, es sind ausschließlich Frauen. All ihr Treiben kreist um den noch schlafenden Hausherrn Marcel, der, als er dann endlich geweckt werden soll, mit einem Messer im Rücken tot im Bett liegt.

Die »Kriminalkomödie mit Musik«, die das Alte Schauspielhaus in Stuttgart über Weihnachten zeigt, ist tatsächlich spannend, lustig und ein bisschen Musical, nur alles nicht so recht mit Wumm. Sie beruht auf François Ozons charmant-feministischem Film »Acht Frauen« aus dem Jahr 2002, der dafür wiederum ein altes Bühnenstück von Robert Thomas adaptierte. Die Handlung spielt zu Zeiten, als man noch mit Francs zahlte; die Bühne von Su Sigmund sieht so aus, wie Bühnen in französischen Boulevardkomödien gerne aussehen.

Wer killte den Patriarchen?

Agatha Christie lässt grüßen, weil die Verbindung zur Außenwelt gekappt wurde: Das Telefon ist tot, das Tor verschlossen, die Hunde sind vergiftet. Also müssen die acht Frauen – Marcels Frau und seine zwei Töchter, seine Schwester, die Schwiegermutter, die Schwägerin, die Köchin mit Familienanschluss und das neue, darob hochverdächtige Hausmädchen – nun alleine herausfinden, wer von ihnen den Patriarchen gekillt hat.

Aufführungsinfo

Die Kriminalkomödie »Die acht Frauen« ist im Alten Schauspielhaus Stuttgart bis 24. Januar zu sehen. Karten gibt's unter Telefon 07 11  22 77 00 oder online auf der Seite www.schauspielbuehnen.de. (GEA)

Es dauert erstaunlich lange, bis es mit den ersten Enthüllungen endlich spannend wird: Fast alle Damen haben Marcel in der Nacht zuvor mit diversen Anliegen aufgesucht. Der Notar sollte heute kommen, die Gattin sitzt auf gepackten Koffern, eine Tochter ist schwanger. Drei der Frauen sind dem Spiel verfallen, Medikamente verschwinden, eine Pistole taucht auf. Der Ton wird schärfer, jede Tasse Kaffee könnte vergiftet sein, die Oma wird mit einem Schlag auf den Kopf »beruhigt«.

Auf jedes neue Geständnis reagiert die Damenschar mit einem kollektiven, lauten Lufteinziehen, aber leider holt Regisseur Frank-Lorenz Engel erst spät den parodistischen Salzstreuer raus: Wenn sich etwa im Bühnenbild Türchen wie im Adventskalender öffnen und die Damen dort ein »Shoop Shoop« zu einem weiteren deplatzierten Song flöten, gewinnt der Abend eine erfrischende Absurdität.

Lebensgefährliche Kurven

Schon in François Ozons Film hatten die acht berühmten Schauspielerinnen wie etwa Catherine Deneuve einen musikalischen Auftritt, dort sangen sie französische Chansons. In der Bühnenversion sind die Songs offensichtlich frei wählbar: Wir hören einen Querschnitt von »Schuld war nur der Bossa Nova« über Cole Porter und Aretha Franklin bis zu »Great Balls of Fire«, allesamt mit deutschem Text versehen. Die Arrangements von Felix Meyerle werden vom Band eingespielt, gesungen wird natürlich live.

Glitzerfee: Anne Leßmeister (Mitte), Rosa Alice Abruscato, Monika Wiedemer, Hannah Rebekka Ehlers, Barbro Viefhaus, Dorothée Kah
Glitzerfee: Anne Leßmeister (Mitte), Rosa Alice Abruscato, Monika Wiedemer, Hannah Rebekka Ehlers, Barbro Viefhaus, Dorothée Kahler und Sabine Bräuning in »Die acht Frauen« (von links). Foto: Tobias Metz
Glitzerfee: Anne Leßmeister (Mitte), Rosa Alice Abruscato, Monika Wiedemer, Hannah Rebekka Ehlers, Barbro Viefhaus, Dorothée Kahler und Sabine Bräuning in »Die acht Frauen« (von links).
Foto: Tobias Metz

Die Kurven, die manche Dialoge zu diesen Songs hin finden müssen, sind lebensgefährlich, aber dafür legen die Darstellerinnen von jung bis alt tolle Auftritte hin. Maryanne Kelley bringt sie mit Showeinlagen auf der Treppe oder einem wilden Kampf am Boden in Schwung – besonders nett ist die Idee, die Eigenarten der verschiedenen Charaktere auch im Tanz zu zeigen.

Ungeahnte Laster

So kehrt zum Beispiel Anne Leßmeister, das graue, frierende Schwägerinnen-Mäuschen, nach einer Aufbauspritze als Glitzerfee zurück, eine ganz herrliche Szene. Zu Rivalinnen werden Monika Wiedemer mit dem souveränen Auftritt der eleganten Hausherrin und Dorothée Kahler als Marcels anrüchige, aber leider noch elegantere Schwester. Sabine Bräuning gibt als Schwiegermutter Mamy die knitze alte Dame; Katja Henschel versteckt hinter dem mütterlichen Hausdame-Äußeren ungeahnte Laster.

Als widerborstiges Zimmermädchen sorgt Hannah Rebekka Ehlers für eine weitere Überraschung. Barbro Viefhaus ist die so brave wie schwangere Tochter im Schottenkaro; Rosa Alice Abruscato mischt als 15-jährige aufsässige Catherine ihrerseits beim Lösen des Kriminalfalls mit. Mit dem Song »Zou bisou bisou« kommt, leider arg spät, doch noch eine Prise Leichtigkeit à la française ins Finale. (GEA)