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Wolfram Breckle aus Kirchentellinsfurt spielt seit über 40 Jahren Zither

Wolfram Breckle hat sich in vielvältiger Weise um das außergewöhnliche Instrument verdient gemacht. Dafür wurde der Kirchentellinsfurter mit der Landesehrennadel ausgezeichnet. Wie es dazu kam, erzählt er im GEA-Gespräch.

Wolfram Breckle hat für sein Engagement um das Zitherspiel die Landesehrennadel bekommen.
Wolfram Breckle hat für sein Engagement um das Zitherspiel die Landesehrennadel bekommen. Foto: Irmgard Walderich
Wolfram Breckle hat für sein Engagement um das Zitherspiel die Landesehrennadel bekommen.
Foto: Irmgard Walderich

KIRCHENTELLINSFURT. Im Grunde ist die Zither nichts anderes als ein Kasten, auf den Saiten gespannt sind, sagt Wolfram Breckle. Ein Kasten, der es allerdings in sich hat. Wer Breckle spielen hört, ist berührt von dem ganz eigenen Klang des Instruments. Sofort fühlt man sich in eine behagliche Stube in den Alpen versetzt. Dann stimmt Breckle den »Dritten Mann« an, und man erkennt, dass eine Zither zu sehr viel mehr als volkstümliche Weisen in der Lage ist. Es sei eines der wenigen Instrumente, mit dem man sich selbst begleiten könne, sagt der Gymnasiallehrer für Musik und Geschichte. Auch in der Avantgarde-Musik ist die Zither angekommen. Junge Musiker bearbeiten sie mit Trommelschlägel und Geigenbögen, um ihr ungewöhnliche Töne zu entlocken.

Breckle hat im Alter von zehn Jahren begonnen, das Instrument zu spielen. »Das ist fast schon genetisch bedingt«, antwortet er lächelnd auf die Frage, wie er als Kind zu diesem ungewöhnlichen Instrument gekommen ist. So gut wie alle in seiner Familie spielen Zither. Der Großvater war außerdem Gründungsmitglied des Zither-Klubs Oßweil bei Ludwigsburg. Auch dieses Engagement im Verein wurde in der Familie weitergegeben.

Breckle ist dort seit 40 Jahren aktiv mit dabei und bis heute Dirigent. Im Landesverband des deutschen Zithermusikbundes setzt er sich ebenfalls für das Instrument und seine Spieler ein und hat auch ein Unterrichtswerk geschrieben. Dafür wurde er unlängst mit der Landesehrennadel ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, mit der er in keiner Weise gerechnet habe, sagt der 64-Jährige. Aber sie habe ihn sehr gefreut.

Einst ein »Lumpeninstrument«

Die Ursprünge der Zither reichen bis in die Antike. Phytagoras hat mit der Vorform, dem Monochord, experimentiert. Auch dieses Instrument ist letztlich nichts weiter als ein Resonanzraum mit Saiten. So richtig ausgereift war die Zither erst im 19. Jahrhundert, erzählt Breckle. Michael Praetorius, Komponist und Musiktheoretiker aus dem 16. Jahrhundert, bezeichnete sie noch als »Lumpeninstrument«, also als volkstümliches Instrument, ähnlich der Drehleier, den Sackpfeifen und Schalmeien. Seit dem 19. Jahrhundert verfügt die Zither über einen lückenlosen Tonumfang von sechs Oktaven. Sie hat 42 Saiten, fünf davon sind über ein Griffbrett gespannt. Vom 19. Jahrhundert bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges schossen Vereine wie Pilze aus dem Boden, erzählt Breckle. Entsprechend vielfältig war das Notenangebot. »Die Zither hatte den dicksten Stapel an Literatur.«

Diese Zeiten sind vorbei. Aber dennoch hat das Instrument noch viele Liebhaber. Der baden-württembergische Landesverband im Zithermusikbund sei einer der größten, so Breckle. Vier- bis fünfhundert Spieler sind dort organisiert. Nachwuchsprobleme habe man nicht. In Oßweil hat das Zitherspiel schließlich eine mehr als hundertjährige Tradition. Dass der Verein auch junge Musiker für die Zither begeistern kann, liegt sicher auch an der Musik: Unter den Best of des Zitherclubs sind unter anderem »Paint it Black« von den Rolling Stones, »Stairway to heaven« von Led Zeppelin und »The Pink Panther« von Henry Mancini.

Daumenanschlag mit Zitherring

Wer das Instrument lernen will, muss vor allem eine Hürde nehmen, erzählt der Musiklehrer: Der rechte Daumen spielt zusammen mit den Fingern der linken Hand die Melodie. Die anderen Finger der rechten Hand sind für die Begleitsaiten verantwortlich. Der Daumenanschlag erfolgt dabei mithilfe eines Zitherrings. Wer diese Hürde einmal genommen hat, der lernt auch das weitere Spiel.

Dabei kann man sich für unterschiedliche Varianten entscheiden. Breckle hat sie alle bei sich zu Hause: Die Diskantzither ist das übliche Instrument, dazu kommen die Alt- und die Basszither. »Vergleichbar der Violine, der Bratsche und dem Cello.« Auch eine Quintzither und eine E-Bass-Zither gibt es. Genug Klangmöglichkeiten also für alle möglichen Einsatzbereiche, von der Kammermusik bis zum Jazz, vom Duo bis zum Orchester.

Im Oßweiler Verein wird das Instrument auf hohem Niveau gespielt. Eine ganze Reihe Preise haben die Musiker schon gewonnen. Sie waren auf Tournee in Amerika, in der Partnerstadt von Ludwigsburg. Nur in Kirchentellinsfurt hat Breckle noch nicht gespielt. Über seine Familie und den Verein sei er Richtung Ludwigsburg orientiert, begründet das der Musiker. Aber wer weiß, vielleicht zieht es das Zither-Orchester doch einmal an die Echaz. (GEA)