TÜBINGEN. Die CDU liegt vorn, die AfD legt stark zu. Die SPD muss ein historisch schlechtes Ergebnis verkraften. Der Wahlkreis 290 Tübingen-Hechingen folgt dem allgemeinen Trend, hat aber einige Besonderheiten, die ihn von anderen abheben.
Missmutig durften viele Kandidaten die nacheinander eintreffenden Ergebnisse aus den Gemeinden verfolgen. Christoph Naser (CDU) hatte sich von vornherein auf eine Zitterpartie bis in de Morgenstunden eingestellt. In ländlich geprägten Wahlkreisen holt seine Partei in der Regel mehr Stimmen. Da besteht die Gefahr, dass einer wie er zwar theoretisch das Direktmandat holt, dann aber in der Praxis doch nicht nach Berlin darf, weil die Überhangmandate abgeschafft sind.
In allen Gemeinden lag Naser vorn, nur in der Unistadt nicht. Da verwies ihn die Grüne Asli Kücük auf Platz zwei. Mit großem Abstand (42,87 Prozent für die Kandidatin, 21,5 für den CDU-Mann). Florian Zarnettas Hoffnungen wurden vom allgemeinen Trend weggeblasen.
Im Steinlachtal ging's fix
Die Dußlinger waren die Ersten. Nur etwas mehr als anderthalb Stunden nach Schließung der Wahllokale waren dort die Stimmen ausgezählt. Sieben Minuten später präsentierte Ofterdingen sein Ergebnis. Um 20.10 Uhr folgte Bodelshausen. Danach ging's Schlag auf Schlag. Und auch Gomaringen, das beim vorigen Mal erst um 22.45 Uhr sein Ergebnis gemeldet hatte, war diesmal vergleichsweise fix und meldete um 20.38 Uhr Vollzug. Auch die Städte, die viel mehr Wahlbezirke haben, brauchten nicht viel länger. Tübingen und Mössingen hatten kurz nach 21 Uhr alles ausgezählt.
Tübingen stellt einen Sonderfall dar. In der Unistadt sind die Grünen stets besonders stark. Sie holten 31,5 Prozent der Zweitstimmen und blieben damit unter dem Ergebnis vom vorigen Mal. Auf Platz zwei folgt diesmal die CDU (19,1), die ähnlich wie im Bundestrend zugelegt hat und sich damit vor die SPD (15,8) geschoben hat. Das reicht bei der SPD aber nicht mal mehr für Platz drei. Den holt sich die überraschend starke Linke(16,28), die ihr Zweitstimmen-Ergebnis annähernd verdoppelt hat.
Die AfD ist in der Unistadt bei der Gemeinderatswahl gar nicht angetreten, weil sie sich nichts erhoffen durfte. Jetzt kam sie auf 6,5 Prozent. Das ist etwas mehr als die 4,4 Prozent der abgestraften FDP, die beim vorigen Mal noch mehr als doppelt so gut abschnitt.
Starke Bastionen hatte die AfD schon 2021 in den sechs Gemeinden aus dem Zollernalbkreis. Vor allem in Grosselfingen und Burladingen waren die Rechtsaußen stark. Diesmal verdoppelten sie die Zahl der Zweitstimmen und holten in Grosselfingen sogar 35,5 Prozent. Dort ist die AfD sogar stärkste Partei, mit drei Prozentpunkten mehr als die CDU (32,5 Prozent).
Nicht mal Nehren ist mehr rot
Wer ein gutes Ergebnis für die SPD sucht, schaut normalerweise nach Nehren, wo sie 2021 noch ein Viertel aller Wählerstimmen bekommen hat. Davon ist nicht mehr viel übrig. Nur 17,5 Prozent der Wähler machten ihr Kreuzchen bei den Sozialdemokraten. In Bodelshausen (nur noch 14,3) und Mössingen (13,9) sieht es ähnlich aus. Bisher holte die SPD dort mehr als 20 Prozent, das liegt diesmal in weiter Ferne.
In Kusterdingen und Kirchentellinsfurt gehen für gewöhnlich viele Grünen-Anhänger zur Wahl. Auch diesmal kommt die Ökopartei dort auf Platz zwei hinter der CDU, allerdings liegt man nur noch knapp über der 20-Prozent-Marke, in Ammerbuch knapp darunter.
Wie im Bundestrend war auch in Tübingen-Hechingen die Wahlbeteiligung hoch. Die Kusterdinger knackten sogar die 90-Prozent-Marke. Bodelshausen, das in dieser Rangliste gerne weit hinten liegt, machte einen Sprung von 72,8 Prozent auf 81 Prozent. (GEA)

