STARZACH-FELLDORF. Die Versammlung des Kreisfeuerwehrverbands Tübingen im Bürgerhaus von Starzach-Felldorf, im äußersten Südwesten des Landkreises, begann mit einer schmerzlichen Note. Ralf Sauter, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands gedachte dem im Sommer plötzlich verstorbenen Tübinger Kameraden Bernd Gugel. Er hatte als Sportwart des Verbands die überaus erfolgreiche und beliebte Feuerwehr-Challenge eingeführt.
Steigende Zahlen bei Frauen und der Jugend
Ende 2024 waren 2.069 Rettungskräfte für die Feuerwehren im Kreis im Einsatz, 32 davon hauptamtlich. Ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr: Ende 2023 verzeichnete der Feuerwehrverband noch 2.128 Feuerwehrleute. Immerhin nahm heuer die Zahl der Frauen in den Feuerwehren des Landkreises zu. Sie stieg um zwölf auf 146 Frauen im aktiven Dienst. Auch in der Jugend steigen die Zahlen. An der Spitze des Landesverbands gab es einen Wechsel: Michael Wegel folgte Frank Knödler nach.

In seinem Bericht ging Ralf Sauter auf geplante Änderungen im Feuerwehrgesetz ein. So solle das Ende des aktiven Dienst künftig, parallel zum Renteneintritt, mit 67 Jahren erfolgen. Da die Anforderungen durch Zunahme von Extremwetter steigen, sei eine gute Ausstattung und personelle Entwicklung nötig, zitierte Sauter Landesinnenminister Thomas Strobl. »Ausbildung und Geräte müssen auf dem neuesten Stand sein«, forderte Sauter. Er sprach sich dafür ein Sondereinsatzlager einzurichten, auf das alle Feuerwehren im Kreis zugreifen könnten.
Aus Kassel schaltete sich Tom Mangold per Livestream zu. Im Kreis und im Bund gilt er als Brandschutz-Experte par excellence. Er berichtete von der Verleihung des Publikumspreises in Berlin und dessen Weitergabe an Innenminister Strobl, stellvertretend für die gesamte Blaulicht-Familie im Land. Den Preis bekam Mangold für den Feuerwehr-Aktionstag an Schulen. Diesen mehrfach auszurichten, erfordere einen finanziellen Aufwand von jährlich rund 36.000 Euro. Aktuell verhandle die Landesregierung darüber, ob das Innenministerium die Summe übernimmt.
Rauch »lesen« und Menschen aus Aufzügen befreien
Andreas Bökle, für die Aus- und Fortbildung im Kreisverband zuständig, stellte zwei Maßnahmen heraus: Im Oktober und November fanden zwei Kurse am Uni-Klinikum Tübingen statt, in welchen geübt wurde, Menschen aus Aufzügen zu befreien: »Kein Aufzug ist gleich, jeder hat technische Besonderheiten. Einheitliche Handlungsempfehlungen gibt es nicht«, stellte Bökle fest. 2026 gebe es zwei weitere Termine, das Interesse daran sei groß. In einem anders Kurs lernten Teilnehmer Rauch zu »lesen«.
Bei den anschließenden Wahlen wurden Ralf Sauter, dessen Stellvertreter, Kreisbrandmeister Sebastian Raudszus, sowie die Kassenprüfer Anton Neher und Florian Michel in ihren Vorstandsämtern des Kreisverbands bestätigt. Martin Baur (Hirrlingen), Michael Schorp (Bieringen), Markus Schäfer (Immenhausen), Frank Schanz (Jettenburg), Roland Haas (Kiebingen) und Matthias Beck (Dettingen) wurden für ihre Verdienste mit der bronzenen, Michael Fromm (Lustnau) und Marco Steeb (Bodelshausen) mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.
Jeder Cent gut angelegt
Stellvertretend für die Bürgermeister im Kreis sprach der Dettenhausener Schultes Thomas Engesser den Feuerwehrleuten im Landkreis seinen Dank aus. Er erinnerte an einen Brand in seiner Gemeinde, der Kritiker der Neuanschaffung eines HLF (Hilfslöschfahrzeug) für die örtliche Feuerwehr verstummen ließ. Bei der Feuerwehr sei jeder Cent gut angelegt. Die nächsten Anschaffungen – Atemschutzwerkstatt, neue Software und die integrierte Leitstelle – seien hoffentlich schneller da als zuletzt der Digitalfunk.
Engesser betonte: »Die Verantwortung für die Leitstelle muss beim Landrat liegen!« Hendrik Bednarz, der dieses Amt im September antrat, nahm den Ball auf: Man wähne sich als Verantwortungsträger einer ständig Sorge tragenden Gesellschaft vor einem Berg von Problemen. »Ich sehe das nicht so«, sagte der Tübinger Landrat mit einem Verweise auf die in den letzten Jahren bewältigten Krisen um die Themen Corona, Energie und Ukraine-Krieg: »Wir kriegen das hin.« Die Feuerwehr im Kreis sei ein Garant dafür. (GEA)

