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Älter, aber kein bisschen leiser: Judas Priest rocken Stuttgart

Metal-Gipfel in Stuttgart: Neben Judas Priest traten Accept und Phil Campbell And The Bastard Sons in der Schleyerhalle auf.

Judas Priest in der Schleyerhalle: Richie Faulkner an der E-Gitarre und Sänger Rob Halford.
Judas Priest in der Schleyerhalle: Richie Faulkner an der E-Gitarre und Sänger Rob Halford. Foto: Ulrich Schertlin
Judas Priest in der Schleyerhalle: Richie Faulkner an der E-Gitarre und Sänger Rob Halford.
Foto: Ulrich Schertlin

STUTTGART. 73 Jahre alt ist Robert »Rob« John Arthur Halford, der Frontmann von Judas Priest, mittlerweile. Man könnte glatt meinen, Heavy Metal hält jung – denn mit viel Elan und Leidenschaft begeisterte die Kult-Band aus England zusammen mit Accept und Phil Campbell And The Bastard Sons am Dienstag die rund 8.000 Fans in der nahezu ausverkauften Stuttgarter Schleyerhalle.

Viel schwarzes, nietenbesetztes Leder, dunkle Sonnenbrillen und die obligatorische aufnäherbewehrte Jeans-»Kutte« bestimmten überwiegend das Erscheinungsbild der Bands und Fans. Der Altersdurchschnitt dürfte vorwiegend bei Ü45 gelegen haben. Kein Wunder, denn Phil Campbell spielte bei Motörhead (gegründet 1975) Gitarre, Accept rocken seit 1971 und Judas Priest prägten die Metal-Szene musikalisch zusammen mit Iron Maiden, Def Leppard und Ozzy Osbourne.

Aufputschender Gesang

Aber die alten Herren können es immer noch: Den Grundstein für die Straße zum Metal-Gipfel in Stuttgart legten Phil Campell And The Bastard Sons: Motörhead-Klassiker wie »Killed by Death«, »Going to Brazil« und »Ace of Spades« brachten neben anderen Songs schon mächtig Stimmung ins Publikum. Accept-Frontman Mark Tornillo baute anschließend auf dieser Basis weiter auf. Bei »Restless and Wild«, »Fast as a Shark«, »Balls to the Walls« und »Princes of the Dawn« wurde kräftig geheadbangt und mitgesungen. Sägende Gittarrenriffs, hämmernder Bass und Tornillos aufputschender Gesang versorgten die Menge mit ausreichend Old-School-Metal-Feeling. Zwei-, dreimal versagte zwar die Sound-Technik, das tat der Laune aber keinen Abbruch.

Nach einer kurzen Ruhepause für Körper und Ohren betrat dann der »Metal God« Rob Halford die Bühne. Der Titel ist seinem druckvoll-markanten, operesken Stimmumfang geschuldet, der über viereinhalb Oktaven reicht, hohe Schreie (auch als »Judas-Screams« bekannt) und tiefe Growls umfasst. Über 50 Jahre Banderfahrung, mehr als 50 Millionen verkaufte Alben untermauern diese Würdigung.

Steiniger Weg

Der Weg zum Metal-Olymp war für den Künstler steinig. Mit 16 Jahren ging Halford von der Schule ab und sang bei verschiedenen englischen Rockbands. Ende der 60er-Jahre fand er zu Judas Priest, 1976 kam der erste große Plattenvertrag nach dem Album »Sad Wings of Destiny«.

Im weiteren Karriereverlauf machten Drogen- und Alkoholprobleme dem Sänger in den 80er-Jahren zu schaffen, doch er schaffte den Ausstieg. 1992 verließ er Judas Priest und startete mehrere Soloprojekte – mit mäßigem Erfolg. 1998 fand sein Coming-out als homosexueller Metaller statt. Er nannte diesbezüglich Freddie Mercury als großes Vorbild. 2003 kehrte Halford zu Judas Priest zurück, was in Fankreisen frenetisch gefeiert wurde. Nicht nur musikalisch gilt die Band als wegweisend, auch die Metal-Mode orientierte sich am Outfit der Band: Der Leder- und Nietenlook wurde populär.

Starker Opener

In solchem zeigte sich Halford auch in der Schleyerhalle. Der Nachteil: Man kommt bei den aktuellen Temperaturen dabei schnell ins Schwitzen. Dem bühnenerprobten Frontmann machte dies jedoch nichts aus. Die Band zündete ein Soundfeuerwerk erster Güte. Nach dem starken Opener »All Guns Blazing«, gefolgt von »Hell Patrol«, kamen altbekannte Hits wie »Freewheel Burning« und »Breaking the Law«. Die Halle kochte. Weiter ging das Gitarrengetöse mit »Touch of Evil«, »Night Crawler«, »Firepower« und »Gates of Hell«. Passend zu jedem Song gab es eine Hintergrund-Bühnenvideoillumination.

Natürlich durften »Metal Gods« und »One Shot at Glory« sowie »Judas is Rising« nicht fehlen, bevor große Erfolge wie »Painkiller«, »Electric Eye« und »Living after Midnight« mit druckvoller Klanggewalt die glücklich-verschwitzen Fans in die Nacht entließen. (GEA)